"Wir erheben unsere Stimme für Frieden und gegen die Militarisierung"

Gemeinsame Erklärung

von Kriegsdienstverweigerungsgruppen aus dem östlichen Mittelmeer

Wir sind Kriegs­dienst­ver­weigerer aus der östlichen Mittelmeerregion. Unsere Region leidet schon lange unter Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Militarisierung, Besatzung und Kriegen, wie auch unter Armut, Analphabetentum, Hunger und fehlender sozialer Infrastruktur. In dieser schwierigen Zeit, in der unsere Region noch stärker in einem Kriegschaos zu versinken scheint, erheben wir unsere gemeinsame Stimme für Frieden und gegen die Militarisierung.

Wie lassen nicht zu, dass dieser Kreislauf der Gewalt, der durch unterdrückerische Staaten und aufgrund wirtschaftlicher Interessen ausgelöst wurde, weiter fortbesteht. Wir weigern uns, Teil dessen zu werden. Wir weigern uns, Feindschaft gegen Völker auszuüben, die einfach nur eine andere Nationalität oder Religion haben. Wir werden uns nicht in diese Kriege und in Armeen hineinziehen lassen, die Tod und Zerstörung in die Region bringen.

Unsere Region ist eine der am höchsten militarisierten der Welt, angefangen von der überall bestehenden Wehrpflicht, über hoch-militarisierte Grenzen und militärische Lösungen jedweden Konfliktes, bis hin zu anhaltenden und neuen Besetzungen von Gebieten der Zivilbevölkerungen durch bewaffnete Streitkräfte, die Männer, Frauen und Kinder unterdrücken und töten. Wir sind der Überzeugung, dass die Gewalt systematisch angewandt wird und die gesamte Region betrifft. Aber die Gewalt ist nicht von sich aus Bestandteil der Region und wir als Be­woh­ner, die in Frieden leben wollen, haben uns sie nicht ausgesucht. Unsere Region hat immer wieder bewiesen, dass militärische Lösungen niemals dauerhaft tragen, auf lange Sicht nur zu größerer Gewalt führen und auf kurze Sicht Tod und Zerstörung bringen.

Die Reaktion auf die gegenwärtige in der Region vorherrschende Gewalt sollte der Aufbau von Gemeinschaften sein, die Unterstützung von Flüchtlingen und die Vermittlung zwischen den kämpfenden Parteien - nicht aber Waffenverkäufe, Bombardierungen und militärische Unterstützungsleistungen.

Die Kriege in unserer Region haben zu der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem II. Weltkrieg geführt. Millionen von Menschen fliehen vor Krieg und Unterdrückung und finden nur Rassismus, Unterdrückung oder sogar den Tod auf ihrer Suche nach einem sicheren Ort. Diese Krise hat zu militarisierten "Lösungen" geführt, in­ter­na­ti­onalen militärischen Einsätzen, militärischer Unterstützung und der Militarisierung der Grenzen, zu "Lösungen", die Flüchtlinge als Sicherheitsbedrohung behandeln und nur den Krieg und das Chaos in der Region anheizen. Wir drücken unsere Solidarität mit den Flüchtlingen aus. Wir heißen sie willkommen und erklären, dass wir uns weigern, "Grenzen zu bewachen", eine Maßnahme, die für (Zehn-)Tausende von Flüchtlingen Haft und Tod bedeutet.

In vielen Ländern werden auch die Kriegs­dienst­ver­weigerInnen von der Armee, dem Staat oder sogar Teilen der Gesellschaft als "Bedrohung" angesehen. Heute ist es aber offensichtlicher als jemals zuvor, dass unsere Gesellschaften nicht von den Menschen bedroht werden, die sich weigern, an Kriegen teilzunehmen oder zur Armee zu gehen, sondern von den Armeen selbst und den Kriegen. Wir drücken unsere Solidarität mit den Kriegs­dienst­ver­weigerInnen aus, die von den verschiedenen Regierungen der Region verfolgt werden, insbesondere in Israel, der Türkei, Nordzypern und Griechenland. Wir fordern ein Ende ihrer Verfolgung und Inhaftierung.

Wir widerstehen der Wehrpflicht und üben unser in­ter­na­ti­onal anerkanntes Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung aus, trotz der Verfolgung, der wir in vielen Staaten unserer Region ausgesetzt sind. Wir zeigen unsere Solidarität mit denen, die vom Krieg betroffen sind. Wir werden über die Grenzen hinweg kooperieren und zusammenarbeiten, um:

  • all diejenigen zu unterstützen, die sich gegen Kriege wenden, durch ihre Weigerung, den Militärdienst abzuleisten oder am Krieg teilzunehmen, unabhängig davon, ob sie dies aus politischen, philosophischen, religiösen oder anderen Beweggründen tun;
  • die Verfolgung von Kriegs­dienst­ver­weigerInnen zu beenden;
  • die Wehrpflicht abzuschaffen.

Mit unserer Kampagne gegen Wehrpflicht streben wir nicht das Ersetzen von Wehrpflichtarmeen durch professionelle Armeen an, da keine der beiden Varianten eine Lösung für die Probleme in unserer Region darstellen.

Schließlich stimmen wir trotz unterschiedlicher Hintergründe, Ideologien und Ansichten über einen Befreiungskampf darin überein, dass unser letztendliches Ziel Frieden und Gerechtigkeit für alle sein muss. Wir alle teilen einen gemeinsamen Traum für eine Welt, in der alle Menschen an gleichen Rechten teilhaben können, und rufen Sie auf, sich diesem anzuschließen und die Teilnahme an weiterer Zerstörung zu verweigern.

Unterzeichnet von:

Bewegung Nein zum Kriegsdienstzwang (NoMilService), Ägypten

Liga der Kriegs­dienst­ver­weigerer (LOC), Italien

Mesarvot, Israel

Verein der griechischen Kriegs­dienst­ver­weigerer

40 Mütter, Israel

Initiative Kriegs­dienst­ver­weigerung in Zypern

Verein für Kriegs­dienst­ver­weigerung (Vicdani Ret Derneği), Türkei

Statement of conscientious objectors’ groups from eastern Mediterranean region, 8. März 2016. Übersetzung: rf. Quelle: www.wri-irg.org/statement-of-Eastern-Med-COs. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Magazin »KDV im Krieg«, Ausgabe April 2016

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