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Kolumbien: "Die Soldaten zwangen mich, auf den Lastwagen zu steigen"
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Kolumbien: "Die Soldaten zwangen mich, auf den Lastwagen zu steigen"

Kolumbien - Schwerpunkt unseres Rundbriefes »KDV im Krieg«, Februar 2011


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Kolumbien: "Die Soldaten zwangen mich, auf den Lastwagen zu steigen"

von Esneider Gamboa

Es war elf Uhr vormittags, und mein Cousin und ich waren auf dem Weg nach Hause. Auf der Höhe des Spielplatzes hielt plötzlich ein Lastwagen neben uns. Die Männer auf dem Lastwagen zwangen mich, aufzusteigen. Ich sagte ihnen, dass ich noch gar nicht volljährig bin, aber sie glaubten mir nicht, und ich musste mitkommen. Mein Cousin ist älter als ich, aber er sieht etwas jünger aus und deshalb ließen sie ihn laufen. Er ging zu meiner Mutter und sagte ihr, ich sei rekrutiert worden. Das Problem war, dass er nicht wusste, von welchem Bataillon die Rekrutierung durchgeführt worden war. Und die Militärs selbst machen sich ja nicht die Mühe, unsere Eltern zu benachrichtigen.

An jenem Sonntag brachten sie mich erst hierhin, dann dorthin, und überall, wo ich hinkam, sagte ich: Ich bin minderjährig! Ich bin minderjährig! Aber das interessierte niemanden. Am schlimmsten war für mich der Gedanke, dass meine Mutter keine Ahnung hatte, wo ich war und wie es mir ging.

Zunächst wurde ich zum Bataillon Bagra gebracht und dann in ein Militärgebäude in der Nähe des Stadtzentrums. Tatsächlich lief meine Mutter an jenem Tag zu verschiedenen Behörden und Stellen und fragte nach mir, aber niemand gab ihr Auskunft, niemand sagte ihr, wo ich war und was mit mir passierte.

Diesem Tag folgte eine lange Nacht. Ich konnte kaum schlafen vor Angst, die ganze Zeit fragte ich mich, was mit mir geschehen würde. Irgendwann sagte mir einer, sie würden mich zum Bataillon von Puerto Berrio in Pipaton schicken, ich glaube, so hieß das. Ich beschwor sie immer wieder, mich gehen zu lassen. Ich sagte, was sie mit mir machten, sei nicht in Ordnung. Aber das interessierte sie gar nicht. So musste ich die Nacht bei diesem Bataillon im Stadtzentrum verbringen und konnte nur hoffen, dass irgendjemand meine Mutter benachrichtigen würde.

Am nächsten Tag erfuhr ich, dass ich nicht völlig verlassen war. Mein Verschwinden hatte sich herumgesprochen und jemand hatte einen Anwalt beauftragt, sich darum zu kümmern. Es beruhigte mich sehr, zu wissen, dass es da draußen Unterstützung für mich gab und mein Fall überhaupt wahrgenommen wurde. Und tatsächlich setzte der Anwalt durch, dass sie mich gehen ließen, weil sie nämlich kein Recht haben, Minderjährige zu rekrutieren. Ich durchlebte noch einige unangenehme Stunden, aber schließlich wurde ich auf freien Fuß gesetzt.

Seit dieser Erfahrung weiß ich, dass ich niemals Teil der Armee werden und unter der Fuchtel dieser Militärs stehen möchte.


Esneider Gamboa, Barrancabermeja, Bericht vom 31.1.2010. Übersetzung: Heike Makowski. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2011



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