World Without War

World Without War

„Eine anregende und erfolgreiche Zeit“

Bericht von World Without War (Südkorea) zur Europatour 2015

von Seungho Park

Es war im Sommer 2014, als Aktivisten unserer Organisation World Without War (Welt ohne Krieg) nach Südafrika fuhren, um an einer in­ter­na­ti­onalen Konferenz der War Resisters‘ In­ter­na­ti­onal teilzunehmen. Am Rande diskutierten wir kurz mit Connection e.V. über die Idee einer Ver­an­stal­tungs­reihe. Später ergänzte Connection e.V. dies durch einen ausführlichen Vorschlag. Wir entschieden, das Projekt anzugehen.

Zu diesem Zeitpunkt verbanden wir mit der Ver­an­stal­tungs­reihe das Ziel, in­ter­na­ti­onale Unterstützung für Kriegs­dienst­ver­weigerer in Südkorea zu erhalten. Wir wollten auf die Situation im Land hinweisen - auf die fehlende Möglichkeit eines alternativen Dienstes und die Gefängnisstrafen von Kriegs­dienst­ver­weigerern. Wir hofften in der in Europa lebenden Bevölkerung auf die Verfolgung von südkoreanischen Verweigerern aufmerksam machen und Druck auf die Regierung in Südkorea ausüben zu können. Darüber hinaus erwarteten wir, dass wir das Band enger knüpfen könnten, dass uns mit verschiedenen Organisationen verbindet, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten.

Wenn wir auf die dreimonatige Reise zurückblicken können wir sagen, dass es für uns alle eine sehr anregende und erfolgreiche Zeit war. Die uns gewährte Gastfreundschaft und die Unterstützung für unsere Bewegung hat uns begeistert. Am erstaunlichsten für uns war, dass die meisten Menschen in Europa nichts über die Situation in Südkorea wissen. Viele waren überrascht vom Ausmaß der Militarisierung der Gesellschaft und der Strafverfolgung der Kriegs­dienst­ver­weigerer zu hören. Sie waren geradezu schockiert darüber, dass der größte Teil der weltweit inhaftierten Kriegs­dienst­ver­weigerer in den südkoreanischen Gefängnissen sitzt.

Bemerkenswert war auch das Interesse bei PolitikerInnen. Wir hatten einige gute Treffen mit ParlamentarierInnen verschiedener Fraktionen des Deutschen Bundestages. Sie zeigten großes Interesse für unsere Situation und machten einige bedeutungsvolle, zum Teil sehr konkrete und hilfreiche Vorschläge, um unsere Bewegung zu unterstützen.

Ein sehr klares und wichtiges Zeichen aufgrund der Rundreise kam aus der deutschen Botschaft in Südkorea. Aufgrund unseres Gesprächs mit Mitgliedern der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe trat die deutsche Botschaft an uns heran, um Informationen zur Lage der Kriegs­dienst­ver­weigerer in Südkorea zu erhalten. Der Mitarbeiter der Botschaft sagte uns, dass sie Informationen zusammenstellen, um aufgrund der Anfrage des Vorsitzenden der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk, einen Bericht zum Thema zu erstellen.

Darüber hinaus waren für unsere Bewegung die Treffen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in verschiedenen Ländern sehr hilfreich. Wir konnten unser Anliegen den Mitgliedern der Europäischen Büros für Kriegs­dienst­ver­weigerung vorstellen und neue Möglichkeiten für unsere Arbeit eröffnen.

Auch das Treffen mit dem European Network Against Arms Trade (Europäisches Netzwerk gegen Waffenhandel - ENAAT) war sehr nützlich, zumal wir ein in­ter­na­ti­onales Seminar zum Thema Kriegsprofiteure und Gegenaktionen für Oktober 2015 vorbereiten. Seminar und Aktion wird zur Seoul Aerospace Defense Exhibition (Seouler Messe für Raumfahrt und Verteidigung) stattfinden. Zu erfahren, was andere in ihrer Region planen und an den Diskussionen für zukünftige Projekte und Zusammenarbeit teilzunehmen, um gegen den in­ter­na­ti­onalen Waffenhandel aktiv zu werden, ist hilfreich für unsere eigene Kampagne. Und es hat uns begeistert, dass einige Ideen, die wir bei ENAAT eingebracht hatten, von anderen Aktiven bei den Aktionen gegen IDET (In­ter­na­ti­onale Fachmesse für Abwehr- und Sicherheitstechnik) umgesetzt wurden.

