Plakatmotiv des GI-Café Kaiserslautern

Plakatmotiv des GI-Café Kaiserslautern

Erstes GI-Café in Deutschland eröffnet

von Helen Jaccard und Gerry Condon

(25.03.2012) In Deutschland stationierte US-Soldaten haben nun ein GI-Coffeehouse. Das Café The Clearing Barrel (Die Entladekiste) öffnete am Samstag, den 24. März, in Kaiserslautern, ganz in der Nähe der Luftwaffeneinheit Ramstein und dem Militärkrankenhaus Landstuhl, US-Stützpunkte in der Gegend, auf denen 50.000 Soldaten und Zivilisten aus den USA leben.

Die Eröffnung war ein großer Erfolg. Mehr als 60 Menschen kamen und freuten sich über gutes Essen und Trinken und bewunderten das wundervoll renovierte Ambiente, mit Couch, Tischen, Stühlen, einer Bar, Toiletten und einer vollständigen Küche.

Gezeigt wurden auch wunderbare Plakate der Kunstausstellung „War is Trauma“ (Krieg ist ein Trauma). Die Aus­stel­lung entstand in Zusammenarbeit mit Just Seeds, einem Künstlerkollektiv aus Brooklyn, New York, und den Irak Veterans Against the War (Irakveteranen gegen den Krieg – IVAW). Sie beschäftigt sich mit der „Operation Recovery“, einer Kampagne, um die Entsendung von traumatisierten Soldaten zu beenden und öffentliche Aufmerksamkeit für Posttraumatische Störungen, Hirnverletzungen und Sexuelle Traumata (PTSD) zu erlangen.

Nachbarn, Freunde und Aktivisten kamen von nah und fern, unter ihnen Deutsche und US-Bürger, die in Deutschland leben. Nathan Peld, Mitglied bei IVAW, traf nach einer langen Zugfahrt aus Wien ein, wo er bei der In­ter­na­ti­onalen Atomenergiebehörde (IAEA) arbeitet.

Junge deutsche Frauen und Männer mischten sich leicht mit Freunden aus der Zeit des Vietnamkrieges. Es gab lebendige und interessante Diskussionen. Zwei junge Männer machten Musik, ein Deutscher und ein US-Amerikaner, die mit ihren Gitarren Lieder sangen, in die die Gäste einstimmten.

Chris Capps- Schubert, Irakveteran und Kriegsgegner und seine deutsche Frau Meike, ein Organisationstalent und Mitglied von Military Families Speak Out (Militärfamilien gehen an die Öffentlichkeit) haben seit nun zwei Jahren sehr hart daran gearbeitet, ihren Traum wahr zu machen und das GI-Coffeehouse in Deutschland Wirklichkeit werden zu lassen. Sie wurden dabei unterstützt vom Military Counseling Network (MCN), Connection e.V., dem Center on Conscience and War, dem Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee, Mitgliedern von IVAW und Veterans for Peace (Veteranen für den Frieden) sowie vielen deutschen und US-amerikanischen Freunden und Aktivisten.

Sowohl Meike, als auch Chris, sind Berater im Military Counseling Network, dem europäischen Ableger der GI-Rights-Hotline. Chris ist seit einigen Jahren Mitglied der IVAW und führte in Deutschland eine Rundreise durch, um für das Projekt The Clearing Barrel zu werben. Chris, Meike und andere Berater helfen Soldaten, die das Militär verlassen wollen, sich mit anderen Schwierigkeiten im Militär konfrontiert sehen oder die Hilfe mit ihren im Militär erlitten Traumata suchen.

Meike sagte: „Dass wir diesen Platz haben, ermöglicht uns, all das zusammenzubringen, was wir persönlich, sozial, kulturell und politisch tun. Ich bin sehr dankbar für all die Hilfe, die wir aus den Friedensgruppen erhalten haben. Wir hoffen, dass wir auch weiter Unterstützung erhalten.“

Helen Jaccard und Gerry Condon sprachen als VertreterInnen der Veterans for Peace über die Bedeutung der Unterstützung von Bradley Manning, dem vorgeworfen wird, Wikileaks Dokumente zugespielt zu haben, wie auch von André Shepherd, einem Irakveteran, der sich weigerte, erneut in den Irak zu gehen und in Deutschland Asyl beantragte. Dave Blalock, der GIs in der Zeit des Vietnamkrieges organisiert hatte und nun in Heidelberg lebt, sagte: „Das ist der Beginn von Widerstand“.

Die GI-Coffehouses waren die wichtigste Stütze des Widerstandes von US-Soldaten in der Zeit des Vietnamkrieges. Sie sorgten für einen sicheren Ort, eine alternative Möglichkeit für Soldaten, sich zu treffen und etwas über ihre Rechte im Militär zu erfahren, für Beratung, für politische Diskussionen untereinander und Selbstorganisation gegen illegale Kriege und Besatzung. Die Bewegung der Coffeehouses wuchs in den 1960ern und 70ern. Heutige Veteranen haben die Tradition wieder aufgegriffen, um Gemeinschaft und Widerstand aufzubauen. In den USA gibt es derzeit zwei erfolgreich laufende GI-Coffehouses, Coffee Strong vor den Toren von Joint Base Lewis McCord in Washington State und Under the Hood in Fort Hood, Texas.

Mehr über The Clearing Barrel ist auf der Facebook Seite, GI Café Germany, und auf ihrer Website www.GICafeGermany.com zu finden. Weiterhin werden Spenden benötigt. Es ist also noch nicht zu spät, sich an dieser wichtigen neuen Grundlage für unsere GIs in Deutschland zu beteiligen.

Helen Jaccard und Gerry Condon: First GI Café in Germany Opens Its Doors. 25. März 2012. Übersetzung: rf

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