15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

Türkei: 14 weitere Kriegsdienstverweigerer

Bericht über Aktionen zum In­ter­na­ti­onalen Tag der Kriegs­dienst­ver­weigerung

von Bianet

(22.05.2012) Am Ende der Woche zur Kriegs­dienst­ver­weigerung trafen sich Verweigerer und AntimilitaristInnen im Bereich des Tünel und marschierten gemeinsam zum Taksim-Platz (Istanbul). Nach der Demonstration und einem Redebeitrag erklärten 14 Personen ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung.

Die Gruppe traf sich vor dem Tarık Zafer Tunaya Kulturzentrum und ging zum Taksim-Platz. Die TeilnehmerInnen riefen Slogans wie „Geht nicht zur Armee, vergieß nicht das Blut Deines Bruders!“, „Widersteht, Verweigert, Sagt Nein, Geht nicht zur Armee!“, „Kriegs­dienst­ver­weigerung für den Frieden!“, „Jeder wird als Baby geboren, niemand als Soldat!“, „Militarismus tötet im Krieg wie im Frieden!“. Während ihres Marsches erhielt die Gruppe Proteste und Unterstützung von Passanten. Einige Straßenmusikanten unterbrachen ihr Spiel, um den Demonstranten zu applaudieren.

Slogans gegen Slogans

Obwohl es einige gab, die ihre Unterstützung für die Kriegs­dienst­ver­weigerer offen zeigten, gab es auch Proteste. Passanten riefen „Jeder Türke wird als Soldat geboren!“ in Widerspruch zu dem Slogan der Marschierenden „Jeder wird als Baby geboren, niemand als Soldat!“. Die Protestgruppe wuchs, während sie rief: „Jeder Türke wird als Soldat geboren, Märtyrer sterben nie!“. Als die Spannungen zunahmen, kamen Zivilpolizisten und zwei Busse der Bereitschaftspolizei begleiteten die Demonstration. „Sie können hier marschieren, weil unsere Soldaten in den Kasernen sind“, rief eine Frau.

“Wir distanzieren das Volk vom Militär und erklären unsere Kriegs­dienst­ver­weigerung”

Als die Demonstranten den Taksim-Platz erreichten, gaben sie eine Presseerklärung ab:

„Der 15. Mai ist der In­ter­na­ti­onale Tag der Kriegs­dienst­ver­weigerung seit einem in­ter­na­ti­onalen Treffen zur Kriegs­dienst­ver­weigerung im Juli 1993. Die Kriegs­dienst­ver­weigerer in der Türkei organisierten sich das erste Mal, nachdem Osman Murat Ülke inhaftiert worden war. Seitdem sind wir aktiv.

In der letzten Woche haben wir eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Aktionen zum In­ter­na­ti­onalen Tag der Kriegs­dienst­ver­weigerung durchgeführt. Wir sprachen über die Folgen des Krieges für Kinder, wir haben uns angesehen, welche Standpunkte islamische Verweigerer haben, wir diskutierten den Artikel 318, der die Distanzierung des Volkes vom Militär unter Strafe stellt und wir sprachen über ein Recht zur Kriegs­dienst­ver­weigerung.

Wir sprachen auch über ’zweifelhafte Todesfälle’ in der Armee, bei denen tatsächlich Soldaten ermordet wurden, und diskutierten den Militarismus an den Schulen gemeinsam mit jungen Kriegs­dienst­ver­weigerern aus Gymnasien. Frauen organisierten eine Podiumsdiskussion über die Folgen des Krieges für Frauen.

Wir glauben an ein Leben in Frieden. Deshalb erklären wir unsere Kriegs­dienst­ver­weigerung – gegen Militarismus, gegen Krieg und gegen das Vergießen des Blutes unserer Brüder.

Von 47 Mitgliedsstaaten des Europarates erkennen nur die Türkei und Aserbaidschan die Kriegs­dienst­ver­weigerung nicht an. Menschen, die Frieden wollen, werden nach Artikel 318 wegen ’Distanzierung des Volkes vom Militär’ verurteilt. Wir wissen, dass die Existenz unseres Staates davon abhängt, Kriege zu führen.

Deshalb erheben wir, Menschen aus dieser Region, die leidvoll die Grausamkeit des Krieges erleben, unsere Stimme: gegen den Krieg. Wir distanzieren das Volk vom Militär und erklären unsere Kriegs­dienst­ver­weigerung.“

Bianet: 14 More Conscientious Objectors. 22. Mai 2012. Übersetzung: rf. Quelle: www.bianet.org/english/freedom-of-expression/138514-14-people-announced-their-conscientious-objection. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe September 2012

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