Neues Profil - Zum Militärdienst in Israel

von New Profile

New Profile nutzte für die Arbeit zur Kriegsdienstverweigerung das Internet auf eine andere Art. Die Organisation stellte drei Wochen lang verschiedene Banner als Werbeanzeigen auf andere Portale. 30.000 klickten daraufhin auf die Werbung und landeten auf einer Seite mit den nachfolgenden Informationen zur Verweigerung. Hier wurde auch die Möglichkeit angeboten, über dies Thema in einem Internetforum zu diskutieren.

Das Gesetz in Israel verpflichtet Jugendliche im Alter von 18 Jahren Militärdienst zu leisten. Gleichzeitig ermöglicht das Gesetz aber auch eine Freistellung vom Militärdienst. Immer mehr erhalten diese Freistellung. In der Tat befreit der Staat ganze Bevölkerungsgruppen von der Ableistung des Militärdienstes.

Nach offiziellen Angaben des Militärs leistet die Hälfte eines jeden Jahrgangs überhaupt keinen Militärdienst ab oder beendet ihn nicht regulär. Ganze Bevölkerungsgruppen werden wegen ihrer nationalen Zugehörigkeit oder aus religiösen Gründen freigestellt, andere aus Gewissensgründen, aufgrund einer wirtschaftlichen Notlage, die die Jugendlichen verpflichtet beim Lebensunterhalt der Familie mitzuhelfen oder sie werden ausgemustert.

Das bedeutet:

  • 25% der jüdischen Männer und der Drusen werden nicht eingezogen;

  • 42% der jüdischen Frauen werden nicht eingezogen;

  • 17,5% der jüdischen Männer und 4% der jüdischen Frauen werden noch während ihres Militärdienstes aus dem Dienst entlassen.

  • 99% der arabischen Männer und Frauen werden nicht eingezogen;

  • Zusammen sind das 56% der israelischen Staatsbürger in jedem Jahrgang.

Es gehen viele irreführende Gerüchte um über die Strafen, die diejenigen zu erwarten haben, die keinen Militärdienst leisten. Nach dem Gesetz ist eine Diskriminierung bei der Beschäftigung derjenigen untersagt, die keinen Militärdienst geleistet haben. Sie können arbeiten, lernen und leben wie jeder freie Bürger. Sie sind berechtigt einen Führerschein zu bekommen, eine Hypothek aufzunehmen, ein Auslandsvisa zu erhalten, an der Universität oder in einem College zu studieren, als Ärzte zu arbeiten, in Regierungsämtern, öffentlichen und privaten Institutionen angestellt zu werden.

Der Spottname "Drückeberger" den die Armee und andere Institutionen als Stigma anhängen wollen, ist unserer Ansicht nach ein Stigma für die Gesellschaft, die ihren eigenen Pluralismus nicht anerkennen und schätzen kann.

Wenn die Rekrutierungsquote in der Vergangenheit zurückgegangen war, gab es auch Fälle, in denen Jugendliche beleidigt und verspottet wurden. Aber noch nie wurde eine solche Hetzkampagne gegen diejenigen geführt, die keinen Wehrdienst leisten, wie nach dem Zweiten Libanonkrieg. Wir weisen darauf hin, dass dieser von den Medien unterstützte Angriff und die Bezeichnung "Drückeberger" gegen jene gerichtet ist, die die Freistellung von den Militärbehörden selbst erhalten haben. Es scheint, dass die Ursache dafür eher im Überlebenswunsch der Politiker und der Armeeoffiziere zu finden ist, die die Tatsache nicht anerkennen wollen, dass der letzte Krieg das Ergebnis einer gescheiterten Politik war, die die wahren Bedürfnissen der Bevölkerung ignoriert hat.

Unserer Meinung nach rührt der Rückgang der Rekrutenzahl unter anderem daher, dass der Staat sich aus seiner Verantwortung gegenüber seinen Bürgern zurückgezogen hat, bei deren Sicherheit und Wohlfahrt sowie auf dem Gebiet der Erziehung, Gesundheit und Beschäftigung.

Die Bedeutung, die dem Militärdienst gegeben wird - als wäre er die Grundlage für die Gleichheit unter Bürgern - könnte aber auch zur Vergrößerung der Ungleichheit zwischen Frauen und Männern, zwischen Arabern und Juden und zwischen anderen Gruppen der Gesellschaft führen. Wir fürchten, dass er den militärischen Charakter der Gesellschaft verstärkt und auf diese Weise die Aussichten auf eine von uns angestrebte Gesellschaft vereitelt, die in Frieden, Wohlfahrt und Sicherheit lebt.

Wir meinen, es sei nur natürlich, dass Jugendliche im Pubertätsalter reiflich darüber nachdenken, was ihre Bedürfnisse und ihre Ziele sind. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Jugendliche Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen. Ins Militär zu gehen ist ein schwerwiegender Schritt. Man kann nicht annehmen, dass er automatisch und ohne Vorüberlegungen unternommen wird. Es wäre daher wünschenswert, dass es eine aufrichtige und grundlegende öffentliche Debatte über die gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Folgen des militärischen Pflichtdienstes für die jungen Menschen gibt.

http://74.54.39.17/new-profile/index.html, August 2008. Übersetzung: New Profile. Der Beitrag erschien im Rundbrief »KDV im Krieg«, September 2008.

Stichworte:    ⇒ Israel   ⇒ Kriegsdienstverweigerung   ⇒ Militärdienstentziehung   ⇒ Rekrutierung