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Israel: "Wir glauben, dass es einen anderen Weg gibt"
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure

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Israel: "Wir glauben, dass es einen anderen Weg gibt"

Offener Brief von Schülerinnen und Schülern

Wir, junge Männer und Frauen, BürgerInnen Israels, die an die Werte Demokratie, Humanität und Pluralismus glauben, erklären hiermit, dass wir uns weigern werden, an der Besatzungspolitik und Unterdrückung teilzunehmen, zu der sich die israelische Regierung entschieden hat. Wir haben verschiedene Hintergründe, aber wir sind uns darin einig, dass die folgenden Werte die Basis einer gerechten Gesellschaft sind: Jede Person hat Anspruch auf die Grundrechte Leben, Gleichheit, Würde und Freiheit. Es ist unsere Überzeugung und zivile Pflicht, für die Verteidigung dieser Rechte einzustehen, indem wir uns weigern, an der Besatzungspolitik und Unterdrückung teilzunehmen.

Durch die Besatzung wird die menschliche Würde aufgegeben. Die Besatzung verursacht gewaltige Verluste von Menschenleben. Sie wirkt sich auf die Grundrechte von Millionen von Menschen aus und führt zu täglichem Leiden und Toten. Sie ist mit der Beschlagnahmung von Land verbunden, mit massenweiser Zerstörung von Häusern, Verhaftungen und außergerichtlichen Hinrichtungen, Misshandlungen und Ermordungen von Unschuldigen, Hunger, Mangel an medizinischer Versorgung, Kollektivbestrafungen wie auch dem Bau und der Ausweitung jüdischer Siedlungen. Sie verhindert jede Möglichkeit eines normalen Lebens in den besetzten Gebieten wie auch in Israel. Diese ungeheuerliche Beraubung der Menschenrechte steht unserer gesamten Philosophie entgegen wie auch internationalen Konventionen, die Israel unterzeichnet und ratifiziert hat.

Die Besatzung trägt nicht zur Sicherheit des Staates und seiner BürgerInnen bei, sie schadet ihr nur. Sie verschlimmert die Verzweiflung und den Hass unter der palästinensischen Bevölkerung, rechtfertigt den Terrorismus und dehnt den Kreislauf der Gewalt aus. Wahre Sicherheit kann nur durch die Beendigung der Besatzung erreicht werden, dem Abbau der Apartheidsmauer und Anstrengungen für ein Abkommen für einen gerechten Frieden zwischen dem israelischen Staat und der Führung des palästinensischen Volkes und der arabischen Welt. Die gegenwärtige Politik entspringt nicht der Notwendigkeit der Verteidigung, vielmehr einer nationalistischen und messianischen Sicht der Welt.

Die Besatzung korrumpiert die israelische Gesellschaft und macht sie militaristisch, rassistisch, chauvinistisch und voller Gewalt. Israel verschwendet seine Ressourcen durch die Fortsetzung der Besatzung und der Unterdrückung in den besetzten Gebieten, zu einer Zeit, zu der Hunderttausende israelischer BürgerInnen schmachvoll in Armut leben. Die BürgerInnen haben in den vergangenen Jahren die Verschlechterung aller öffentlichen Dienstleistungen erlebt. Das Erziehungswesen, die medizinische Versorgung, Infrastruktur, Pensionen, Sozialleistungen und alle anderen Wohlfahrtsleistungen in Israel werden vernachlässigt zugunsten der Unterstützung der Siedlungen. Eine Mehrheit wünscht ihren Abriss. Wir können einer Situation nicht tatenlos zusehen, die die "konzentrierte Liquidierung" des Prinzips der Gleichheit darstellt.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der wir in Gerechtigkeit leben und die die Gleichheit aller Personen und BürgerInnen aufrecht erhält. Die Politik der Besatzung und Unterdrückung ist ein Hindernis, um diese Vision umzusetzen. Wir werden uns weigern, daran teilzunehmen. Wir möchten uns für die Gesellschaft auf andere Art und Weise einsetzen, die den Menschen keinen Schaden bringt.

Wir rufen alle jungen Menschen, die vor der Einberufung stehen, und alle Soldaten der israelischen Armee auf: Prüft, ob ihr euer Leben für eine Politik der Unterdrückung und Zerstörung riskieren wollt.

Wir glauben, dass es einen anderen Weg gibt.


aus: www.shministim.org/indexenglish.html, 13. März 2005. Übersetzung: Rudi Friedrich. Veröffentlicht in Connection e.V. und AG "KDV im Krieg", Rundbrief »KDV im Krieg«, Mai 2005



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