Während wir unterwegs waren, gab es einige bedeutsame Entwicklungen in Südkorea. Am 12. Mai 2015 entschied das Bezirksgericht Gwangju zugunsten von drei Kriegs­dienst­ver­weigerern, was eine große Kontroverse zum Thema Kriegs­dienst­ver­weigerung und Strafverfolgung nach sich zog. Am nächsten Tag veröffentlichte Amnesty In­ter­na­ti­onal einen Bericht zum Thema, über den gerade auch wegen des Gerichtsurteils breit berichtet wurde. Dies und unsere Aktivitäten führten dazu, dass das Ver­fas­sungs­ge­richt eine öffentliche Anhörung dazu durchführte, ob die Regelungen, die eine Strafverfolgung der Kriegs­dienst­ver­weigerer vorsehen, verfassungsgemäß sind oder nicht.

Zudem führte ein Abgeordneter der Na­tionalversammlung in Südkorea, der einen Gesetzentwurf zur Änderung des Militärdienstgesetzes einbrachte, um einen alternativen Dienst ein­zuführen, eine Veranstaltung zum Thema im Parlament durch und versprach, seinen Änderungsantrag weiter voranzubringen. Wir sind uns allerdingst nicht sicher, ob dieser Gesetzentwurf behandelt werden wird oder nicht.

Auch wenn die Rundreise wichtig war, es gibt noch ein paar Möglichkeiten zur Verbesserung. Die meisten Veranstaltungen in Deutschland waren gut vorbereitet. In anderen Ländern, wie in der Türkei, Frankreich, Großbritannien und Finnland, war es nicht so gut organisiert. Und wir hätten den Wunsch gehabt, auch dort Lobbyarbeit machen zu können. Das scheint sich in gewisser Weise daraus zu ergeben, dass die zentrale Koordinierung in Deutschland erfolgte. Aber vielleicht wäre es möglich, Gruppen in anderen Ländern sehr frühzeitig an den Planungen zu beteiligen.

Andere praktische Punkte betreffen die Übersetzung und die Länge der Rundreise. Obwohl wir überall sehr freundlich aufgenommen wurden und Gastfreundschaft genossen, waren die Aktiven am Ende der Reise doch ermüdet. Da die Englischkentnisse (oder andere Sprachkenntnisse) sehr unterschiedlich waren, war es in einigen Fällen aufgrund der Sprachbarrieren schwierig, unsere Vorträge zu halten. Das war besonders dann schwierig, wenn wir an Veranstaltungen in deutscher Sprache teilnahmen, wie bei Seminaren und Protestaktionen, und die Organisatoren versuchten, uns das Wesentliche zu übersetzen.

Nun sind wir zurück in Südkorea. Wir hoffen, dass wir mit den Organisationen, die wir während unserer Tour getroffen haben, weiter in Kontakt bleiben und dass unsere Bewegung bei zukünftigen Kampagnen von ihnen Unterstützung erhalten kann. Und wir werden einige der Vorschläge, die sich aus der Lobbyarbeit im Deutschen Bundestag und im Europäischen Parlament ergeben haben, angehen, um Druck auf unsere Regierung auszuüben.

Sicher ist: Die Tour half uns, unsere Kampagne weiterzubringen und unsere Möglichkeiten zu erweitern. World Without War möchte einen großen Dank an all diejenigen aussprechen, die uns eingeladen und Veranstaltungen über unsere Kriegs­dienst­ver­weigerungsbewegung organisiert haben.

Seungho Park: Report. 1. Juli 2015. Übersetzung: rf. Der Beitrag erschien in: Connection e.V., Deutsche Ostasienmission und Ev. Mission in Solidarität (Hrsg.): Broschüre "Südkorea: 700 Kriegsdienstverweigerer in Haft", Juli 2015

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