Südkorea: Kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung

von Kyong-Jung Kim

Auf der Tagung „Gerechter Friede in Ostasien“ der Deutschen Ostasien Mission (DOAM) berichtete Ende September 2014 der Pfarrer Kyong-Jung Kim der mennonitischen Gemeinde aus Seoul, Südkorea, über die Lage der Kriegs­dienst­ver­weigerer. Wir haben seinen Beitrag aus einer Mitschrift heraus zusammengestellt (d. Red.)

Korea ist seit nun mehr als 60 Jahren geteilt. Ich selbst lebe in der Nähe der Grenze an der entmilitarisierten Zone und erlebe, wie der Konflikt immer wieder direkte Auswirkungen auf unser Leben hat.

Aufgrund der Situation brauchen wir eine stabile militärische Macht, so scheint es. Eine Folge davon ist, dass jeder junge Mann wehrpflichtig ist. In Südkorea werden jedes Jahr 28.000 Männer einberufen.

Aber es gibt auch jedes Jahr Kriegs­dienst­ver­weigerer aus Gewissensgründen. Wer sich dem Militärdienst verweigert, wird aber sehr bald Schwierigkeiten bekommen und im Gefängnis landen. Unsere Verfassung garantiert leider nicht das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung. So werden die Kriegs­dienst­ver­weigerer in der Regel zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Jedes Jahr sind mehr als 660 Verweigerer in Haft, so die Zahlen zwischen 2004 und 2012. Insgesamt sind seit 1950 wohl mehr als 17.500 Kriegs­dienst­ver­weigerer inhaftiert worden. Damit ist Südkorea der Staat, in dem am meisten Kriegs­dienst­ver­weigerer überhaupt inhaftiert sind.

Diese Situation ist wirklich beschämend, gerade angesichts der ökonomischen Entwicklung unseres Landes. Und wir müssen leider sehen, dass die Kirchen in Südkorea dieses Thema viel zu wenig aufgreifen. Dabei sind die Kriegs­dienst­ver­weigerer engagierte junge Menschen, die nur auf eine andere Art und Weise ihrem Land dienen wollen. Und auch mehr und mehr Christen entscheiden sich, diesen Weg zu gehen.

Ich möchte hier zwei Beispiele vorstellen. Der 27-jährige Lee Sang-Min hat lange um seinen rechten Glauben gerungen und schließlich seine Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt. Er wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt und befindet sich derzeit in Haft. Obwohl er ein guter Sohn sein will und die Position seines Vaters kennt, der Pilot der Luftwaffe war, hat er sich zur Kriegs­dienst­ver­weigerung entschlossen, weil er seinem Glauben treu bleiben will. Seine Familie kann dies leider nicht verstehen. Die Kirchengemeinde hat aufgrund seiner Ent­schei­dung starkes Interesse an der Friedensfrage entwickelt.

Auch Kim Sung-Min ist derzeit in Haft. Er kam bereits vor einigen Jahren zu uns in die Gemeinde und fragte nach dem Friedenszeugnis der Kirchen. Letztes Jahr kam er zu einem Workshop zur Kriegs­dienst­ver­weigerung nach Seoul und entschied sich danach, seine Kriegs­dienst­ver­weigerung zu erklären.

Diese christlichen Verweigerer versuchen, die Bergpredigt ernst zu nehmen. Es sind junge Menschen, die eigentlich eine große Zukunft vor sich haben, aber nun im Gefängnis sitzen und vorbestraft sind.

Die Regierung verhält sich in dieser Frage sehr typisch. Sie argumentiert, dass die Bedrohung durch Nordkorea eine Anerkennung der Kriegs­dienst­ver­weigerung nicht zulasse. Sie stellt damit die nationale Sicherheit über das individuelle Gewissen.

Und die Bevölkerung? 76% der Bevölkerung lehnen die Kriegs­dienst­ver­weigerung ab. Sie finden es verständlich, dass Menschen für diese Ent­schei­dung ins Gefängnis gehen müssen.

Auch die Kirchen greifen dies Thema nicht auf. Aufgrund des aktuellen politischen Kontextes in Korea ist für sie die Kriegs­dienst­ver­weigerung keine vertretbare christliche Haltung, kein christliches Zeugnis gegenüber dem Staat. Es ist auch eine Frage, inwieweit Krieg als berechtigt angesehen wird. Angesichts dessen erhalten die Kriegs­dienst­ver­weigerer vor allem Unterstützung aus den sozialen Bewegungen.

Kyong-Jung Kim: Südkorea – Kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. 30.9.2014. Zusammenstellung aus einer Mitschrift von Rudi Friedrich, Connection e.V., Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe November 2014

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