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Meine Zeit im Untergrundgefängnis in Wi’a
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Meine Zeit im Untergrundgefängnis in Wi’a

Broschüre Eritrea 2009


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Wir danken für die finanzielle Förderung durch den - Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)
Eritreische Antimilitaristische Initiative - Link zu Beiträgen der Gruppe
Pro Asyl - Link zur Website

Meine Zeit im Untergrundgefängnis in Wi’a

Ein eritreischer Deserteur berichtet auf der Pressekonferenz

von Yonas M.

In Eritrea steckten sie mich Mitte 2008 in Wi’a in ein Gefängnis, das unter dem Namen Under bekannt ist. Es ist eine ehemalige Zisterne, die von den Italienern gebaut wurde, aus Steinen und Zement. Ein kleiner Gang führt mehrere Meter nach unten in einen Raum, der 15 x 10 Meter groß ist. Als ich dort zum ersten Mal hinkam, sah ich nichts. Später konnte ich ein wenig wahrnehmen. Etwa 400 Gefangene waren dort. Es gab keine Fenster, nur den kleinen Gang am Eingang. Es war unerträglich heiß und es gab viel zu wenig Sauerstoff. Wie die anderen zog ich mir die letzten Kleider vom Leib und hatte nur noch meine Unterhose an.

Durch die Hitze und die Bedingungen in Under wurde der ganze Körper wund. Die Haut schlägt Blasen. Es gibt dafür sogar Namen, Hakakin und Habegebeg. Ich habe heute noch die Narben davon.

Stellen Sie sich das vor: Es ist so eng, dass wir nur schlafen konnten, wenn wir übereinander lagen. Es gibt dort keine Schlafplätze. Es gibt nur den Boden und jeder möchte vermeiden, überhaupt zu schlafen. Morgens wenn ich aufwachte, war es immer am Schlimmsten. Wir mussten regelrecht die Haut voneinander lösen.

Sechs Monate musste ich unter diesen Bedingungen verbringen. Als ich keine Kraft mehr hatte, mein Körper völlig wund war, wurde ich nach oben gebracht. Um Under herum liegt ein offen liegendes Areal, das mit einer Steinmauer umfasst ist, mit Stacheldraht und mit einem Dornengestrüpp aus Akazien an beiden Seiten der Mauer.

Auch hier oben stehen übrigens – wie unten in Under – zwei halbe Ölfässer für die Notdurft. Sie sind völlig offen, die Fliegen schwirren drum herum und kamen natürlich auch zu uns, wir hatten ja offene Wunden. Ich hatte das Gefühl, so sagt man bei uns, ich war vor einem Löwen auf einen Baum geflüchtet – und da wartete schon der Tiger auf mich.

Ich will Ihnen noch zwei Dinge schildern. Zwei Mal am Tag kamen wir heraus, um unsere Notdurft draußen an einem Platz verrichten zu können. Es ging barfuß über die heißen Steine. Wi’a ist eine extrem heiße Gegend, da wird es bis zu 50 Grad heiß. Es liegt mitten in der Wüste. Und auf den Steinen sind kleine Dornen, spitze Steine. Es ist eine Qual, barfuß darüber laufen zu müssen. Wenn wir an dem Platz ankamen, mussten wir gemeinsam unsere Notdurft verrichten. Und es war immer der gleiche Ort, weil die Wächter uns da besser überwachen konnten.

Wir bekamen in all der Zeit kaum etwas zu essen. Es gab pro Tag nur drei kleine Hirsebrötchen, vielleicht jeweils 100 Gramm schwer. Zwei Mal am Tag erhielten wir einen Becher heißes Wasser von einer Linsensuppe, allerdings ohne Linsen. Morgens bekamen wir noch eine Tasse Tee. Es gab zwar noch Wasser, aber nichts weiter zu essen.

Kein Wunder, dass viele dort krank werden, Durchfall haben und unterernährt sind. Es sind so unerträgliche Bedingungen, dass viele versuchen zu fliehen und sich sagen, „wenn ich erschossen werde, ist das hier wenigstens vorbei. Und ganz vielleicht schaffe ich es ja auch.“ Aber den meisten gelang das nicht. Die Wächter zeigten uns immer wieder mal Kleider von Flüchtigen, die wohl erschöpft liegenblieben und von Hyänen zerrissen wurden.

Aus dieser Hölle bin ich entkommen, weil ich glücklicherweise in ein Militärkrankenhaus gebracht wurde, um meine vereiterten Wunden zu säubern. Ich bin wirklich dem Tod entronnen.

 

Das ausführliche Interview mit Yonas M. und Petros M. erschien in der Broschüre "Eritrea: Desertion, Flucht & Asyl" im September 2010 (...mehr)


Yonas M.: Meine Zeit im Untergrundgefängnis in Wi’a. Beitrag auf der Pressekonferenz am 9. September 2010. Übersetzung: Yonas Bahta



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