Halil Savda

Halil Savda

Türkei: Internationales Treffen zur Kriegsdienstverweigerung macht mobil

Protest gegen Inhaftierung von Halil Savda

von Connection e.V.

(02.03.2012) Mit zahlreichen Vorschlägen und Ideen endete ein in­ter­na­ti­onales Treffen zur Kriegs­dienst­ver­weigerung letzten Montag in Istanbul. Kriegs­dienst­ver­weigerer und AntimilitaristInnen aus der Türkei trafen sich mit VertreterInnen von Connection e.V., der War Resisters‘ In­ter­na­ti­onal, dem Quaker United Nations Office und Amnesty In­ter­na­ti­onal.

„Auf dem Treffen diskutierten wir die Probleme und Schwierigkeiten, das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung in der Türkei in Anspruch nehmen zu können“, erklärten die Aktiven aus der Türkei nach dem Treffen. „Nach den kürzlich ergangenen Urteilen des Europäischen Gerichtshofes für Men­schen­rechte erarbeiteten wir Möglichkeiten, wie wir die rechtliche Anerkennung der Kriegs­dienst­ver­weigerung durchsetzen können.“

Der Europäische Gerichtshof für Men­schen­rechte hatte in zwei Urteilen im November 2011 und Januar 2012 die Türkei verurteilt, weil die Verfolgung von Kriegs­dienst­ver­weigerern die Artikel 9 (Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit), Artikel 3 (Verbot unmenschlicher Behandlung) und Artikel 6 (Recht auf gerichtliches Gehör) der Europäischen Men­schen­rechtskonvention verletzen. Das Gericht stellte klar heraus, dass das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung aufgrund der Praxis in fast allen Ländern des Europarates ein Men­schen­recht darstellt (...mehr). Die türkische Regierung zeigt sich aber trotz verschiedener Urteil und Gesetzentwürfe bislang nicht bereit, Kriegs­dienst­ver­weigerer anzuerkennen. Die Strafverfolgung wird fortgesetzt.

„Wir rufen zum Widerstand auf“

„Wir betonen“, so die Aktiven in der Türkei, „dass das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung als Teil einer neuen Verfassung und als Recht für jeden Bürger anerkannt werden muss.“ Mit einer öffentlichen Kampagne, einem eigenen Gesetzentwurf und Lobbyarbeit wollen sie weiter dafür und gegen die Militarisierung in der Türkei streiten. „Seit vielen Jahren leidet die Türkei unter dem Krieg in Kurdistan. Er hat bereits mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet und zahlreiche Men­schen­rechtsverletzungen, politische Morde, Vermisste und Folter zur Folge. Der einzige Weg, um den Krieg zu beenden, ist eine demo­kratische und friedliche Lösung der kurdischen Frage. Wir sehen den Militarismus als das entscheidende Hindernis für eine friedliche und freie Koexistenz. Wir rufen alle zum Widerstand dagegen auf.“

Halil Savda in Haft

Nur einen Tag vor dem Treffen wurde der Kriegs­dienst­ver­weigerer Halil Savda festgenommen. Er war aufgrund seiner öffentlichen Unterstützung von zwei israelischen Kriegs­dienst­ver­weigerern am 1. August 2006 wegen „Distanzierung des Volkes vom Militär“ zu fünf Monaten Haft verurteilt worden. Das Urteil gegen Halil Savda erging im Juni 2008, wurde im November 2010 vom Beru­fungs­gericht bestätigt und ihm im Februar 2011 zugestellt. Nun lag ein Haftbefehl gegen ihn vor.

Gegen Halil Savda gibt es drei weitere Verfahren wegen „Distanzierung des Volkes vom Militär“. So wurde er im Juni 2010 aufgrund einer öffentlichen Solidaritätserklärung für den türkischen Kriegs­dienst­ver­weigerer Enver Aydemir zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Halil Savda war bereits 17 Monate wegen seiner Kriegs­dienst­ver­weigerung inhaftiert. Er wurde 2008 ausgemustert.

Artikel 318 – Strafverfolgung kritischer Äußerungen

Mit der Strafandrohung von bis zu zwei Jahren wegen „Distanzierung des Volkes vom Militär“ werden in der Türkei kritische Äußerungen gegen das Militär strafrechtlich verfolgt. „Artikel 318 des türkischen Strafgesetzbuches ist eines der Gesetze, die die Meinungsfreiheit einschränken“, erklärten die Aktiven in ihrer gemeinsamen Erklärung. „Es ist ein Instrument der Unterdrückung gegen Antimilitaristen und Kriegs­dienst­ver­weigerer. Der Artikel muss ersatzlos aufgehoben werden.“

Connection e.V. bittet um Unterstützung

„Die Türkei setzt die Verfolgung der Kriegs­dienst­ver­weigerer fort“, so heute Rudi Friedrich von Connection e.V., der an dem Treffen in der Türkei teilnahm. „Trotz zahlreicher Urteile und Empfehlungen in­ter­na­ti­onaler Institutionen hält die türkische Regierung an ihrer Politik der harten Hand fest. Die Verweigerer brauchen für ihren Kampf für die Men­schen­rechte dringend weitere Unterstützung.“

Protestschreiben können gesendet werden an Präsident Abdullah Gül, cumhurbaskanligi@tccb.gov.tr.

Solidaritätsschreiben an Halil Savda können gesandt werden an: Halil Savda, Doğubeyazıt Kapalı Cecaevi, Doğubeyazıt, Ağrı, Türkei

Online-Aktion: Protest- wie Solidaritätsschreiben können auch online über www.Connection-eV.org/halilsavda-form versandt werden.

gez. Rudi Friedrich

Connection e.V.: Pressemitteilung vom 2. März 2012

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