15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

Türkei: Friedensmarsch endet diesen Samstag in Ankara

Große Unterstützung für Aktion der türkischen Kriegs­dienst­ver­weigerer

von Connection e.V.

(18.10.2012) Mit einem Konzert werden diesen Samstag (20. Oktober 2012) der türkische Kriegs­dienst­ver­weigerer Halil Savda und seine WegbegleiterInnen in Ankara begrüßt. Halil Savda hatte am 1. September 2012 einen 1.300 km langen Friedensmarsch in Roboskî (türkisch: Ortasu) begonnen, um ein Zeichen gegen den Krieg in den kurdischen Gebieten der Türkei zu setzen: „Wir befinden uns in der Türkei zur Zeit an einem historischen Scheideweg zwischen Krieg und Frieden.“

In seiner Erklärung zum Antikriegstag 2012 machte er deutlich, dass er den Friedensmarsch als alternative gewaltfreie Form des Widerstandes gegen den Krieg und gegen die Men­schen­rechtsverletzungen im Land ansieht: „Men­schen­rechtsaktivisten, Kriegsgegner und Friedensaktivisten müssen für den Frieden neue Widerstandsformen entwickeln, sonst wird dieser Krieg uns weiterhin beschmutzen und verletzen.“

„Die türkische Regierung“, so heute Rudi Friedrich vom Kriegs­dienst­ver­weigerungsnetzwerk Connection e.V., „führt auf der einen Seite mit großer Rücksichtslosigkeit Krieg. Sie bekämpft Oppositionelle und jede Form von Separatismus und tritt dabei die Men­schen­rechte mit Füßen. Die PKK setzt auf der anderen Seite mit ihren Aktionen gegen türkische Regierung und Armee auf militärische Mittel. Angesichts dessen ist der von Halil Savda initiierte Friedensmarsch ein wichtiges Zeichen, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und von unten Frieden für die Region einzufordern. Um Menschen- und Bürgerrechte sowie Gerechtigkeit durchzusetzen, bedarf es alternativer Handlungsmöglichkeiten.“

Der Weg von Roboskî (Ortasu) nach Ankara

Halil Savda hatte den Marsch in Roboskî/Ortasu begonnen, einem kurdischen Dorf im Landkreis Uludere in der Provinz Şırnak im Südosten der Türkei, da dort Ende 2011 34 Dorfbewohner durch Beschuss türkischer Kampf­flugzeuge ums Leben kamen. Gemeinsam mit den Angehörigen war Halil Savda zu den Gräbern der Opfer gegangen, um hier beispielhaft den ermordeten Zivilisten des Krieges zu gedenken.

In einem Interview berichtete Halil Savda am 25. September 2012 über seine Erfahrungen auf dem Friedensmarsch: „Seitdem ich unterwegs bin, habe ich bislang nicht erlebte Aufmerksamkeit und liebevolle Gesten erfahren. Kurden, Türken, Araber, Soldatenfamilien haben uns empfangen, uns ihre Türen geöffnet, uns zum Essen eingeladen. Die Menschen bewahren immer noch ihren Glauben daran, dass der Frieden irgendwann kommen wird. Sie bewahren immer noch ihre Hoffnung, trotz all der erlebten nationalistischen, chauvinistischen, verleumderischen Politik des Staates.“

Wenige Tage später wurden die FriedensmarschiererInnen auf Geheiß des Gouverneurs der Provinz Osmaniye verhaftet. Ihnen wurde untersagt, die Provinz zu durchqueren, da ihr Friedenslauf „provokant“ sei. Die FriedensläuferInnen wurden gefesselt und zur angrenzenden Provinz Adana verbracht. Amnesty In­ter­na­ti­onal protestierte gegen die Verhaftung und forderte am 30. September die türkischen Behörden auf, „sicherzustellen, dass Halil Savda und seine fünf FreundInnen ihr Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit während ihres ‚Friedenslaufs‘ ausüben können.“

Solidarität von MigrantInnen aus der Türkei

Zeitgleich mit den Aktivitäten in Ankara wird am 20. Oktober auch die Antimilitaristische Initiative Hamburg-Berlin eine Informationsveranstaltung und ein Solidaritätsfest durchführen. Beides wird ab 21 Uhr im Café Knallhart in Hamburg stattfinden. „Wir wollen die TeilnehmerInnen des Friedenslaufes vorstellen und über die Kriegs­dienst­ver­weigerung in der Türkei berichten. Über eine Liveschaltung mit Halil Savda und seinen WegbegleiterInnen sowie mit Bildern und Videos wird es auch Gelegenheit geben, sich mit den Motiven der FriedensläuferInnen auseinanderzusetzen“, schreibt Gürsel Yildirim für die Initiative.

Die Initiative verbindet ihre Aktivitäten mit einem Aufruf an die in Deutschland lebenden Migranten aus der Türkei, nicht länger wegzusehen. Sie fordert dazu auf, nicht länger die von der Türkei von im Ausland lebenden Wehrpflichtigen verlangte Freikaufssumme zu zahlen: „Auch wir Migrantinnen und Migranten, die aus Anatolien und Mesopotamien stammen, schweigen meistens zu den Zuständen in ‚unserer Heimat‘. Wir sind über die Zustände und Lebensverhältnisse in der Region gut informiert. Wir beobachten ‚aus der Ferne‘ den Krieg, diskutieren und analysieren. Wir sind auch Teil des Krieges in der Region. Seit Jahrzehnten finanzieren wir Migranten den „schmutzigen Krieg“ in Kurdistan mit unseren Geldbeiträgen in Form von ‚Bedelli Askerlik‘ bzw. ‚Dövizli Askerlik‘.“

Weitere Informationen

Aktivitäten der Antimilitaristischen Initiative Hamburg-Berlin: http://www.facebook.com/UnterwegsfurdenFrieden

Gruppen der KriegsgegnerInnen in der Türkei: www.savaskarsitlari.org

Kampagne zur Kriegs­dienst­ver­weigerung in der Türkei: www.Connection-eV.org/projekt-tuerkei

Connection e.V.: Pressemitteilung vom 18. Oktober 2012. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe November 2012

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