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Anti-Rekrutierungsbewegung in den USA
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Anti-Rekrutierungsbewegung in den USA

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Anti-Rekrutierungsbewegung in den USA

von Aimee Allison

Aimee Allison hatte selbst während des 2. Golfkrieges Anfang der 90er Jahre den Kriegsdienst verweigert. Auf einer Konferenz der War Resisters’ International in Eringerfeld schilderte sie im Juli 2006 die Arbeit der Antikriegsgruppen in den USA gegen die Rekrutierung zur Armee. Antworten zu den im Anschluss an den Vortrag gestellten Fragen haben wir in den Text eingefügt. (d. Red.)

Ich will über die USA und die Arbeit gegen die Rekrutierung berichten. Dabei lege ich den Schwerpunkt auf die Verteidigung des Rechts und auf die Taktiken unserer Organisation. Mit welcher Propaganda werden die jungen Leute für den Krieg angeworben und wie sieht unser Widerstand dagegen aus?

Unsere Bewegung gegen die Rekrutierung entwickelt sich derzeit zu einem wirklich entscheidenden Faktor. Diese Erfahrungen können auch auf andere Länder übertragen werden, egal ob sie ein Freiwilligen- oder Wehrpflichtsystem haben.

Die Arbeit gegen die Rekrutierung konzentriert sich auf jene, die angeworben werden sollen, auf Arme, Farbige und junge Leute, die ein niedriges Einkommen haben. Mehr als 50 Prozent der jungen Leuten, die rekrutiert werden, kommen aus ländlichen Gegenden, sind Bauern. Die Restlichen kommen aus den Randbezirken der Städte. Demzufolge konzentrieren auch wir uns auf diese zwei Bereiche.

Die Anwerbung des Militärs in den Vereinigten Staaten erfolgt auf verschiedenen Ebenen. Das Militär hat für die Anwerber ein spezielles Handbuch entwickelt, das auf sehr ausgeklügelten Werbe- bzw. Verkaufstechniken basiert. Sie werden entsprechend ausgebildet. Demzufolge ergreifen sie von einer Schule Besitz. Wie sieht das aus? Schon vor Beginn des Schuljahres bekommen sie von der Schulverwaltung die Daten der Schüler. Und dann beginnen sie Football-Teams zu coachen, sie bringen Donuts (Gebäck - fn) zu den Lehrern, spendieren Essen in der Cafeteria... und sie sind vor allem überall, wo es um die Berufsberatung geht. Als ich 17 war, saß der Anwerber jeden Tag an einem Tisch im Zimmer der Berufsberatung.

Im Haushaltsjahr 2006 hat das US-Militär vier Mrd. Dollar für die Anwerbung von neuen Rekruten zur Verfügung. Davon sind 700.000 Dollar für Anzeigen in Schülerzeitungen. Mehr als zwei Mio. Dollar wurde für das interaktive Videospiel Amerikas Armee aufgewendet. Es ist bei Jugendlichen sehr beliebt und führt die Hitliste der Spiele an, die frei herunter geladen werden können. Es gibt aber noch weitere Videospiele. Dann betätigen sich Marine, Armee, Luftwaffe und Marineinfanterie als Sponsoren von Sportveranstaltungen, wie Super-Bowl, Autorennen usw. Sie haben Werbeanzeigen in jedem größeren Fernsehkanal und in all den Magazinen und Zeitungen, die junge Leute lesen.

Das Militär hat eine eigene Nachrichtensendung, die jeden Tag sieben Mio. Mittel- und Oberschulkinder von 12-18 Jahren sehen. Sie heißt Channel One und berichtet über nationale und internationale Ereignisse. Sie dauert 12 Minuten, hat vier Werbeblocks und in jedem ist ein Anwerbespot.

