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An das Berufungsgericht in Washington D.C.
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An das Berufungsgericht in Washington D.C.

Agustín Aguayo

Kurzportrait des US-Verweigerers

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An das Berufungsgericht in Washington D.C.

Erklärung zur Kriegsdienstverweigerung

von Agustin Aguayo

Am 28. August 2006 wurde dem US-Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguyo befohlen, mit seiner Einheit ein zweites Mal ins Kriegsgebiet in den Irak zu gehen. Er lehnte dies ab und hatte dies auch mehrfach gegenüber seinen Vorgesetzten erklärt. In einer ausführlichen Stellungnahme erläutert er seine Gründe dafür. (Anm. d. Red.)

Mein Glauben und meine moralischen Grundsätze sind Ergebnis von Entwicklungen, die direkt aus meiner religiösen und familiären Erziehung resultieren, wie auch aus den Erfahrungen im Militär und anderen neuen Erfahrungen, die ich mir selbst geschaffen und gesucht habe. Eine davon ist, dass ich mich mit Menschen umgeben habe, die das Leben und den Frieden hochachten. Ich wurde aktives Mitglied und Unterstützer von vielen Friedensorganisationen, wie dem Center on Conscience & War (Zentrum für Gewissen & Krieg), Military Counseling Network (Militärberatungsnetzwerk), Munich Peace Committee (Friedenskomitee München) und American Voices Abroad (US-Stimmen im Ausland). Ich habe mein Leben neu gestaltet, mit friedlichem Künsten wie Yoga und Meditation. Je mehr Zeit vergeht (es sind nun mehr als zweieinhalb Jahre vergangen, seit ich zum Kriegsdienstverweigerer wurde), desto stärker und intensiver werden meine Überzeugungen. Ich glaube, dass die Teilnahme an diesem (oder jedem anderen) Militäreinsatz grundsätzlich falsch wäre. Deshalb will und kann ich nicht daran teilnehmen. Wenn ich es täte, wäre ich Teil von organisiertem Töten und würde den Kriegseinsatz stillschweigend dulden. Ich verweigere auf der Basis meiner religiösen Erziehung und meines Glaubens die Teilnahme an jedem Krieg. Ich muss für meine Prinzipien, meine Werte und moralischen Grundsätze einstehen und mich durch mein Gewissen führen lassen.

Schließlich habe ich, und niemand sonst, die Belastung aufgrund der Vernachlässigung meines Gewissens zu tragen oder die Konsequenzen meiner Entscheidung.

Zunächst hatte mir die Armee gestattet, den Status eines Nichtkombattanten zu behalten, bis das Gericht über meinen Fall entschieden habe. Aber kürzlich wurde ich wegen meiner Weigerung, eine Waffe zu tragen, disziplinarrechtlich bestraft. Ich akzeptierte die Anklagen und plädierte auf "nicht schuldig". Dennoch stimmte ich einer Vereinbarung mit der Armee zu, die 14 Tage zusätzlichen Dienst und eine Woche Soldentzug vorsah.

Ich werde der Verlegung weder als Kombattant, noch als Nichtkombattant nachkommen. Ich war für die Operation Iraqi Freedom II (Irakische Freiheit II) im Irak und weiß, was mich erwartet. Ich weiß auch, was von mir erwartet wird. Und weil ich dies aus erster Hand weiß, kann ich einfach nicht dem Befehl zur Verlegung ins Kriegsgebiet Folge leisten. Einige mögen sagen, der Grund für meine Verweigerung wäre Angst vor dem Tod. Das ist falsch. Ich muss mir selbst treu bleiben und das Richtige tun. Obwohl ich im Irak 2004 und 2005 als Nichtkombattant stationiert war, fühle ich mich wegen meiner Beteiligung immer noch schuldig. Als Nichtkombattant war ich weiter dazu verpflichtet, Wachdienste zu leisten, obwohl ich mich dazu entschieden hatte, nur ein ungeladenes Gewehr zu tragen. Als Nichtkombattant war ich dazu verpflichtet, unzähligen SoldatInnen zu helfen, die sich krank gemeldet hatten - sie zu verbinden und zu behandeln - damit sie umgehend weiter ihren Dienst an der Waffe leisten konnten. Als Nichtkombattant hatte ich Soldaten auf ihren Patrouillen zu fahren, Patrouillen, die sowohl für US-Amerikaner wie für Irakis tödlich sein konnten.

