Plakatmotiv des GI-Café Kaiserslautern

Plakatmotiv des GI-Café Kaiserslautern

„Eine große Anerkennung unserer Arbeit“

Zur Verleihung des Rheinland-Pfälzischen Friedenspreises

von Meike Capps-Schubert

(01.06.2012) Wir möchten uns ganz herzlich für diese Unterstützung bedanken. Dieser Preis bedeutet für uns eine große Anerkennung unsere Arbeit.

Vor allem aber bedeutet dieser Preis eine inhaltliche Anerkennung unsere Arbeit - und so ganz selbstverständlich war und ist dies für uns nicht.

Schon bevor Chris und ich uns überhaupt kennengelernt haben, ist schon allein meine persönliche Betroffenheit und mein Wille, mich für US-Soldaten einsetzen zu wollen. in meinem linken politischen Umfeld und Freundeskreis, auf großes – um es mal diplomatisch auszudrücken – Unverständnis gestoßen.

Spendenaufruf des GI-Café

Chris und Meike Capps-Schubert bitten weiter um Spenden für das GI-Café „The Clearing Barrel“ in Kaiserslautern, das am 24. März 2012 in der Richard-Wagner-Str. 48 eröffnet wurde. Es ist jeden Mittwoch bis Samstag ab 15 Uhr geöffnet.

„Wir bekommen durchweg positive Rückmeldungen sowohl von Gästen als auch in der Presse“, schreiben Chris und Meike Capps-Schubert am 29. Mai in einem Update. „Die Gäste sind sehr unterschiedlich und gehen von Studenten, Friedensbewegten und ‚ganz normalen Leuten‘ bis hin zu amerikanischen Zivilangestellten und Soldaten im aktiven Dienst. Die immer noch laufende Aus­stel­lung ‚War is Trauma‘ ist ein guter Ansatzpunkt um mit Menschen über unsere Arbeit ins Gespräch zu kommen und es entwickeln sich viele interessante Gespräche. Außerdem gefällt den Menschen der Stil des Cafés, der so in Kaiserslautern einzigartig ist und dass sie dann sozusagen beim Kaffee trinken und Kuchen essen eine gute Sache unterstützen.“

 

Spenden werden erbeten auf das Konto des Military Counseling Network e.V. Nr. 6019886400 bei der GLS-Bank, BLZ 430 609 67. Spenden sind steuerlich absetzbar.

Als wir beide dann zusammen kamen und vor allem in der Zeit, als Chris im Irak war, schlug das zum Teil in offene Feindschaft um – ich kollaborierte ja mit dem Besatzer, dem imperialistischen Klassenfeind, dem Mörder. Viele Friedensbewegte sehen amerikanische Soldaten immer noch nur als Feindbild.

Als ich das erste mal zu einem Treffen des Military Counseling Network (MCN) ging, lagen dort Postkarten auf dem Tisch – Postkarten mit einem meiner Meinung nach von der Friedensbewegung etwas überstrapazierten Zitat „Alle Soldaten sind potenzielle Mörder“. Tucholsky natürlich... und ich glaube es war Dave Stutzmann, einer der beiden Freiwilligen, die damals beim MCN arbeiteten, der nur sagte: „Dreh die Postkarte mal um.“ Auf der Rückseite stand „aber alle Soldaten sind auch potenzielle Kriegs­dienst­ver­weigerer“.

Die Verleihung diese Preises bedeutet für uns, dass die Friedensbewegung hier erkannt hat, dass nicht der Soldat per se ein Feind des Friedens ist, sondern die politischen und sozialen Umstände. Und der Vietnamkrieg hat uns gezeigt, dass der Widerstand innerhalb des US-Militärs durchaus eine große Rolle bei der Beendigung von Kriegen spielen kann.

Natürlich werden nicht alle Menschen, denen wir helfen können, automatisch zu glühenden Pazifisten. Aber wir können Denkanstöße geben und gerade auch im GI-Café gibt es viele Gespräche mit Amerikanern und auch Deutschen. Es stellt sich heraus: Die meisten US-Soldaten sind gegen diese Kriege.

Wir haben ein offenes Ohr, wenn Soldaten oder Veteranen über ihre Erfahrungen sprechen wollen und mit Chris haben sie jemanden, der auch einfach weiß, worüber sie sprechen. Wir können ein Bewusstsein schaffen auch bei den nicht-Militärangehörigen.

Mit der Umwandlung der Bundeswehr in eine Berufsarmee werden wir alle auch hier mehr und mehr mit den gleichen Problemen wie z.B. der Armutsrekrutierung konfrontiert werden. Ich denke, unsere Erfahrungen können da in Zukunft hilfreich sein.

Wir möchten uns bei Rudi Friedrich und Connection e.V. bedanken, die uns sehr bei der Ausarbeitung des Konzepts geholfen haben und uns immer unterstützen. Natürlich möchten wir uns ganz im speziellen beim Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee bedanken, das durch die finanzielle Unterstützung von Chris‘ Beratungsarbeit den Aufbau des Cafés und den Start des Projekts überhaupt möglich gemacht haben. Besonders möchten wir uns natürlich auch bei denjenigen bedanken, die uns gerade in den letzten Monaten ganz praktisch unterstützt haben. Ohne die handwerkliche Hilfe und die vielen Arbeitsstunden, die einige in das Café gesteckt haben, hätten wir es nicht geschafft.

Zuguterletzt gibt es noch drei Menschen, denen wir hier ganz persönlich danken wollen. Dave Blalock und Darnell Stephen Summer von Stop The War Brigade – die beiden Vietnamveteranen und uns immer ein wichtiges Vorbild sind. Auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint, zeigen sie uns bis heute, dass sich das Kämpfen für ein Ideal lohnt. Und David Carson, der 1991 den Kriegsdienst verweigerte und dann von seiner Einheit zum Einsatz im Irak in das Flugzeug geprügelt wurde: Dave war immer für mich da in Zeiten, als sich mein Umfeld nur noch abgewendet hat und keinerlei Verständnis aufbrachte. Er hat zu uns gestanden, weil auch er genau nachvollziehen konnte, in welcher Lage Chris war.

Meike Capps-Schubert: „Eine große Anerkennung unserer Arbeit“. Dankesrede zur Verleihung des Rheinland-pfälzischen Friedenspreises an das GI-Café, 1. Juni 2012 in Ingelheim

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