Türkei

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Türkei: Verein für Kriegsdienstverweigerung (VR-DER) gegründet

Presseerklärung zum In­ter­na­ti­onalen Tag der Kriegs­dienst­ver­weigerung

(18.05.2013) Freunde,

Unser Freund, der Kriegs­dienst­ver­weigerer Ali Fikri Işık, wurde vor ungefähr einem Monat aus dem Militärgefängnis Edirne entlassen. Daraufhin haben wir uns getroffen und uns über die Entwicklungen unterhalten. Es drehte sich hauptsächlich darum, dass wir unseren Freund nicht gebührend unterstützt hatten, unorganisiert sind. Gerade in einer Zeit, in der Kriegs­dienst­ver­weigerung so sehr zur Diskussion steht, ist das ein großer Mangel. Weiter diskutierten wir, dass wir uns nicht auf den In­ter­na­ti­onalen Tag der Kriegs­dienst­ver­weigerung, den wir jedes Jahr am 15. Mai feiern, vorbereitet hatten. Zu beiden Themen hatten wir manches unternommen und Absichten verkündet, aber konkret hatten wir nichts vorzuzeigen. Wir verdanken es neuen Menschen und der damit verbundenen Motivation, dass wir nun den richtigen Schritt tun.

Wie ihr alle wisst, haben wir den Vicdani Ret Derneği (Verein für Kriegs­dienst­ver­weigerung) an einem sehr bedeutsamen Tag gegründet: dem 15. Mai, dem In­ter­na­ti­onalen Tag der Kriegs­dienst­ver­weigerung. Um ehrlich zu sein, waren wir uns zu Anfang nicht sicher, ob wir genug Gründungsmitglieder finden würden, aber als wir sahen, wie die Zahl langsam anwuchs, haben wir uns zum Ziel gesetzt, mit 100 Gründungsmitgliedern zu starten. Heute sind wir bei 87 angelangt. Dies ist wirklich ein großer Erfolg. Wir haben jetzt ein kleines Büro und sind herrlich aufgeregt. Wir werden in unserer ersten offiziellen Versammlung einen Weg beschreiben, um unsere in der Satzung festgehaltenen Ziele zu verwirklichen. Wir werden für die grundrechtliche Anerkennung der Kriegs­dienst­ver­weigerung im Einklang mit den von der Türkei ratifizierten in­ter­na­ti­onalen Dokumenten streiten, wie z.B. der „Allgemeinen Erklärung der Men­schen­rechte“, dem „In­ter­na­ti­onalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ und der „Europäischen Men­schen­rechtskonvention“.

Wir werden zu unseren Freunden stehen, die wegen ihrer Kriegs­dienst­ver­weigerung unter Druck gesetzt, kriminalisiert, ihrer Bürgerrechte beraubt und zu einem „zivilen Tod“ verdammt werden.

Wir werden uns für ein Ende der Strafverfolgung von Hunderttausenden „Wehrflüchtigen“ und „Deserteuren“, gegen als Militärdrill und Disziplin verkleidete Folter in der Armee und gegen die fragwürdigen Todesfälle von Rekruten, die als Selbstmorde, Unfälle oder Märtyrertum dargestellt werden, einsetzen.

Krieg bedeutet Zerstörung für die Natur und die Menschen. Kriegs­dienst­ver­weigerung ist die Weigerung, die menschliche Ressource des Kriegs zu werden. Unser Verein wird sich bemühen, gegen alle Aspekte der Kriegsführung, wie die Rüstungsindustrie und Waffenexporte oder militaristische Organisationen und Strukturen einzutreten. Wir werden uns für die Vorbeugung und Beendigung von Kriegen und Auseinandersetzungen, den Wiederaufbau und die Beseitigung von bedrohlichen Kriegsüberbleibseln wie Minen und sonstigen Sprengkörpern engagieren.

Wir sind uns bewusst, dass der Militarismus nicht nur aus Waffen, der Kaserne und Epauletten besteht und das gesellschaftliche Leben durchdringt. Wir werden für die Entwicklung dieses Bewusstseins und ein „Leben in Frieden“ arbeiten. Wir werden in all diesen Bemühungen mit nationalen und in­ter­na­ti­onalen Organisationen, die eine ähnliche Weltanschauung und Haltung haben, zusammenarbeiten und uns solidarisieren.

Ziviler Ungehorsam und Konsens sind Grundpfeiler unserer Aktionen und interner Struktur.

 

Freunde, wir wissen: Es wird nicht einfach sein.

Selbstverständlich ist es schwer für unsereins,

- in einer von Soldaten gegründeten Republik, deren politischer Werdegang bei sozialen Unruhen mit Putschen unterbrochen wird;

- angesichts eines Militärapparates, der nach jeder Machtübernahme weiter gestärkt wird;

- in einem Land, dessen weitflächig verinnerlichte Militärkultur mit Sprüchen wie „Wir sind eine Nation von Soldaten“ oder „Jeder Türke wird als Soldat geboren“ bereichert wurde;

- in einem Land, dass sich gerade bemüht einen Krieg zu beenden, gleichzeitig aber gefährdet ist, sich in einen anderen Krieg zu verwickeln;

- in einem Land, dass mit der Ambition, eine regionale und globale Macht zu werden, eine eigene Rüstungsindustrie fördert und es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Nuklearmacht zu werden.

Allerdings sollten sich alle bewusst sein: Die Kriegs­dienst­ver­weigerer sind entschlossen all diese Hindernisse zu überwinden.

Kontakt

Vicdani Ret Derneği
Hüseyin Ağa Mah. Istiklal Cad. Tokatlıyan Han. No: 76 Kat:4 Daire:28
Beyoğlu-Istanbul

www.facebook.com/VicdaniRetDernegi

Vicdani Ret Derneği: Pressemitteilung am 18. Mai 2013. Übersetzung: omü. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Juni 2013

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