Bradley Manning

Bradley Manning

USA: Whistleblower zu 35 Jahren Haft verurteilt

Erklärung von Bradley Manning nach dem Urteil

Am 21. August 2013 wurde der Whisteblower Bradley Manning vom Militärgericht in Fort Meade (Maryland) zu 35 Jahren Haft verurteilt. Damit wurde offensichtlich ein Exempel statuiert, um andere abzuschrecken. Bradley Manning hatte vor mehr als drei Jahren rund eine Viertelmillion geheimer Dokumente an WikiLeaks weitergegeben, darunter das Collateral-Murder-Video und die Kriegstagebücher zu den Kriegen in Irak und Afghanistan. Direkt nach dem Urteil wandte sich Bradley Manning an den US-Präsidenten und bat um Begnadigung. Bradley Mannings Rechtsanwalt David Coombs verlas dessen Erklärung. (d. Red.)

Die Ent­schei­dungen, die ich 2010 traf, resultierten aus meiner Sorge um mein Land und die Welt, in der wir leben. Seit den tragischen Ereignissen am 11. September 2001 befindet sich unser Land im Krieg. Wir führen Krieg gegen einen Feind, der sich uns nicht auf einem traditionellen Schlachtfeld stellt, und aufgrund dieser Tatsache mussten wir die Methoden zur Bekämpfung der Risiken für uns und unsere Lebensweise ändern.

Ursprünglich war ich mit diesen Methoden einverstanden und entschloss mich, freiwillig bei der Verteidigung unseres Landes mitzuwirken. Das war, bevor ich im Irak stationiert wurde und täglich geheime Militärberichte las. Ich begann, die Moral dessen zu hinterfragen, was wir taten. Zu dieser Zeit wurde mir bewusst, dass unser Bemühen, den Gefahren, die der Feind für uns bereithielt, entgegenzutreten, uns unsere Menschlichkeit hatte vergessen lassen. Wir hatten uns bewusst dafür entschieden, das Leben der Menschen im Irak und Afghanistan abzuwerten. Wenn wir die bekämpften, von denen wir annahmen, dass sie unsere Feinde waren, töteten wir auch manchmal unschuldige Zivilisten. Doch immer, wenn wir unschuldige Zivilisten getötet hatten, entschieden wir, den Vorfall hinter dem Schleier der Nationalen Sicherheit zu verstecken und den Vorfall als geheim einzustufen, um nicht öffentlich Rechenschaft dafür ablegen und die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen.

In unserem Eifer, den Feind zu töten, diskutierten wir intern die Definition von Folter. Wir hielten seit Jahren Gefangene in Guantanamo fest ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren. Unerklärlicherweise drückten wir beide Augen zu, wenn es um Folter und Exekutionen durch die irakische Regierung ging. Und wir schluckten unzählige andere Taten im Namen des Krieges gegen den Terror.

Der Schrei nach Patriotismus wird oft dann erhoben, wenn moralisch zweifelhafte Handlungen der Machthaber befürwortet werden sollen. Wenn diese Schreie nach Patriotismus die Logik unserer Handlungen beeinflussen, dann ist es üblicherweise ein amerikanischer Soldat, der ausgesandt wird, diese schlecht durchdachte Mission auszuführen.

Unsere Nation hatte ähnlich dunkle Momente für die Tugend der Demokratie – den Trail of Tears [Vertreibung der Ureinwohner aus den fruchtbaren Gebieten der USA], das Dred Scott Urteil [ein Sklave, der erfolglos seine Freiheit eingeklagt hatte], den McCarthyismus, die Internierungslager für Japaner in Amerika, um nur einige zu nennen. Ich denke, dass viele unserer Handlungen seit dem 11. September einmal in einem ähnlichen Licht gesehen werden.

Wie der verstorbene Howard Zinn einmal sagte, “Es ist keine Flagge groß genug, um die Scham zu überdecken, unschuldige Menschen getötet zu haben.“ Ich verstehe, dass ich durch meine Handlungen Gesetze verletzt habe, und ich bedaure, wenn meine Taten jemanden verletzt oder den Vereinigten Staaten geschadet haben. Es war niemals meine Absicht, jemandem zu schaden. Ich wollte den Menschen nur helfen. Als ich mich entschloss, geheime Informationen öffentlich zu machen, tat ich dies aus Liebe zu meinem Land und aus Pflichtgefühl der Öffentlichkeit gegenüber.

Wenn Sie meine Bitte um Begnadigung ablehnen, werde ich meine Strafe verbüßen in dem Wissen, dass man einen hohen Preis zahlen muss, um in einer freien Gesellschaft zu leben. Ich werde bereitwillig diesen Preis zahlen wenn dies bedeutet, dass wir ein Land haben können, das auf Freiheit gegründet ist und auf den Grundsatz, dass alle Männer und Frauen gleich sind.

Statement von Bradley Manning, verlesen durch Anwalt David Coombs nach der Urteilsverkündung. 21. August 2013. Übersetzung durch freebradleymanning.net. Englisch: www.freebradleymanning.net/?page_id=6139. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe September 2013

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