Ich bedaure die Beteiligung an diesen Aktivitäten, weil ich im Grunde zum Krieg beitrug und andere dazu befähigte, das zu tun, was ich ablehne. Wenn ich Wache schob, äußerlich bewaffnet, obwohl ich keine Kugeln in der Waffe hatte, vermittelte ich den falschen Eindruck, dass ich töten würde, wenn es nötig sei. Ich bin nicht bereit eine Lüge zu leben, um irgendeinem Militäraufmarsch Genüge zu tun. Indem ich unzähligen SoldatInnen half, die sich krank meldeten oder Soldaten auf ihren Patrouillen fuhr, half ich ihnen, sich körperlich besser zu fühlen und fähig zu sein, nach draußen zu gehen und zu tun, was ich entschieden ablehne: zu töten. Das erlaubt mir mein Gewissen nicht. Obwohl ich nicht selbst an einer Waffe den Abzug durchgezogen habe, stelle ich nun fest, dass meine Tätigkeiten als Nichtkombattant nichtsdestotrotz diese Militäreinsätze ermöglicht und unterstützt hat.

Ich kann diese Belastung meines Gewissens nicht ertragen. Man sollte nicht entgegen besseren Wissens handeln. Deshalb werde ich dieses Mal der Verlegung zum Militäreinsatz nicht nachkommen. Mit meiner Kriegsdienstverweigerung verweigere ich alle Formen und Aspekte des Krieges. Selbst wenn ich jetzt dort Küchendienst machen sollte oder Toiletten säubere, würde ich immer noch den Militäreinsatz unterstützen, den ich ablehne. Ein Offizier erklärte mir einmal, wie seiner Ansicht nach die Armee wie eine große Maschine aus vielen Teilen bestehe, die alle zusammenarbeiten, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Ich weiß, dass dies wahr ist. Wenn das Ergebnis darin besteht, zu töten, kann ich kein Teil dieser "Maschine" sein.

Seit ich einmal im Einsatz war, weiß ich, was ich zu tun hatte. Das ist für mich nicht akzeptabel. Bevor ich das letzte Mal im Irak war, war mir klar, dass ich wohl nicht absichtlich jemand anderem körperlichem Schaden zufügen könnte. Damals war ich bereit, mich ins Kriegsgebiet verlegen zu lassen, weil die Armee meinen Antrag auf Entlassung als Kriegsdienstverweigerer bearbeitete und ich so lange nicht dazu verpflichtet war, mit geladenen Waffen zu trainieren oder sie zu benutzen. Aufgrund meiner dortigen Erfahrungen kann ich kein Teil irgendeines Kriegsdienstes mehr sein, auch wenn mein Fall noch anhängig ist und auch wenn ich nur als Nichtkombattant Dienst zu leisten hätte.

Ich lehne den Krieg auch ab, weil ich aus erster Hand das Ergebnis des Kriegseinsatzes gesehen habe. Ein Ergebnis der Operation Iraqi Freedom II ist, dass das Leben vieler VeteranInnen zerstört ist. Viele Männer verloren Gliedmaßen und nicht zählbar sind die körperlichen und emotionalen Narben, wie PTSD1. Ich selbst habe gesehen, wie Kameraden zurück kamen und Selbstmord begehen, sich selbst zu Tode trinken und drogenabhängig werden. Für mich ist offensichtlich, dass das Leben dieser Männer durch den Krieg zerstört wurde. Was die Teilnahme am Krieg für unsere Soldaten bedeutet, ist ein weiterer Grund, warum Krieg grundsätzlich unmoralisch und falsch ist.

In meinem letzten Einsatz war ich Zeuge, wie Soldaten die irakische Bevölkerung mit Worten und Taten entmenschlichen. Ich sah, wie unzählige unschuldige Leben wegen des Krieges beendet worden sind. Ich ringe immer noch mit der Sinnlosigkeit von all dem - irakische Zivilisten verloren ihr Leben, weil sie zu nah an einen Konvoi oder an eine Kontrollstelle heranfuhren, Soldaten, die versehentlich von ihren eigenen Kameraden er- oder angeschossen wurden, Missverständnisse (wegen der Sprachbarrieren) führten zum Tode. Das kann ich nicht akzeptieren. Es ergibt keinen Sinn, dass diese Zivilisten zuerst große menschliche Verluste erleiden müssen, damit sie besser leben können. Auch dies ist für mich ein klarer und überzeugender Beweis, dass alle Kriege moralisch verwerflich und schädlich sind.

