Freigelassener israelischer Kriegsdienstverweigerer Uriel Ferera: „Sie versuchten mich zu brechen“

von Daniel Beller

(22.12.2014) Der 19-jährige orthodoxe Jude Uriel Ferera aus Beer Sheva ging am 27. April 2014 zur Kaserne in Tel Ha’Shomer und erklärte dort seine Kriegs­dienst­ver­weigerung. Er weigere sich Teil der Besatzung zu werden. Die Armee habe seinen Antrag auf Ableistung eines Zivildienstes abgelehnt.

Nach insgesamt 177 Tagen im israelischen Militärgefängnis und zehn Verhandlungen ist der Kriegs­dienst­ver­weigerer Uriel Ferera nun frei. Als er am Sonntag zum Rekrutierungsbüro ging, vermutete er, ein elftes Mal ins Gefängnis gehen zu müssen. Stattdessen wurde ihm mitgeteilt, dass die israelische Armee ihn aus der Wehrpflicht entlässt, da sein "schwerwiegendes schlechtes Verhalten unvereinbar" mit dem Militärdienst sei.

Ferera erklärte, dass die Armee ihm zuvor angeboten hatte, einen Militärpsychologen aufzusuchen, um zu prüfen, ob er aus psychiatrischen Gründen aus der Armee entlassen werden könne. "Aber der Weg zum Militärpsychologen ist für die Armee doch nur ein Weg, um sich [an mir] reinzuwaschen. Sie wollen der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken. Ich verweigerte dies und wurde zehn Mal verurteilt. Bei der letzten Ver­ur­tei­lung sagte der Militärrichter, dass es wahrscheinlich das letzte Mal sei."

Ferera stammt aus einer jüdisch-orthodoxen Familie, die aus Argentinien immigriert ist. "Ich wollte einen nationalen Dienst ableisten", sagte er, "aber nicht in einer Besatzungsarmee. Ich will meine Hand nicht für die Besatzung und die Unterdrückung einer anderen Nation hergeben."

Am härtesten war der erste Tag im Gefängnis, erläuterte Ferera. "Sie versuchten mich zu brechen, mit verbaler und körperlicher Gewalt." Die anderen Gefangenen wussten nicht, warum er in Haft war, berichtete er weiter, und ihnen war es auch nicht wichtig. "Im Militärgefängnis ist jeder für sich allein. Selbst wenn ich dem Richter vorgeführt wurde, kannten diese nicht immer meinen Hintergrund."

Das Militärgefängnis Nr. 6 ist hart, sagte Ferera nach seiner Entlassung aus der Armee: "Als sie sahen, dass ich mich an den Ort gewöhnt hatte, brachten sie mich ins Gefängnis Nr. 4." Er war wegen der Überstellung besorgt, weil im selben Gefängnis ein anderer Kriegs­dienst­ver­weigerer, Omar Sa’ad, krank geworden war und unter harten Bedingungen behandelt wurde. "Aber im Gefängnis Nr. 4 war die Atmosphäre weniger heftig. Sie versuchten mich nicht wie im Gefängnis Nr. 6 zu brechen."

Zwischen den Haftzeiten nahm er die öffentliche Unterstützung für seinen Kampf wahr. Im Gefängnis war das kaum möglich: "Ich denke, einer der Gründe dafür, dass die Wächter nicht mit mir darüber sprachen, warum ich im Gefängnis saß, war, dass sie nicht mit der Wahrheit konfrontiert werden wollten. Es wäre einfach für sie gewesen, mich zu einem Militärpsychologen zu schicken. Aber es scheint, dass es schwierig für sie war, mit dem konfrontiert zu sein, was ich sage", ergänzte er.

"Als ich aus dem Rekrutierungsbüro ging, hatte ich noch gar nicht recht begriffen, dass ich nun frei bin", so Ferera. Die jungen Kriegs­dienst­ver­weigerer sagen, dass er nun weiter sein Leben führen, sich an Hochschulen immatrikulieren oder auch freiwillig einen Dienst im nationalen Zivildienst leisten kann, um weiter gegen die Besatzung zu arbeiten.

"Ich werde mich bei Organisationen wie Yesh Gvul engagieren", sagte er, "um andere Verweigerer zu beraten und sie zu begleiten, so wie es andere für mich taten." Die Familie von Natan Blanc, ein anderer Verweigerer, der ebenfalls mehr als 170 Tage in Haft war, unterstützte seine Mutter, ergänzte er. "Sie hatte Angst, dass ich erneut ins Gefängnis gehen muss."

Uriel Ferera sagt, dass er nicht das Gefühl hat, 177 Tage im Militärgefängnis verloren zu haben: "Ganz im Gegenteil, ich kämpfte für meine Prinzipien – keine Hand für die Besatzung herzugeben. Der Staat hat verloren, der mich 177 Tage lang in Haft behielt."

Für Ferera war es wichtig, von der Armee nicht aus psychologischen Gründen entlassen zu werden, erklärte er: "Sie setzten mich unter Druck und bedrohten mich – sie versuchten mich zu brechen. Aber mit der Zeit lernte ich, dass ich stark genug bin und das überleben werde."

Am Sonntag kam Uriel Ferera nach Hause – dieses Mal mit einem guten Gefühl.

Daniel Beller: Freed Israeli conscientious objector: They tried to break me. 22. Dezember 2014. Übersetzung: rf. Quelle: http://972mag.com/freed-israeli-conscientious-objector-they-tried-to-break-me/100395/. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2015

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