Kanada: Schwuler südkoreanischer Wehrpflichtiger erhält Asyl

von Yonhap News Agency

(15.12.2011) Kanada gewährte einem südkoreanischen Flüchtling Asyl, nachdem er in seinem Herkunftsland als Pazifist und Homosexueller die Ableistung der Wehrpflicht verweigert hatte. Das erklärte am Donnerstag das Zentrum für Militärische Men­schen­rechte in Korea (Center for Military Human Rights in Korea).

Die kanadische Einwanderungsbehörde gewährte bereits im Juli 2009 dem 31-jährigen Kim Kyung-hwan Asyl, mit der Begründung, dass schwule Wehrpflichtige mit hoher Wahrscheinlichkeit Missbrauch und Misshandlung ausgesetzt sind, so die Men­schen­rechtsorganisation.

In Südkorea sind alle tauglichen jungen Männer dazu verpflichtet, einen fast zweijährigen Militärdienst abzuleisten.

Es gebe viele Kriegs­dienst­ver­weigerer, die sich für eine Haftstrafe entscheiden, statt gegen ihre politischen und religiösen Überzeugungen einen Militärdienst abzuleisten. Aber Kims Fall sei der erste des Landes, in dem ein Mann Schutz in einem ausländischen Land sucht, nachdem er wegen seiner Homosexualität verweigert hat, so die Men­schen­rechtsgruppe.

„Die Umstände, denen sich südkoreanische Wehrpflichtige ausgesetzt sehen, insbesondere homosexuelle unter ihnen, sind sehr beunruhigend“, zitierte die Men­schen­rechtsgruppe die Ent­schei­dung der Einwanderungsbehörde. „Der Antragsteller müsste Dienst im Militär ableisten, wenn er in sein Herkunftsland zurückgeschickt wird, und ist dann mit hoher Wahrscheinlichkeit Misshandlungen ausgesetzt.“

In der Ent­schei­dung zitiere die Einwanderungsbehörde Untersuchungen, wonach koreanische Wehrpflichtige oft Opfer von grausamer Behandlung und harten Strafen werden, so die Men­schen­rechtsgruppe. 30-40% der Wehrpflichtigen litten unter körperlichen Strafen und fast 60% der Todesfälle von Wehrpflichtigen seien Selbstmorde. „Wenn ein Homosexueller wegen seiner sexuellen Identität vom Militärdienst ausgeschlossen wird, kann er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr im öffentlichen Bereich oder in Schulen arbeiten.“

Nach der Einberufung beantragte Kim, ein Student einer renommierten privaten Universität in Südkorea, 2006 Asyl in Kanada. Nachdem er im Land einen ständigen Aufenthaltsstatus erhalten hatte, ließ sich Kim dort nieder und jongliere nun mit einem geisteswissenschaftlichen Studium und einem Job, so die Men­schen­rechtsgruppe. „Seit ich klein war, war ich gegen Militär und Krieg“, sagte Kim. „Ich bedaure es nicht (Südkorea verlassen zu haben), weil ich große Befürchtungen hatte, dass ich als Homosexueller Men­schen­rechtsverletzungen erleiden werde.“

Yonhap News Agency: Gay S. Korean conscript wins refugee status in Canada. 15. Dezember 2011. Übersetzung: Rudi Friedrich. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2012.

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