Sara Beining mit ihrer Tochter

Sara Beining mit ihrer Tochter

USA: Verweigerin Sara Beining nach erneuter Unerlaubter Entfernung verhaftet

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von The Nuclear Resister

(26.09.2014) Eine alleinerziehende Mutter und Irakveteranin sitzt im Gefängnis in Colorado Springs. Sara Beining verließ letzten Sommer zum zweiten Mal unerlaubt die Armee (AWOL), nachdem das Verfahren zu ihrer unerlaubten Entfernung von ihrer Einheit in Fort Hood im Januar 2007 über ein Jahr verschleppt wurde.

Vor etwa einem Jahr, am 14. September 2013, wurde Beining wegen eines Verkehrsdelikts angehalten und mit einem Haftbefehl des Militärs konfrontiert. Das passierte mehr als sechs Jahre, nachdem sie gemeinsam mit ihrem frisch angetrauten Ehemann den Kriegsdienst verlassen hatte. Sie wurde sofort verhaftet, erhielt ein Flugticket und den Befehl, sich in Fort Carson, Colorado, zurückzumelden. „Ich versuchte ein weiteres Jahr das Spiel mitzuspielen“, sagte sie und erwartete ohne Aufsehen aus der Armee entlassen zu werden, wie es vielen Verweigerern gelungen ist.

In der Zeit ihrer Abwesenheit vom Militär, im September 2008, hatte Beining eine Tochter bekommen und sich öffentlich gegen den Krieg ausgesprochen. Sie und ihr Ehemann wurden später geschieden. 2010 wurde er wegen Unerlaubter Abwesenheit verhaftet und für drei Monate in Fort Carson festgehalten, bevor er aus der Armee entlassen wurde. Zur Zeit ihrer Verhaftung arbeitete Sara Beining als Sekretärin des Vorstandes von Iraq Veterans Against the War.

Während des vergangenen Jahres beim Militär hatte Beining Aufgaben im Büro zu erledigen und sie konnte außerhalb der Kaserne leben. Aber sie wurde wiederholt mit der Eröffnung eines Vorverfahrens bedroht und dem Verlust des Sorgerechts für ihre Tochter als Konsequenz für ihre Antikriegs-Aktivitäten. In ihrem Verfahren wurde sie nur hingehalten. Als der Sommer kam, und die USA die Bombardierungen im Irak durch die Luftwaffe wieder aufnahm, konnte Beining nicht länger im Dienst auf eine Ent­schei­dung warten. Sie entschied, sich erneut unerlaubt zu entfernen, sich öffentlich gegen den Krieg auszusprechen und die Regierung dazu zu zwingen, in ihrem Fall zu handeln.

Im Juli verließ Beining ihre Einheit und ging nach Portland, Oregon. In Portland gab sie ein Interview, das am 15. August in Veteran’s Voice, einem Programm eines lokalen Radiosenders, ausgestrahlt wurde. Sie wurde dann am 27. August in Portland verhaftet, aufgrund eines Haftbefehls des Militärs in Untersuchungshaft genommen und in das Gefängnis El Paso zurückgebracht.

Im Radiointerview beschrieb Beining eine positiv prägende Erfahrung im JROTC1, was sie als Alternative zur Gymnastik in der High School belegt hatte. Sie unterschrieb den Vertrag beim Militär mit 17 Jahren, weil sie dienen und mehr von der engen, familienähnlichen Beziehung erleben wollte, die der charismatische Leiter des JROTC-Programms unter ihren FreundInnen geschaffen hatte.

Aber ihr Dienst im Geheimdienst der US-Armee im Irak von Dezember 2005 bis November 2006 ließ bei ihr ernsthafte Zweifel aufkommen, ob es für sie überhaupt möglich sein würde, ihre Werte, auf die sie den Eid geleistet hatte, in der Armee zu bewahren. Sie stellte tägliche Berichte über die Opferzahlen zusammen und sah die Bänder der Videoüberwachung zu den Kämpfen in Bagdad durch. Wiederholt sah sie Tod und Blutbäder, war aber machtlos, um irgendwie helfen zu können.

„Wir leisteten einen Schwur, die Verfassung der Vereinigten Staaten gegen alle Feinde im Inland oder im Ausland aufrechtzuerhalten und zu verteidigen“, sagte sie ihren ZuhörerInnen. „Doch je länger ich im Irak war, umso mehr realisierte ich, dass wir dort tatsächlich nichts taten, um unsere eigene Verfassung zu verteidigen. Ich war im Geheimdienst. Im Irak gab es keine Massenvernichtungswaffen. Das Schlimmste, was es dort an Waffen gab, war das abgereicherte Uran im Süden des Landes. Viele irakische Frauen gebaren Kinder mit Geburtsfehlern und die erste Frage war dann: ‚Ist das normal?‘ Es hatten auch viele SoldatInnen Symptome der Verstrahlung. Zweifellos halfen wir dort drüben nicht unserem Land.“

Letzten Sommer, als Beining die Nachrichten aus dem Irak und die Auswirkungen des Militarismus auf der ganzen Welt sah, der bis in die letzten Winkel wie Ferguson, Missouri, schwappte, kam sie zu dem Schluss: „Ich kann kein Teil davon sein. So traurig es ist: Alles, was um mich herum geschieht, bestärkt meine Ent­schei­dung, den Dienst im Militär zu verweigern.“

Unterstützungsbriefe können geschrieben werden an: Sara Beining, 140001536,

El Paso County Jail, 2739 E. Las Vegas St, Colorado Springs, CO 80906, USA.

 

Fußnote

1 Junior Reserve Officer Training Corps, ein Ausbildungsprogramm, das von US-Streitkräften an Schulen und Universitäten angeboten wird, um Offiziere zu rekrutieren.

The Nuclear Resister: Army refuser Sara Beining arrested and jailed after going AWOL again. 26. September 2014. Übersetzung: rf

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