Sie ergreifen aber nicht nur von der Schule Besitz, sondern auch von der Umgebung. Dort können sie vielleicht sogar noch mehr ihre "Ziele" erreichen. Das Militär fährt mit Panzern auf den Schulhof und lässt die Kinder einsteigen und darauf herumklettern. Sie fliegen mit Flugzeugen und Hubschraubern über Schulgelände und werfen Werbeartikel ab. Sie bauen Bühnen auf und lassen Rockbands spielen, bringen DJs mit, die dann Disco machen, es gibt Hip-Hop-Veranstaltungen, Musikfilme werden gezeigt... Dabei verteilen sie Geschenke: Stifte, Mäppchen, Buchumschläge usw. Das ist die Welt, in der US-Teenager aufwachsen. Es ist eine Militärwelt. Für uns und unserem Anspruch, den jungen Leuten eine andere Sichtweise zu vermitteln, stellt diese Realität eine sehr hohe Herausforderung dar.

Die Arbeit der Anwerber für das Militär an Schulen basiert auf zwei Bundesgesetzen: Nach dem ersten ist, Bush sei Dank, jede öffentliche Hochschule mehrmals im Jahr verpflichtet die Daten der Studierenden an das Militär weiterzuleiten. Und dann gibt es das Gesetz "No child left behind" (Kein Kind soll zurückbleiben). Das ist eigentlich ein Gesetz für Ganztagsschulen, nach dem öffentliche Schulen, wenn sie sich daran beteiligen, Bundesgelder erhalten. Allerdings sind sie in diesem Fall verpflichtet, die Daten der Schüler weiterzugeben: Name, Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer, die Klasse, in die sie gehen, bis zu den Punkten, die bei verschiedenen Tests erreicht wurden. All diese Daten stehen den Anwerbern zur Verfügung. Diese können damit ihre Strategie genau auf die einzelne Person hin abstimmen.

Wir sind entsetzt, wie intensiv diese Datensammelei inzwischen geht. Das Pentagon hat die umfangreichste Datenbasis der Welt: 30 Mio. Daten der 16- bis 25-Jährigen. Sie sammeln Daten über ihre schulische Karriere, über ihre persönlichen Interessen... und nutzen sie für Rekrutierungszwecke. Die Anwerber laden sie einfach herunter.

Ein anderes mächtiges Mittel für die Anwerbung ist das JROTC, das Junior Reserve Officer Training Corps. Dieses wird gegenüber den Schulen als kostenloses Erziehungs- bzw. Ausbildungsprogramm angeboten. Die Kinder, die sich daran beteiligen, bekommen Uniformen, sie lernen nach militärischem Standard zu marschieren, viele reizt auch der umfangreiche Sportanteil. Es ist wie ein Club und sogar noch mehr als das. Ironischerweise betrachten viele Schulen es als Programm zur Herausbildung von Führungspersonal. Dabei basiert das Training vollständig auf militärischen Werten. Etwa die Hälfte der Kinder, die an diesem Programm teilnehmen, schreiben sich dann auch beim Militär ein. Es ist für das Militär der erfolgreichste Weg um neue Soldaten zu rekrutieren. Dieses Programm wird derzeit massiv ausgeweitet.

Lügen der Anwerber

Eine der Lügen, die verbreitet werden, ist, dass es die Möglichkeit gibt, lediglich 15 Monate lang Dienst beim Militär zu leisten. Der Vertrag läuft tatsächlich immer über acht Jahre, da zum (kürzeren) aktiven Dienst im Militär die Reservezeit hinzugerechnet werden muss. Wer nach 15 Monaten oder zwei Jahren seinen aktiven Dienst beendet hat, kommt in die IRR, die Individual Ready Reserve. Gerade sind mehr als 4.000 Leute, die eigentlich seit Jahren ihren Militärvertrag erfüllt haben, wieder einberufen worden um sie in den Irak zu schicken. Das gilt besonders für Offiziere, die kommen aus der IRR erst mit der Rente raus.

Auch in einem anderen Bereich werden viele Unwahrheiten verbreitet: Das Versprechen auf 40.000 Dollar Entlassungsgeld und die Bezahlung eines Stipendiums. Das Geld können Soldaten nur dann bekommen, wenn sie als Spezialisten Dienst tun, nicht vorzeitig entlassen werden und wenn sie zudem eine "ehrenhafte" Entlassung bekommen. Die meisten, die sich für den Dienst beim Militär interessieren, sind für den Job als Spezialist überhaupt nicht qualifiziert. Und das Geld sollte nicht als Geschenk, sondern als Darlehen angesehen werden. Die beste, die "ehrenhafte" Entlassung bekommen nur etwas mehr als ein Drittel derjenigen, die sich vom Militär haben anwerben lassen. Die große Mehrheit erhält eine andere der insgesamt fünf Kategorien: Sie reichen von der allgemeinen, über die verwaltungsgemäße bis hin zur unehrenhaften Entlassung.

