Kriegsdienstverweigerin Tamar Alon zeigt nach 130 Tagen Haft ihre Entlassungspapiere aus der Armee

Kriegsdienstverweigerin Tamar Alon zeigt nach 130 Tagen Haft ihre Entlassungspapiere aus der Armee

Israel: Nach 130 Tagen Haft kommt Kriegsdienstverweigerin frei

Tamar Alon aus dem Militär entlassen

von Yael Marom

(06.04.2017) Nach 130 Tagen Haft im Militärgefängnis hat die israelische Armee vergangenen Mittwoch die Kriegs­dienst­ver­weigerin Tamar Alon von der Ableistung der Wehrpflicht befreit. Alon war sechs Mal in Haft, weil sie sich der Rekrutierung zum Militärdienst verweigerte, der ihrer Auffassung zur Unterdrückung des palästinensischen Volkes beiträgt. Sie hatte zugleich erklärt, dass sie bereit wäre, einen zivilen Dienst abzuleisten, was die Armee ablehnte.

„Der Preis, den ich gezahlt habe, ist klein im Vergleich zu dem Preis, den Millionen von PalästinenserInnen seit 50 Jahren zahlen, deren grundlegende Rechte täglich verletzt werden und denen im Gegensatz zu mir immer noch keine Freiheit zurückgegeben wurde“, sagte Tamar Alon nach ihrer Freilassung aus der Haft und Entlassung aus dem Militärdienst.

„Ich werde mich weiter für eine gerechte Gesellschaft einsetzen und für das Ende der Besatzung“, führte sie weiter aus. „Ich wünsche meinen Freundinnen und Schwestern, die immer noch im Gefängnis sind, unter ihnen Atalya Ben Abba, ein glückliches Passahfest und dass sie bald aus dem Gefängnis entlassen werden.“

Die Knesset-Abgeordnete Zehava Galon hatte sich für die Freilassung von Tamar Alon eingesetzt. Sie hatte letzte Woche die Kriegs­dienst­ver­weigerin im Gefängnis besucht und die Gefängnisleitung darum gebeten, schon bald eine Sitzung eines Komitees anzuberaumen, das darüber entscheidet, ob Wehrpflichtige mit dem Armeedienst „kompatibel“ sind.

Tamar Alons Anhörung fand am Sonntag statt. Obwohl das Komitee dafür stimmte, sie nicht aus dem Militärdienst zu entlassen, ordnete ein höherrangiger Offizier dies im Anschluss aufgrund „Unverträglichkeit und schlechter Führung“ an, dem üblichen Vorgehen des Militärs nach einer langen Haftstrafe. Vor einem Jahr war die Kriegs­dienst­ver­weigerin Tair Kaminer aus dem gleichen Grund nach 155 Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden.

Letzten Monat, das erste Mal seit 13 Jahren, erkannte die israelische Armee eine Kriegs­dienst­ver­weigerung an, die mit der Ablehnung des Dienstes für die Besatzung begründet worden ist. Mit der Ent­schei­dung wurde Tamar Ze’evi nach 118 Tagen Haft aus dem Gefängnis entlassen. Das Komitee lehnte es aber am gleichen Tag ab, auch Tamar Alon als Kriegs­dienst­ver­weigerin anzuerkennen, mit der Begründung, dass ihre Verweigerung nicht nur auf persönlichen Gründen beruhe, sondern vielmehr ein Akt des Zivilen Ungehorsams sei.

Bei Atalya Ben Abba, die bislang 50 Tage im Gefängnis war, wird davon ausgegangen, dass sie in den nächsten Tagen erneut ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt und dann zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt wird.

Einige Kriegs­dienst­ver­weigerInnen saßen in den letzten Jahren im Militärgefängnis, weil sie sich dem Dienst für die Besatzung verweigert hatten. Letzten Herbst veröffentlichte eine Gruppe von israelischen Reservisten mit äthiopischer Herkunft einen Brief, mit dem sie ihre Verweigerung erklärten, so lange es Polizeigewalt und eine institutionelle Diskriminierung der äthiopischen Israelis gibt. Weitere Verweigerer haben sich dem Militärdienst auf andere Art und Weise und ohne öffentliche Erklärungen und Haft entzogen.

Yael Marom: After 130 days in prison, IDF frees conscientious objector Tamar Alon. 6. April 2017. https://972mag.com/after-130-days-in-prison-idf-frees-conscientious-objector-tamar-alon/126427/. Übersetzung: rf.

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