Udi Segal

Udi Segal

1.100 UnterzeichnerInnen fordern Freilassung des Kriegsdienstverweigerers UDI SEGAL aus dem Militärgefängnis in Israel

von Komitee für Grundrechte und Demokratie

(02.10.2014) Udi Segal ist den InitiatorInnen des Aufrufs persönlich bekannt, weil er im Sommer 2013 mit weiteren 70 Israelis an der Aktion „Ferien vom Krieg“ des „Komitee für Grundrechte und Demokratie“ teilnahm und die einmalige Gelegenheit wahrnahm, sich mit 70 gleichaltrigen Palästinensern in einem moderierten Dialogseminar zusammen- bzw. auseinanderzusetzen. In zwei Wochen entwickelten sich intensive Kontakte zu den angeblichen Feinden. Diese Erfahrung hat ihn in seinem Ent­schei­dungsprozess zur Verweigerung bestärkt. Inzwischen sitzt er zum vierten Mal im Militärgefängnis.

In einem Begleitschreiben wurden die UnterzeichnerInnen über die Bedeutung des Militärdienstes im Alltagsleben und die fehlende Möglichkeit der Verweigerung in der israelischen Gesellschaft informiert. Dies löste - mitten im Gazakrieg - heftige Diskussionen aus, weil einige UnterzeichnerInnen nicht alle von Udi genannten Argumente teilen, die ihnen zu einseitig und radikal erscheinen. Zudem solle man als Deutscher zum Militarismus in Israel, vor dem Hintergrund der Rolle der deutschen Wehrmacht bei der Ermordung der Juden, besser schweigen. Man setze sich der Verdächtigung des Antisemitismus aus.

Im Gegensatz dazu problematisierten Andere, dass die Aktion sich an den Botschafter und damit den Vertreter einer Regierung wendet, die absichtsvoll und rücksichtslos ihre Sicherheits-, Wirtschafts- und Machtinteressen, auch gegen in­ter­na­ti­onales Recht, kriegerisch durchsetzt.

Besonders erfreulich ist es, so sagte Helga Dieter, die ehemalige Koordinatorin des Projekts „Ferien vom Krieg“ und Initiatorin des Aufrufs, dass auch einige in der deutschen Öffentlichkeit für ihr Engagement im Nah-Ost-Konflikt bekannte Wissenschaftler und Aktivisten mit den skizzierten, konträren politischen Positionen, den Appell unterschrieben haben! Jenseits der Kontroversen unterstützen sie das Recht, den Kriegsdienst zu verweigern: Auch in Israel! Auch mitten im Krieg!

Die Un­ter­schrif­tenlisten wurden gestern an den israelischen Botschafter in Berlin und in Kopie an Udi Segal geschickt.

„Connection e.V.“, veröffentlicht heute weitere Informationen zu Udis Verweigerung und sammelt online Un­ter­schrif­ten.

Die Aktion „Ferien vom Krieg“

Bei intensiven Dialogseminaren haben in den letzten 12 Jahren 1060 junge Menschen aus Israel gemeinsam mit 1060 gleichaltrigen Palästinensern aus den besetzten Gebieten bewiesen: „WIR KÖNNEN ZUSAMMEN LEBEN! SOGAR UNTER EINEM DACH! OHNE JEDE GEWALT!“

Während im Juli und August 2014 die Kassem-Raketen unter den Be­woh­nern Israels Angst und Schrecken verbreiteten und die israelischen Raketen in Gaza Zerstörung und Tod brachten, wurde der Ruf nach zivilen Vermittlern immer lauter. Zu dieser Zeit führten 50 junge Menschen von beiden Seiten „Friedensverhandlungen“ mit erstaunlichen Ergebnissen. In 3 Stufen zu je 5 Jahren werden Lösungswege auch für die schwierigsten Probleme, wie Siedlungen und Flüchtlinge, aufgezeigt. Die jungen Menschen beider Seiten sind kriegsmüde. Sie wollen und können miteinander reden. Sie sind zu schmerzhaften Kompromissen bereit.

Bitte berichten Sie über die mutigen jungen Verweigerer und ihre Unterstützung durch 1.100 UnterzeichnerInnen sowie über die Friedensverhandlungen von unten.

 

gez. Helga Dieter   (Tel. 069-7892525), Mitglied im Komitee-Vorstand, Ehem. Koordinatorin der „Ferien vom Krieg“

Komitee für Grundrechte und Demokratie: Pressemitteilung vom 2. Oktober 2014

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