Die überwältigende Botschaft meiner persönlichen Erfahrungen ist, dass alle Kriege mehr Verwüstungen anrichten als sie nützen. Umso mehr Zeit ich dort verbrachte, umso offensichtlicher wurde es für mich, dass alle Kriege falsch sind. Wie kann ich ein Gesetzesbrecher, ein Übeltäter sein oder jemand, der diese Operationen ermöglicht? Dies kann und will ich nicht. Ich würde viel eher die Konsequenzen für das Unterlassen einer Handlung (missing movement) in Kauf nehmen - die Strafverfolgung von einem Militärgericht - als Teil irgendeiner Kriegstätigkeit zu sein. Wenn ich an diesem Einsatz teilnähme, würde ich mein tiefstes Verantwortungsgefühl für meine moralischen Werte ignorieren. Kein Mensch hat die moralische Autorität zu entscheiden, wann es akzeptabel ist, ein anderes Leben auf diese Weise zu beenden. Ich bin einfach nicht willens, in irgendeinem militärischen Einsatz zu dienen.

Ich bin zu der Überzeugung und dem Verständnis gekommen: Der Zweck unserer Existenz auf der Erde ist die Hochachtung, Sorge und Bewahrung des Wunders, dass wir menschliches Leben nennen. Um dies zu tun, muss man jeden Tag durch Handlungen zeigen, dass nichts größere Bedeutung hat, als die Bewahrung des Lebens. Von unserer Geburt an erben wir das kostbare Geschenk des Lebens und es ist natürlich, dieses Geschenk in Ehren zu halten. Es ist natürlich, sich zu wünschen, das Leben unserer Brüder und Schwestern zu bewahren, wie auch das eigene. Es ist nicht natürlich und nicht menschlich, andere Menschen zu töten. Ob wir dies anerkennen oder nicht: zur Zerstörung menschlichen Lebens bereit zu sein, bedeutet, überhaupt keinen Respekt vor dem Leben zu haben, womit der Sinn des Lebens völlig verfehlt wird. Wer tötet, muss die Konsequenzen tragen: die zunehmende Zerstörung des eigenen Geistes und der eigenen Spiritualität. Die Zerstörung und das Töten durch andere zu akzeptieren, ist nicht nur moralisch falsch. Es ist ein Versäumnis, nicht das zu tun, was natürliche Menschlichkeit meint: Leben zu bewahren. Eine Person, die versäumt, unser wahres Ziel auf der Erde zu verstehen, ist zu einem Leben der Leere, Frustration und Zerstörung verurteilt. Das ist das einzig mögliche Ergebnis, wenn du tötest. Und bei dem jetzt anstehenden Militäreinsatz weiß ich, dass Menschen sterben und Menschen getötet werden. Es ist für mich nicht zu akzeptieren, auf irgendeine Art und Weise Teil dessen zu sein. Deshalb werde ich dem Befehl zur Verlegung nicht nachkommen.

Ich habe höchsten Respekt vor Martin Luther King Junior. Ich schätze und bewundere sein Vermächtnis. Er sagte in einer Rede gegen den Vietnamkrieg:

"Wir haben heute noch die Wahl: gewaltfreie Koexistenz oder eine gegenseitige Vernichtung voller Gewalt. Wir müssen die vergangene Unentschlossenheit in Aktion verwandeln. Wir müssen neue Wege finden, um uns für Frieden und Gerechtigkeit überall in den Entwicklungsländern auszusprechen, für eine Welt ohne Grenzen an unseren Toren. Wenn wir nicht handeln, werden wir mit Sicherheit den langen, dunklen und beschämenden Weg heruntergezogen werden, der denen vorbehalten ist, die Macht besitzen ohne Erbarmen, Gewalt ohne Moral, Stärke ohne Weitsicht."

Ich habe meine Wahl für Frieden, Menschlichkeit und für eine bessere Zukunft getroffen. Auch wenn ich weiß, dass eine der Konsequenzen meiner Verweigerung der Verlegung zum Militäreinsatz ein Strafverfahren vor dem Militärgericht und sogar Haft sein kann, so kann und will ich der Verlegung nicht Folge leisten.

Fußnoten

1. Post-Traumatic Stress Disorder/Posttraumatisches Stresssyndrom


Quelle: Agustín Aguayo: Statement submitted to the United States Court of Appeals in Washington D.C. 2. September 2006. Übersetzung: Rudi Friedrich. Der Beitrag erschien in: Connection e.V. und AG "KDV im Krieg" (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Januar 2007.



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