Bei mir war es so: Mir wurden 20.000 Dollar für das College versprochen und 5.000 Dollar, wenn ich einen Vorvertrag abschließe. Falls ich verletzt und aus medizinischen Gründen entlassen worden wäre, hätte ich diese 5.000 Dollar zurückerstatten müssen. Es war somit kein Bonus sondern ein Darlehen. Je länger man dabei bleibt, desto mehr Zulagen kann man bekommen. Erst so kommt es zu den immer erwähnten höheren Summen.

Nach 6 Jahren im Militär hatte ich immer noch nicht mein Geld für das College zusammen. Da sagten sie mir, ich solle mich doch erneut für das Militär verpflichten, um auf die benötigte Summe zu kommen.

Anwerber haben pro Monat mindestens eine Person zu rekrutieren, sonst gefährden sie ihren Job. Dutzende von Lügen wurden dokumentiert, auch gegenüber dem Militär. Sie änderten die Ergebnisse von positiven Drogentests um auf ihr Soll zu kommen. In anderen Fällen haben sie das nicht vorhandene Hochschuldiplom einfach erfunden oder den Aufenthaltsstatus von Immigranten verbessert. Im letzten Monat ging ein Fall durch die Medien, als ein Anwerber jemanden rekrutierte, der Schizophrenie hatte. Er hatte das einfach ignoriert. Die jungen Leute wissen, dass es Krieg gibt. Da wird es für die Anwerber immer schwieriger und so greifen diese schon mal zu solchen Praktiken.

Arbeit gegen die Rekrutierung

Wie arbeiten wir nun gegen diese machtvolle Rekrutierungswelle? Unsere Arbeit begann ganz einfach und ironischerweise sind wir damit bislang auch am Erfolgreichsten: Anfangs machten wir lediglich einige Flugblätter mit Fakten über die Anwerbung. Eines davon habe ich mitgebracht, es heißt "Do you know enough to enlist?" (Weißt du genug über die Anwerbung zum Militär?). Aktive der örtlichen Friedensgruppe gehen um 7 Uhr morgens vor das Schulgebäude - wir machen das gewöhnlich freitags - und verteilen sie an die Schulkinder. Dabei fragen wir: "Denkst Du darüber nach, Dich zum Militär zu melden? Weißt Du genug darüber? Hier sind einige Informationen, die Du wissen solltest, gib sie auch an andere weiter!" Auf diese Weise bekommen wir Kontakt zu SchülerInnen und StudentInnen, die dann auch von sich aus aktiv werden. So hat es zumeist auch an den anderen Orten angefangen.

In Los Angeles gibt es 32 Schulen, in denen stark rekrutiert wird. An diesen haben wir mehr als 100.000 Flugblätter und kleine Broschüren verteilt, wobei etwa ein Drittel zum Weiterverteilen ausgegeben worden ist.

Viele Materialien, die wir verwenden, sind gar nicht von uns, sondern von anderen entwickelt worden. Unsere Materialen gibt es z.B. auch auf Spanisch, speziell für die vielen Mexikaner, die in Kalifornien leben.

SchülerInnen und StudentInnen haben bessere Möglichkeiten, das Thema in die Schule bzw. in die Uni zu bringen als wir. Wichtig ist auch das politische Klima an der Schule: Was denken die Freunde dazu? Deshalb waren wir besonders dort erfolgreich, wo es bereits Friedensclubs und ähnliches gab, an die wir uns gewandt haben. Solche Clubs werden unter anderem von der Organisation Nachbarn für den Frieden initiiert. Wir besuchen sie, geben ihnen die wesentlichen Informationen und zeigen ihnen Videos. Über sie erreichen wir oft jugendliche AktivistInnen oder LehrerInnen.

