Aus der Arbeit von Connection e.V.

Mai und Juni 2008

von Rudi Friedrich und Franz Nadler

Urgent Action für Mehmet Bal

Nachdem der türkische Kriegs­dienst­ver­weigerer Mehmet Bal festgenommen und im Militärgefängnis schwer misshandelt wurde, starteten wir via Internet eine Urgent Action. Innerhalb weniger Tage konnten wir Hunderte von Protestfaxen an den türkischen Verteidigungsminister und den Men­schen­rechtsausschuss des türkischen Parlamentes schicken. Organisationen in Spanien, Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern riefen zeitgleich zu Protestaktionen auf. Wir hoffen, dass all dies Wirkung zeigt. Im Moment ist allerdings Mehmet Bal noch akut gefährdet.

Fortsetzung der Lesereihe "Ich bin ein Deserteur?

Da wir ausgesprochen gute Erfahrungen mit der Lesereise "Ich bin ein Deserteur" von März bis Mai gemacht hatten, wollen wir auch für den Zeitraum vom 20. Oktober bis 7. November 2008 Lesungen anbieten. In diese Zeit fällt die Wahl des neuen Präsidenten in den USA, unseres Erachtens ein guter Anlass, durch das Buch des US-Deserteurs Joshua Key die Folgen des Kriegseinsatzes im Irak anschaulich zu machen und sich für die Sache der Deserteure einzusetzen. Einige Stimmen dazu:

"Der Filmvorstellung ging eine Lesung von Rudi Friedrich von Connection e.V. voraus, einer Organisation, die sich für das Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung einsetzt. Aufgearbeitet mit Bildern und Zahlen zum Irakkrieg las er aus Joshua Keys Buch "Ich bin ein Deserteur?. Eine gerade heraus erzählte, schonungslose Geschichte eines US-Soldaten, der aus dem Irak desertierte und in Kanada Asyl suchte." (Münstersche Zeitung, 19.4.2008)

"14 Monate lang war der Obergefreite Joshua Key mit seiner fünfköpfigen Familie auf der Flucht durch die USA. Bei der Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen las Rudi Friedrich Passagen aus dem Buch des Irakkriegsdeserteurs. In seinem Buch beschreibt Key, der aus ärmlichen Verhältnissen kommend, in der Armee einen Ausweg aus seiner materiellen Misere sah, wie er bei der Rekrutierung über einen möglichen Kriegseinsatz getäuscht wurde und wie er den Irak erlebt hat. Friedrich las von der Unmenschlichkeit eines vermutlich völkerrechtswidrigen Kriegs, über den Key resümiert: ’Die das Pech haben, uns in die Hände zu fallen, sind die ersten Opfer. Die zweiten Opfer sind wir selbst.’" (Süddeutsche Zeitung, 17.4.2008)

"Rudi Friedrich las Passagen aus dem Buch vor. Bilder entstanden, die durch Videoeinspielungen noch konkreter wurden: Nachts mussten die US-Soldaten raus, Terroristenjagd. Die nackte Angst, den Einsatz nicht zu überleben, wurde betäubt mit Hardrock-Musik und Tabasco. Die Tür eines Hauses wird gesprengt, es wird geschrieen und gebrüllt, immer das Maschinengewehr im Anschlag. Im Haus befinden sich nur Kinder, Frauen und zwei jugendliche Männer. Die werden abtransportiert zum Verhör. Das Inventar wird zerstört. Ein Mädchen aus dem Haus spricht englisch: ’Warum tun Sie das’ Joshua Key hat darauf keine Antwort." (Westfälische Nachrichten, 12.3.2008)

Abschiebung nach Eritrea

Im Mai konnten wir leider die Abschiebung von zwei Deserteuren nicht mehr verhindern. Ihre Asylanträge waren im Flughafenverfahren in Frankfurt/M. als "offensichtlich unbegründet" abgelehnt worden. Wie von uns befürchtet, wurden beide in Eritrea umgehend verhaftet. Seitdem verliert sich die Spur. Wir müssen annehmen, dass sie schwer gefoltert wurden, ein übliches Verfahren gegen Deserteure in Eritrea. Wir sind tief betroffen über die Abschiebung und versuchen weitere Informationen über die beiden zu erhalten. Gemeinsam mit anderen Organisationen und Rechtsanwälten haben wir zudem Maßnahmen getroffen, dass wir in ähnlichen Fällen schneller aktiv werden können.

So fanden wir kurz nach deren Abschiebung heraus, dass ein weiterer eritreischer Deserteur ebenfalls vor der Abschiebung steht. Gemeinsam mit Pro Asyl und dem Hessischen Flüchtlingsrat versuchen wir seitdem, die ablehnende Ent­schei­dung des Bundesamtes für Migration zu revidieren.

Sommerpause

Auch wir brauchen mal eine Pause. Diese haben wir vom 23. Juni bis 13 Juli 2008. Am 14. Juli 2008 sind wir wieder wie gewöhnlich erreichbar, Montag, Dienstag und Donnerstag zwischen 9.30 und 17 Uhr, und Freitag zwischen 9.30 und 15 Uhr.

Der Beitrag erschien in: Connection e.V. und AG "KDV im Krieg" (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Juli 2008.

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