Arbeit von Connection e.V.

Februar bis Mai 2014

von Franz Nadler und Rudi Friedrich

Aus dem Mediterranen Treffen zur Kriegs­dienst­ver­weigerung, das Anfang Februar auf Zypern stattgefunden hatte, ergaben sich in den letzten Wochen einige Aktivitäten.

Solidaritätsaktion für Murat Kanatlı

Wenige Tage nach dem Treffen verurteilte ein Militärgericht in Lefkoşa, Nordzypern, einen der Organisatoren zu einer zehntägigen Haftstrafe. Murat Kanatlı hatte sich geweigert, dem jährlichen Reservedienst nachzukommen.

Murat Kanatlı ist Vorstandsmitglied des Europäischen Büros für Kriegs­dienst­ver­weigerung und hatte 2009 seine Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt, weil er dem Krieg die Ressource Mensch entziehen wolle. Er wolle sich nicht an einem Krieg und daher auch nicht an der Vorbereitung eines Krieges beteiligen. „Wenn es einen Krieg in Zypern gibt, werde ich mich nicht auf eine Seite stellen. Wer sind unsere Feinde? Ist es irgendjemand, der auf der anderen Seite des Stacheldrahts steht? Sind die Freunde, mit denen wir jeden Tag in der Ledrastraße Kaffee trinken, etwa unsere Feinde?“

Seine Ver­ur­tei­lung und Inhaftierung war eine erste Bewährungsprobe für das auf dem Mediterranen Treffen gegründete Netzwerk. Kurz entschlossen wurde ein Aktionstag vorgeschlagen. Schließlich beteiligten sich Gruppen und Organisationen aus Israel, Ägypten, Palästina, Griechenland, der Türkei und anderen Ländern, forderten die Freilassung von Murat Kanatlı und die Anerkennung der Kriegs­dienst­ver­weigerung.

Fundraising-Seminar in Istanbul

Zum Abschluss des Projekts Für das Men­schen­recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung in der Türkei, für das wir von der Bewegungsstiftung einen Zuschuss erhalten hatten, vereinbarten wir ein Fundraising-Seminar in Istanbul, das am 28. und 29. März 2014 stattfand. Zehn Aktive vom Verein für Kriegs­dienst­ver­weigerung und von dem neu gegründeten Regionalbüro für Gewaltfreiheit nahmen daran teil. Rudi Friedrich referierte in einem ersten Teil über die Grundlagen für Fundraising-Arbeit. Ein zweiter Teil beschäftigte sich mit Ansätzen zur Analyse der Stärken und Schwächen von Projekten sowie Evaluation. In einem dritten Teil stellte er Möglichkeiten der praktischen Fundraising-Arbeit vor. Der theoretische Hintergrund wurde begleitet von Arbeitsgruppen, die während des Seminars drei Projekte entwickelten, Ziele und Arbeitsweise bestimmten und erste Ideen für Fundraising sammelten. Über sogenanntes Crowdfunding würde sich z.B. die Möglichkeit bieten, dass der Verein auch für Projekte in der Türkei auf in­ter­na­ti­onaler Ebene finanzielle Unterstützung einwerben kann.

Besuch der ägyptischen Gruppe zur Kriegs­dienst­ver­weigerung

In Zypern entstand auch der Vorschlag, dass Rudi Friedrich zum fünfjährigen Bestehen der ägyptischen Kriegs­dienst­ver­weigerungsgruppe No to Compulsory Military Service Movement (Bewegung Nein zum Kriegsdienstzwang) im April 2014 nach Kairo fährt.

Die Gruppe besteht aus etwa 10 Personen. Emad el Dafrawi und Mohamed Fathy, die 2012 ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt hatten, sind nicht nur von Rekrutierung und Inhaftierung bedroht, sondern sind auch einem „Zivilen Tod“ unterworfen. Sie erhalten keinen Pass, können das Land nicht verlassen, nicht studieren und nicht arbeiten.

Dennoch wird es in den nächsten Wochen weitere Kriegs­dienst­ver­weigerer geben. Entsprechende Erklärungen werden bereits vorbereitet.

Rudi Friedrich diskutierte mit der Gruppe ausführlich, wie die in­ter­na­ti­onale Unterstützung und Vernetzung für einzelne Verweigerer verbessert werden könnte. Da die Gruppe in Ägypten sehr isoliert ist – so halten z.B. verschiedene Men­schen­rechtsorganisationen das Thema Kriegs­dienst­ver­weigerung derzeit nicht für opportun und auch die Presse schweigt das Thema tot – sind die Aktiven sehr daran interessiert, in­ter­na­ti­onale Öffentlichkeit herzustellen.

Die Lage der Gruppe zeigt sich auch an dem Umstand, dass sie praktisch keinen festen Ort haben, an dem sie sich treffen können. Eigene Räume für eine Initiative zur Kriegs­dienst­ver­weigerung zu haben, ist aufgrund der politischen Lage nicht möglich. Andere Organisationen stellen keine Räume zur Verfügung. Und in den Cafés ist es nicht möglich, wirklich offen zu diskutieren.

Die Gruppe steht tatsächlich ganz am Anfang. Aber mit dem Besuch von Rudi Friedrich ist es zumindest gelungen, intensive und persönliche Kontakte herzustellen. Und seit den Seminaren in Berlin 2013 und auf Zypern 2014 gibt es bereits eine recht gute in­ter­na­ti­onale Vernetzung.

Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Mai 2014

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