Wir haben unsere Arbeit nicht auf alle Schulen gleichermaßen verteilt, sondern uns erstmals auf einige konzentriert. Durch unsere wiederholten Aktionen haben wir Kontakt bekommen, nicht nur zu Schülern sondern auch zu Lehrern, die mit uns sympathisierten. Die Anwerber haben privilegierten Zugang. Ihre Arbeit unterliegt kaum Einschränkungen. Sie klopfen an die Klassentüren und sagen: "Fertig machen zu unserer Vorstellung!"

Für uns ist es dagegen erheblich schwieriger ins Klassenzimmer zu kommen. Die Einladung durch SchülerInnen habe ich schon erwähnt. An LehrerInnen sind wir oft auch über unsere Kontakte zu ihren Gewerkschaften gekommen, besonders wenn es dort Friedensgruppen gab. Das Ziel sind die Lehrer, nicht die Schulleitungen, denn diese machen nach aller Erfahrung nur Auflagen. Wenn wir dann unser Anliegen vor der Klasse präsentieren, sagen wir nicht "Krieg ist schlecht. Lasst euch deswegen nicht rekrutieren!" Wir sagen stattdessen: "Wir möchten euch zusätzliche Informationen geben, denn die Anwerber erzählen Euch nicht alles. Es gibt andere Möglichkeiten der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Geht nicht zum Militär!"

Partner zur Anti-Rekrutierung

Um bei unserer Arbeit gegen die Rekrutierung wirklich erfolgreich zu sein, braucht es drei Partner: Aktivisten, Schüler/Lehrer und VeteranInnen. Wir haben herausgefunden, dass die Veteranen die mächtigste Stimme gegen die Rekrutierung sind, die es gibt. Wir ihr wisst, war ich beim Militär und so spreche ich sehr oft vor Klassen. Veteranen können aus ihrer Perspektive sehr glaubwürdig ihre Erfahrungen im Militär und im Krieg darlegen, was eine außen stehende Friedensgruppe so sicherlich nicht kann. Veteranen sind deshalb unsere Verbündeten.

Wie finden wir geeignete Veteranen? San Diego, ganz im Süden Kaliforniens, ist aufgrund der hohen Immigrantenquote eine sehr beliebte Rekrutierungsgegend. Dort haben Friedensgruppen eine Anzeige in eine kostenlose Wochenzeitung gesetzt: "Antikriegsveteranen für Präsentation vor Schulklassen gesucht!". Daraufhin haben sich 35 gemeldet. Viele konnten tagsüber nicht, weil es ihr Beruf nicht zuließ. Aber auch sie beteiligten sich zumeist an einem Seminar zur Vorbereitung. Schließlich waren vier beisammen, mit denen entsprechende Termine in Schulen gemacht werden konnten.

Wir wollen auf gar keinen Fall eine konfliktträchtige Beziehung zur Schule. Im Gegenteil, wir tun alles, um gute Verbindungen zu Leuten in der Schule aufzubauen. Sie sind nicht unsere Feinde, sondern können Freunde sein bzw. werden. Ich erinnere mich an einen Lehrer, der in der Berufsberatungsstelle einer Oberschule beschäftigt war. Er liebte die Militärs. Sie brachten ihm kostenloses, zusätzliches Personal, er wurde von ihnen zum Mittagessen eingeladen, er bekam Kaffeetassen u.ä.

An der Berufsberatung wird immer gespart. Ein Berater ist zumeist für 200-300 SchülerInnen zuständig. Sie sind für jede Unterstützung dankbar und nehmen das Angebot der Anwerber an. Die Militärs machen z.B. umfangreiche Tests mit den Ratsuchenden, um herauszufinden, wo ihre Schwächen und Stärken liegen. Sie helfen auch wenn jemand klar zu erkennen gibt, dass er das Militär ablehnt. So sind sie für den Berater wirklich hilfreich.

