Sara Beining mit ihrer Tochter

Sara Beining mit ihrer Tochter

Verweigerin Sara Beining zu fünf Monaten Haft verurteilt, aber aus dem Gefängnis entlassen

Baldige Entlassung aus der Armee erwartet

von Courage to Resist

(10.12.2014) Gestern wurde die Kriegsgegnerin Sara Beining vom Militärgericht in Fort Carson, Colorado, zu einer fünfmonatigen Haftstrafe verurteilt, die sie bereits mit ihrer Inhaftierung im Vorverfahren verbüßt hat. Zudem sprach das Gericht eine unehrenhafte Entlassung aus der Armee aus. Sara hatte wegen zweimaliger Desertion ursprünglich eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren zu erwarten. Das jetzige Ergebnis ist also ein großer Erfolg. Sara profitierte sehr von dem Auftreten ihres Rechtsanwaltes James Branum aus Oklahoma City, dessen Honorar und Aufwendungen von Courage to Resist und UnterstützerInnen aus den ganzen USA übernommen worden waren. Sara wurde letzte Nacht aus der Haft entlassen und wird in wenigen Tagen auch aus der Armee entlassen werden.

Auf Facebook berichtete Rechtsanwalt Branum gestern: „Die heutigen Nachrichten aus Fort Carson zum Fall der Kriegsgegnerin Sara Beining: Der Richter verurteilte sie zu fünf Monaten Haft und unehrenhafter Entlassung. Unser, mit einem Schuldeingeständnis verbundenes, Angebot lag bei vier Monaten ohne unehrenhafte Entlassung, so dass sie nur vier Monate Haft zu verbüßen gehabt hätte. Bei einer vorzeitigen Entlassung wegen guter Führung wird sie wahrscheinlich schon heute Nacht entlassen.“ Er ergänzte: „Wir sind sehr froh über dieses Ergebnis.“

Sara verließ unerlaubt die Armee (AWOL), nachdem sie 2007 aus dem Irak zurückgekehrt war. Während ihrer Abwesenheit von der Armee arbeitete sie im Büro des bundesweiten Vorstandes von Iraq Veterans Against the War (Irakveteranen gegen den Krieg).

Kurz vor ihrer Verhaftung im letzten Jahr berichtete Sara in Portland, Oregon, in einer Radiosendung, warum sie AWOL gegangen war: „Wir leisteten einen Schwur, die Verfassung der Vereinigten Staaten gegen alle Feinde im In- und Ausland aufrechtzuerhalten und zu verteidigen“, sagte sie ihren ZuhörerInnen. „Doch je länger ich im Irak war, umso mehr realisierte ich, dass wir dort tatsächlich nichts taten, um unsere eigene Verfassung zu verteidigen. Ich war im Geheimdienst. Im Irak gab es keine Massenvernichtungswaffen. Das Schlimmste, was es dort an Waffen gab, war das abgereicherte Uran im Süden des Landes. Viele irakische Frauen gebaren Kinder mit Geburtsfehlern und die erste Frage war dann: ‚Ist das normal?‘ Es hatten auch viele SoldatInnen Symptome der Verstrahlung. Zweifellos halfen wir dort drüben nicht unserem Land.“

Rechtsanwalt Branum machte heute auf Facebook noch weitere Anmerkungen zum gestrigen Verfahren:

1. Ich weiß, dass öffentlich bestellte Verteidiger von der Armee oftmals keinen guten Ruf haben, sie sind aber oft ausgezeichnet. Ich war sehr froh, mit einem der besten von ihnen zusammenarbeiten zu können. Ich will nicht seinen Namen nennen (er ist wie viele von ihnen unpolitisch), aber ich will ihm meine Hochachtung ausdrücken.

2. Das wichtigste Argument der Anklage für erschwerende Umstände war, dass sie sich für soziale Rechte einsetzte und Vorstandsmitglied der Iraq Veterans Against the War war. Wirklich, dies war deren wichtigstes Argument.

3. Es ist sehr interessant, das Ergebnis (vier Monate und unehrenhafte Entlassung) mit dem Fall von Kimberly Rivera zu vergleichen (zehn Monate und unehrenhafte Entlassung). Beide hatten sich während ihrer Abwesenheit von der Armee sehr politisch geäußert und ausführlich mit den Medien gesprochen. In beiden Fällen gab es auch bedeutsame mildernde Umstände (beide waren Mütter von jungen Kindern und konnten positive Aussagen von Freunden und Familie vorlegen). Und beide Fälle wurden in Fort Carson verhandelt. Warum also wurde Rivera zu einer Haftstrafe verurteilt, die mehr als doppelt so lang ist wie bei Beining? Lag es daran, dass ein anderer Richter das Urteil sprach oder dass Rivera in Kanada versucht hatte Asyl zu erhalten, während Beining in den USA blieb? Zweifellos sollte dieser Unterschied beim Urteil in die Überlegungen der kanadischen Regierung einfließen, wenn sie sich mit den Asylanträgen von US-KriegsgegnerInnen befasst.

4. Ich schätze sehr die Unterstützung der FriedensaktivistInnen in Colorado Springs und Denver. In den meisten Militärgerichtsverfahren gibt es nur wenige Beobachter (und oft sind es keine Zivil­personen). Es war schön, so viele BesucherInnen beim Verfahren zu sehen.

5. Einer der besten Momente während des Prozesses war, als einer meiner Zeugen sehr clever auf die ungeschickten Versuche der Staatsanwaltschaft reagierte, zu einigen Punkten ein Kreuzverhör durchzuführen.

Courage to Resist: Objector Sara Beining released from jail, discharge soon!. 10. Dezember 2014. Übersetzung: rf. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2015

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