Erklärung zur Lage der Kriegsdienstverweigerer in Kolumbien

von Nationalversammlung der Kriegsdienstverweigerer Kolumbiens (ANOOC)

(17.08.2015) In einem Land, das in seiner Geschichte viele verschiedene Phasen eines bewaffneten Konfliktes erlebt hat und in dem das Militär bis in die tiefsten sozialen Beziehungen eingedrungen ist, positionieren wir uns entschieden gegen Gewalt: Wir sind der Überzeugung, dass Krieg weder ein Motor der Geschichte und Entwicklung ist, noch ein Fluch oder Schicksal, dem man nicht entgehen kann. Diese Haltung ist Ausdruck einer bestimmten gewaltfreien Art zur Lösung sozialer Konflikte. Sie hat das Ziel, die Lebensbedingungen aufrechtzuerhalten sowie zu verbessern und schließlich als eine natürliche soziale Dynamik fort zu bestehen.

Wir widersetzen uns allen Formen zwangsweiser Rekrutierung von welcher bewaffneten Gruppe auch immer. Wir verlangen, dass die staatlichen Institutionen sicherstellen müssen, dass solche Rekrutierungen nicht passieren und dass sie selbst diese Praktiken nicht mehr benutzen. Seit mehreren Jahren setzen wir uns für das Recht ein, den Krieg aus Gewissensgründen zu verweigern, und dafür, dass Jugendliche nicht unter Zwang in die Kasernen gebracht werden. Dazu dokumentieren wir alle Regelwidrigkeiten der Rekrutierungspraxis der kolumbianischen Armee, die die politischen Rahmenbedingungen systematisch ignoriert, und veröffentlichen diese Berichte.

Eine der derzeit häufigsten Praktiken der zwangsweisen Rekrutierung ist die sogenannte Batida (Razzia), tatsächlich eine willkürliche Festnahme mit dem Ziel der Rekrutierung. Diese Praxis wurde von der UN-Arbeitsgruppe über willkürliche Festnahmen als unrechtmäßig erklärt (Stellungnahme 8/08), ebenso vom Ver­fas­sungs­ge­richt (Urteile C-879/11 und T-455/14). Dennoch registrieren wir weiterhin solche unrechtmäßigen Praktiken in verschiedenen Gebieten des Landes. Wir bestehen darauf, dass das Recht, Jugendliche zu Zwangsdiensten heranzuziehen, kein Grund für verfassungswidriges Vorgehen sein darf.

Erschwerend kommt hinzu, dass diejenigen, die in den vergangenen Tagen gegen die Regelwidrigkeiten vorgegangen sind und diese öffentlich angezeigt haben, während der willkürlichen Festnahmen vom Militär misshandelt wurden. Außerdem sind die Aggressionen gegenüber Kriegs­dienst­ver­weigerern, gegen Väter und Mütter derselben und sogar gegen einen Abgeordneten hervorzuheben.

Wir verlangen die strikte Einhaltung der Rekrutierungsregelungen, insbesondere jetzt, da die Möglichkeit besteht, den bewaffneten Konflikt zu überwinden, und da den ökonomischen und sozialen Konflikten in einer Art und Weise begegnet werden kann, die eine deutlich andere ist als der Bruderkrieg, der die Geschichte Kolumbiens (schon viel zu lange) bestimmt.

Kontakt

Asamblea Nacional de Objetores y Objetoras de Conciencia

eMail: anooc.colombia(at)gmail.com

Declaración de la Asamblea Nacional de Objetores y Objetoras de Conciencia (ANOOC), 17. August 2015. Übersetzung aus dem Englischen: rf, pg. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe November 2015

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