An dieser Schule betätigten sich jede Woche insgesamt 14 Anwerber, von der Nationalgarde, der Marine, der Marinereserve usw. Bei unserer Präsentation in einem Klassenzimmer sah er das Video "Arlington West", hörte sich unsere Argumente an und war schließlich davon so beeindruckt, dass er auf uns zuging und uns fragte, ob wir nicht unser Material in seinem Arbeitszimmer, gleich neben dem des Militärs, auslegen möchten. Er bekam seine Zweifel, als er unsere Argumente zum Vorvertrag hörte, den Schüler unterzeichnen sollen. Wir sagten, glaubt nicht, was ihr bezüglich der beruflichen Karriereaussichten, der Bezahlung und den Versprechen bei Krankheit und Berufsunfähigkeit zu hören bekommt. Zuerst ließ er unsere Argumente nicht gelten, begann uns dann aber in sein Berufsberatungszentrum einzuladen. In diesem Fall ist es uns gelungen diesen Freund des Militärs zum Nachdenken zu bringen und ihn aufgeschlossen für unsere Sache zu machen.

Erfahrungen in den Klassen

Vor den Klassen zeigen wir meist auch Filme, wie Ausschnitte von Michael Moores "Fahrenheit 9/11" oder "Arlington West". Diese Filme sind nicht speziell für uns gemacht, wir haben sie lediglich heruntergeladen. Den zuletzt Genannten haben wir über ein Antikriegsdisplay bekommen. Er ist an den Stränden Kaliforniens gedreht worden und stellt verschiedene Aspekte des Militarismus’ dar.

Nach dem Film, zur Einstimmung, kommt die Rede des Veteranen und zum Schluss gibt es dann eine Diskussion mit den jungen Leuten. Gleichzeitig bieten wir am Büchertisch Informationen an und man kann uns auch noch nach der Veranstaltung sprechen.

Ich habe keinen Einzigen getroffen, der gesagt hat, dass er darüber nachdenke zum Militär zu gehen und es nach einer Auseinandersetzung mit uns immer noch wollte. Nicht weil wir sagen "Krieg ist falsch", sondern weil wir auf falsche Versprechungen hinweisen. So sagen wir: "Weißt du überhaupt, dass der Vertrag auf 8 Jahre lautet?" Da bekommen wir zu hören: "Nein, der Anwerber sagt, es sind lediglich zwei, dann kann ich aufs College gehen." "OK, nach den zwei Jahren kommst du zur Reserve und gerade werden zum dritten Mal Reservisten für den Irak einberufen. Was passiert, wenn du dann als 25-Jähriger gerade mit dem College angefangen hast? Ich würde mich dieser Situation nicht aussetzen wollen und schauen, dass ich beruflich vorwärts komme." "Aha." Damit haben wir eigentlich immer Erfolg. Person für Person.

Auch wenn wir oftmals wirklich von Klassenzimmer zu Klassenzimmer gehen können, so ist das trotzdem nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deswegen haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir das System der Rekrutierung in den Schulen stärker behindern können.

Behinderung der Rekrutierungen

In der Stadt Redding, im Norden Kaliforniens, haben wir mit Schülern und Aktivisten einer Highschool gearbeitet. Sie initiierten dort eine Kampagne mit dem Ziel, dass die Schüler gegenüber der Schulverwaltung erklären, dass sie die Daten an das Militär nur mit ihrer Einwilligung weitergeben soll. Vor der Kampagne hatten das nur 30 Prozent getan. Die Kampagne begann mit Beginn des Schuljahres, Flugblätter wurden verteilt, Schilder hochgehalten usw., und bereits nach vier Wochen stieg die Quote auf 90 Prozent. Sie haben es so organisiert, dass die Schüler lediglich ein Formular auszufüllen hatten "Ich möchte nicht, dass meine Daten an den Anwerber weiter gegeben werden." Sie gingen damit zum Beirat der Schule - in diesem einflussreichen Gremium treffen sich die Schulverwaltung und die Schülervertretung - und trugen ihre Argumente vor. Sie seien nicht gegen das Militär, das sei eine wichtige Sache, aber sie wollten von diesem ungestört lernen können. So überzeugten sie die Schulverwaltung, die dann einen Beschluss herbei führte, dass die Präsenz der Anwerber begrenzt wird und die Daten nur von denjenigen weitergegeben werden, die das auch möchten. Etwas ähnliches gab es auch an zwei anderen Orten.

