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Eritrea: "Ich muss der Welt berichten, was dort geschieht"
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Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Eritrea: "Ich muss der Welt berichten, was dort geschieht"

Protestaktion zu Eritrea

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Eritrea: "Ich muss der Welt berichten, was dort geschieht"

Interview

von Amerikanisches Team »Freiheit für Eritrea«

Das Amerikanische Team »Freiheit für Eritrea« war tief betroffen, von den Massakern an Jugendlichen durch das eritreische Regime zu hören. Das war Anlass für uns, verlässliche Quellen für die Ereignisse zu suchen. Glücklicherweise konnten Mitglieder unseres Teams mit zwei Eritreern sprechen, die kürzlich in die USA kamen. Einer von ihnen berichtete uns über die Situation in Asmara und auf dem Land in Eritrea. Er verließ Ende 2008 Eritrea und kam im Februar 2009 in die USA. Aus Sicherheitsgründen ist das Interview anonymisiert.

Wo haben Sie in Eritrea gelebt?

In Asmara, auch wenn ich manchmal aufs Land fahren konnte.

Wir haben von Mangelwirtschaft und Inflation gehört. Wie war es, als Sie gegangen sind?

Alles in Asmara ist sehr teuer. Man kann fast alles bekommen, wenn man den Preis dafür zahlen kann.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben?

Das normale Getreide kostet mehr als die Leute zahlen können. Für 100 Kilo Hirse muss man zum Beispiel 5.000 Nakfa (335 US-Dollar) zahlen. Und nicht immer war Getreide vorrätig.

Was haben Sie außerhalb von Asmara gesehen?

Ich besuchte letztes Jahr einige Städte, wo es sehr viel anders aussah. Ich sah viele Fälle von Unterernährung und Hunger. Die Menschen in Asmara wissen davon.

Warum gibt es Unterernährung?

Die Regierung hält der Bevölkerung das Essen vor. Aber obwohl es eine ständige Unterversorgung gibt, darf kein Getreide aus Asmara heraus in die anderen Städte gebracht werden. An den Straßen gibt es Kontrollen, um zum Beispiel nach Getreide zu suchen. Und mir wurde erzählt, dass Soldaten Häuser durchsucht hatten, um sicherzustellen, dass keine Vorratshaltung betrieben werde. Man kann in den Städten nichts kaufen und verkaufen, da die Regierung die Geschäfte geschlossen hat. Ich sah einige, die dazu gezwungen waren, Getreide aus Asmara heraus zu schmuggeln, damit ihre Familie nicht hungern muss.

Gibt es Verkehrsverbindungen in andere Städte?

Zu vielen Städten gibt es keine Busverbindungen mehr. Um Asmara zu verlassen, braucht man einen besonderen Passierschein, der nur aus besonderen Gründen ausgestellt wird, z.B. bei einer Beerdigung von einem Familienangehörigen. Und es ist auch notwendig, einen Benzinschein zu haben, um jemanden zu finden, der fährt. Eine Genehmigung zu erhalten dauert mehrere Stunden, da niemand die Verantwortung für die Ausstellung übernehmen will und man von einem Büro ins nächste geschickt wird. Und man muss den Fahrer bezahlen – bei mir waren es bei einer Reise von nur 100 Kilometern 2.500 Nakfa (166 US-Dollar).

Lassen Sie uns noch einmal über die Frage des Hungers sprechen. Stehen die Dinge wirklich so schlimm?

Ja, es ist wirklich schrecklich. Ich sprach mit vielen, vielen Menschen, die alle sagten, dass sie gerade nichts zu essen hatten und das reife Getreide von den Soldaten abgegriffen werde. Ich sah Kinder, die so schwach vor Hunger waren, dass sie nicht laufen oder sprechen konnten. Wenn es Brot gab, so wurde mir gesagt, wurde Familien nur zwei Brote gegeben, unabhängig davon, ob sie fünf oder zehn Personen groß war. Die beiden Brote reichen noch nicht einmal für ein Kind.

Die im Gefängnis Inhaftierten werden mit Hunger bestraft. Mir wurde gesagt, dass die Militärdiktatur sie wie Tiere behandelt. Ich sah Orte, wo es kein Essen, keine Medizin, keine Verkehrsmittel gab – und Elektrizität und Telefon waren stark eingeschränkt. Die Menschen demonstrieren nicht dagegen – wer auch immer versucht, sich zu organisieren, wird gefoltert oder erschossen. Für deine Leute zu sprechen bedeutet den Tod.

Möchten Sie noch etwas ergänzen?

Die Menschen auf dem Land werden viel, viel schlimmer behandelt als in Asmara. Es ist so, als ob nur in Asmara Menschen leben. Die anderen sind nicht mehr als Dreck. Aber auch in Asmara leiden viele – insbesondere darunter, was ihren Brüdern geschieht, ohne dass die Welt es merkt.

Ich muss der Welt berichten, was dort geschieht, bevor es zu spät ist. Ich bin es meinen Freunden und meiner Familie, meinem Land und der Menschheit schuldig.


The America Team for Freedom for Eritrea: An Eye Witness from Eritrea, Interview #2. 16. Februar 2009. http://www.freeeritrea.org/files/EyeWitnessReport-2A.pdf. Übersetzung: Rudi Friedrich



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