15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

Türkei: Protestmarsch gegen das zentrale Fahndungssystem - 23 neue Kriegsdienstverweigerer

„Wir sind nicht wehrflüchtig, wir sind Kriegs­dienst­ver­weigerer“

von Verein für Kriegsdienstverweigerung

(24.05.2014) Der Protestmarsch des Vereins für Kriegs­dienst­ver­weigerung (VR-DER), der wegen dem Grubenmassaker vertagt wurde, fand heute, am 24. Mai 2014, in Kadıköy statt.

Kriegs­dienst­ver­weigerer, Kriegsgegner und Antimilitaristen, die gegen die kürzlich aktualisierte Bedrohung der „Wehrflüchtigen“ durch das Zentrale Fahndungssystem protestieren, versammelten sich um 14 Uhr bei der Statue des Stiers in Kadıköy. Sie zogen von dort zum Mehmet Ayvalıtaş Platz1 und anschließend vor die Polizeiwache am Anlegeplatz von Kadıköy. Die Demonstranten forderten den Weg entlang mit Slogans und Transparenten das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung ein.

Die Mitglieder des VR-DER, der Anarchistischen Aktion in der Schule (Lisede Anarşist Faaliyet), der Anarchistischen Jugend (Anarşist Gençlik) und andere Kriegsgegner skandierten „Verweigere, leiste Widerstand, sag Nein! Gehe nicht zum Militär!“, „Kriegs­dienst­ver­weigerung für den Frieden“, „Gehe nicht zum Militär, vergieße nicht das Blut deiner Geschwister!“ und wiesen weiter auf den seit vielen Jahren fortgeführten Krieg hin.

Die Polizei hatte vor der Polizeiwache eine Barrikade errichtet, vor der die Kriegs­dienst­ver­weigerer ihre Presseerklärung verlasen. VR-DER Vorstandsmitglied Gökhan Soysal unterstrich hier, dass viele Wehrflüchtige, die aus verschiedenen Gründen nicht zum Militär gehen, aufgrund des zentralen Fahndungssystems ein Leben im Untergrund führen und daher von öffentlichen Dienstleistungen ausgeschlossen sind, ihr Sozialleben und ihre Rechte eingeschränkt sind. Nach der Presseerklärung häuften die Kriegs­dienst­ver­weigerer erhaltene Fahndungsdokumente vor die Barrikade und zündeten sie mit dem Slogan „Wir sind nicht wehrflüchtig, wir sind Kriegs­dienst­ver­weigerer“ an.

Nach der Verbrennung der Dokumente begaben sich die Kriegs­dienst­ver­weigerer zum Anlegeplatz und verlasen dort eine kurze Presseerklärung. Merve Arkun, Kovorsitzende des VR-DER, ging auf die einjährigen Aktivitäten des Vereins ein und verkündete, dass alle folgenden Deklarationen neuer Kriegs­dienst­ver­weigerer den verunglückten Minenarbeitern von Soma, den ermordeten Gezi-Demonstranten und den jüngst im Stadtteil Okmeydanı von der Polizei tödlich erschossenen Uğur Kurt und Ayhan Yılmaz gewidmet werden.

In der Folge erklärten 23 Personen ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung. Die Aktion wurde anschließend mit Slogans beendet.

Fußnote

1 Früher Moda Platz. Mehmet Ayvalıtaş war das erste Todesopfer der Gezi Park Proteste und wurde am 3. Juni 2013 inmitten einer Demonstration mutwillig überfahren. (Anm. d. Ü.)

Vicdani Ret Derneği: VR-DER’den GBT protestosu ve 23 vicdani ret açıklaması. 24. Mai 2014. Übersetzung: omü. Quelle: http://vicdaniret.org/kadikoyde-kacak-degil-vicdani-retciyiz-yuruyusu. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe September 2014

Stichworte:    ⇒ Aktionsberichte   ⇒ Kriegsdienstverweigerung   ⇒ Militärdienstentziehung   ⇒ Strafverfolgung   ⇒ Türkei