Südkorea: Kriegsdienstverweigerer Yoonjong Yoo tritt 18-monatige Haftstrafe an

von War Resisters International

(01.05.2012) War Resisters‘ In­ter­na­ti­onal ist beunruhigt über die Inhaftierung des südkoreanischen Kriegs­dienst­ver­weigerers Yoonjong Yoo. Nachdem er seine Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt hatte, wurde er wegen Verletzung des Militärdienstgesetzes vor Gericht gestellt und am 25. April 2012 schließlich zu den üblichen 18 Monaten Haft verurteilt. Am 30. April 2012 ging er zur Haftanstalt in Seoul und trat seine Haft an.

Yoonjong Yoo war zum November 2011 zur südkoreanischen Armee einberufen worden, hatte aber stattdessen seine Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt. Im Dezember wurde er von der Polizei verhört, im Januar 2012 wurde ein Verfahren gegen ihn wegen Kriegs­dienst­ver­weigerung eröffnet. Das Verfahren begann am 14. März 2012.

In seiner Kriegs­dienst­ver­weigerungserklärung schrieb Yoonjong Yoo: “Ich habe mich selbst gefragt, wann ich mich dazu entschied, ein Kriegs­dienst­ver­weigerer zu sein. Es war mit 15 Jahren, als ich begann, eine kritische Sicht zu Nationalismus und Totalitarismus zu entwickeln. Es begann in der Schule, als sie mich zwangen, eine Uniform zu tragen, als sie mich zwangen, die gleiche Frisur zu tragen, es nur eine Standard-Ausbildung gab und Individuen ignoriert wurden. Ich dachte, dass der Staat für die Bevölkerung da ist, und dass Anforderungen des Staates gegenüber den Staatsbürgern auf ein Minimum reduziert sein sollte. Es ist absurd, von mir zu verlangen, mich aufzuopfern oder von mir patriotisches Handeln zu erwarten, wenn ich das nicht machen will und nicht damit einverstanden bin. Wir sind kein Zubehör des Staates.“

Obwohl Südkorea als Unterzeichner des In­ter­na­ti­onalen Paktes für bürgerliche und politische Rechte die Pflicht hat, das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung anzuerkennen, ist dies bislang nicht geschehen. Das Men­schen­rechtskomitee der Vereinten Nationen erkannte in einer Ent­schei­dung vom Januar 2007 die Kriegs­dienst­ver­weigerung als legitimen Ausdruck des Rechts auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit an, wie es in Artikel 18 des Paktes garantiert wird. In dieser Ent­schei­dung über zwei Kriegs­dienst­ver­weigerer aus Südkorea erklärte das Men­schen­rechtskomitee zudem, dass das Fehlen eines Rechtes auf Kriegs­dienst­ver­weigerung den Artikel 18 des Paktes verletzt (CCPR/C/88/D/1321-1322/2004 vom 23. Januar 2007). Ähnliche Ent­schei­dungen ergingen 2010 und 2011 zu einer Beschwerde von mehr als 100 Kriegs­dienst­ver­weigerern aus Südkorea. Kürzlich wurde von weiteren 50 Verweigerern eine weitere Beschwerde eingereicht.

Das Ver­fas­sungs­ge­richt Südkoreas entschied jedoch 2011, dass es nach der südkoreanischen Verfassung kein Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung gibt. Das ändert aber nichts an der Verpflichtung Südkoreas bezüglich des In­ter­na­ti­onalen Paktes für bürgerliche und politische Rechte. Als Signatarstaat hat Südkorea die Pflicht, die Kriegs­dienst­ver­weigerung anzuerkennen.

Im Dezember 2011 waren 810 Kriegs­dienst­ver­weigerer in Südkorea inhaftiert, in der Regel wegen Haftstrafen zu je 18 Monaten.

War Resisters’ In­ter­na­ti­onal bittet um Unterstützungsschreiben an Yoonjong Yoo, Seoul Detention Centre, P.O. Box 20, Gunpo, Gyeonggi-do, South Korea 437-050.

War Resisters’ In­ter­na­ti­onal bittet um Protestschreiben an Präsident Lee Myung-bak. Protest-eMails können versandt werden über http://wri-irg.org/node/15102.

War Resisters’ In­ter­na­ti­onal fordert die unverzügliche Freilassung von Yoonjong und allen anderen in Südkorea inhaftierten Kriegs­dienst­ver­weigerern sowie die Anerkennung des Rechts auf Kriegs­dienst­ver­weigerung.

War Resisters’ International: South Korea - Conscientious objector Yoonjong Yoo begins serving 18 month prison sentence. 1. Mai 2012. Übersetzung: rf. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Juni 2012.

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