In der San Francisco State University haben Studenten gegen die Anwerber auf dem Campus protestiert. Daraufhin wurden sie von der Campuspolizei geschlagen und anschließend von der Uni ausgeschlossen. Mit unserer Unterstützung entstand danach eine Initiative für eine Volksabstimmung College not combat (Uni statt Kriegseinsatz). Dabei ging es darum, dass die Reichen San Franciscos angefragt werden für einen neu geschaffenen Fonds zu spenden, damit Studierende mit niedrigem Einkommen ein Stipendium bekommen, um nicht auf das Militär angewiesen zu sein. Die dafür benötigten 30.000 Unterschriften waren bald zusammen und so kam es im letzten Herbst dazu: Die Volksabstimmung ist mit 73% durchgegangen. Das ist nicht unbedingt die Lösung des Problems, aber die Auseinandersetzung darum schuf viel Bewusstsein und es konnte demonstriert werden, dass es eine breite Unterstützung für junge Leute gibt, die nicht zum Militär wollen, dass es Alternativen zum Militärdienst gibt und genügend Leute mit Geld, die bereit sind, Jugendlichen eine andere Perspektive zu ermöglichen.

Erfolge unserer Arbeit

Auf der individuellen Beratungsebene, auf der Ebene der Schule, des Schulbezirks und der Stadt ist es uns gelungen, die Arbeit der Anwerber in effektiver Weise einzuschränken. Das zeigen auch die Zahlen: Im letzten Jahr (2005) hat die US-Armee ihr Rekrutierungsziel um 30 Prozent verfehlt. Die Marineinfanterie, die Marine und die Luftwaffe haben ihr Ziel erreicht, allerdings nur, weil sie die Marge heruntergesetzt haben.

Im Januar 2006 ist ein Papier der nationalen Sicherheitsanweiser, Madeleine Albright und anderen, publiziert worden, nach dem der Mangel an Rekruten derzeit die größte Bedrohung des Militärs darstellt. Man versucht dem mit mehr Geld für die Anwerbung, neuen Versprechungen, neuen Anzeigen usw. zu entgegnen. Auch der zentrale Werbeslogan spiegelt das wider: Er lautet nun nicht mehr "Army of one" (Eine einige Armee) sondern "Two-way conversation" (wechselseitiges Gespräch).

Die größte Barriere für die Rekrutierung sind die Eltern und die Familienangehörigen der Vietnamkriegsära. Diese wollen aus gutem Grund verhindern, dass die Kinder zum Militär gehen. Mit unserer Arbeit gegen die Rekrutierung haben wir die gestellte Herausforderung angenommen. Wir merken, dass wir etwas bewirken. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, wie auch mit Veteranen, richtet sich in direkter Weise gegen die Kriegshetze. Was wir machen ist wirklich effektiv. Und wir sagen auch, dass vieles von dem, was andere Organisationen machen, wie etwa International Answer, die sich auf die Organisation von Großdemonstrationen spezialisiert hat, Geldvergeudung darstellt. Falls du etwas ändern möchtest, arbeite mit Kindern und Veteranen und du wirst tatsächlich in einer sehr direkten Weise die US-Außenpolitik ändern!


Aimee Allison: Rede, gehalten auf der 24. Konferenz der War Resisters’ International in Eringerfeld bei Paderborn, 23.-27.7.06. Mitschnitt, Abschrift, Übersetzung und Bearbeitung: fn; Dieser Beitrag erschien in: Connection e.V. (Hrsg.): Broschüre "USA: Stimmen gegen den Krieg", Mai 2007. Wir bedanken uns für die finanzielle Förderung durch die Bertha-von-Suttner Stiftung und das Pfarramt für Friedensarbeit der Ev. Kirche Hessen-Nassau. In Auszügen erschien deser Beitrag zudem in: DFG-VK Bildungswerk Hessen (Hrsg.): Broschüre "Beiträge und Aktionen gegen Rekrutierung",  Offenbach/M., Mai 2008



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