André Shepherd

André Shepherd

Brief an UnterstützerInnen

"Es geht nicht um mich alleine"

von André Shepherd

Liebe Freunde und Unterstützer,

ich möchte Euch meinen herzlichsten Dank für all das sagen, was Ihr bislang getan habt. Es berührt mich tief, so viel Herzlichkeit und Unterstützung zu erleben. Die zahlreichen Aktionen von vielen Menschen rund um den Globus geben mir die Kraft, auf dem schwierigen Weg fortzuschreiten. Meine Anerkennung gilt Euch allen.

Zur Zeit warten wir auf eine Ent­schei­dung des Bundesamtes für Migration in meinem Asylverfahren. Das kann noch einige Monate dauern, da sie die von uns vorgelegten Argumente zu den rechtlichen Aspekten dieser Auseinandersetzung sorgfältig prüfen müssen. Ich sehe, genau wie mein Anwalt, das Recht auf meiner Seite, da die Gründe der US-Regierung für den Krieg in jeder Beziehung für unhaltbar befunden worden sind. Falls mein Asylbegehren abgelehnt wird, werde ich Klage erheben und vor Gericht ziehen.

Jeder sollte wissen, dass es in dieser Auseinandersetzung nicht um die Freiheit eines einzelnen Soldaten geht, sondern vielmehr darum, ob die USA in­ter­na­ti­onales Recht und letztlich die eigenen Gesetze zum Verbot von Angriffskriegen verletzen oder nicht. Die Antwort liegt auf der Hand. Es dürfte deshalb nur eine Frage der Zeit sein, wann wir eine Ent­schei­dung in diesem Sinne erhalten. Dennoch müssen wir bei unserem Vorhaben wachsam bleiben, um erfolgreich zu sein.

In den letzten sechs Monaten haben wir nicht nur für meine Freiheit gekämpft, sondern auch dafür, die Grundlagen für das Ende dieser Angriffskriege zu schaffen. Es ist mir wichtig, deutlich zu machen: Auch wenn der Irakkrieg im Zentrum unserer Argumentation steht, müssen wir ebenso den Krieg in Afghanistan in den Blick nehmen. Seit Washington beschlossen hat, den Krieg in Afghanistan zu eskalieren, sind viele Artikel dazu veröffentlicht worden, die wiederum zeigen, dass uns nicht das gesagt wird, was wir über den Hintergrund des Konfliktes wissen sollten. Es macht mich traurig, zu sehen, dass wir erneut hinters Licht geführt worden sind. Wir sollen glauben, dass unsere Regierung in bester Absicht handelt. Ich habe viel darüber gelesen, die Berichte von Soldaten gehört und auch mit einem Mitglied des afghanischen Parlaments, Malalai Joya, gesprochen. Ich komme deshalb zu dem Schluss, dass auch der Krieg in Afghanistan nur für den Profit der Herrschenden geführt wird. Wir müssen laut und deutlich aussprechen, wie zerstörerisch dieser Krieg ist und welche Verbrechen gegen die Menschheit in ihm begangen werden.

Die Kampagne für mich läuft relativ gut. Wir haben etwa 3.000 Un­ter­schrif­ten gesammelt. Wir haben auch schon einen gewissen Betrag gesammelt, um die Verfahrenskosten für diesen historischen Kampf bestreiten zu können, brauchen aber weiter Eure Hilfe. Wir haben Briefe aus der ganzen Welt erhalten, von unterschiedlichsten Menschen, die sich für mich einsetzen und mir Unterstützung zusagen. Wir sind durch verschiedene Gegenden Deutschlands gereist, um Veranstaltungen und Konferenzen durchzuführen und nicht nur meinen Fall bekannt zu machen, sondern auch anderen Soldaten aus der ganzen Welt, die ihren imperialistischen Regierungen die Gefolgschaft aufgekündigt haben, ein Forum zu bieten.

Die Medienresonanz war überwältigend. Meine Geschichte wurde in zahlreichen größeren Medien gebracht, dem Spiegel, der Frankfurter Rundschau, im US-Fernsehsender Democracy Now!, bei Courage to Resist und Hunderten anderen. Auch wenn es uns gelungen ist, die Geschichte groß rauszubringen: Unsere Arbeit ist noch längst nicht getan. Wir werden unsere Arbeit weiter vorantreiben, um mehr Aufmerksamkeit dafür bei den Ent­schei­dungsträgern zu bekommen. Ich möchte jeden von Euch bitten, dabei zu helfen, dies an so viele Leute wie möglich weiterzugeben.

Ich möchte Euch auch bitten, auf beiden Seiten des Atlantiks, an Eure Abgeordneten zu schreiben, um auf meinen Fall aufmerksam zu machen, mit der Bitte, eine Rückmeldung zu geben. Ich glaube daran, dass wir dank öffentlicher Unterstützung und den Prinzipien des Rechtsstaats am Ende gewinnen werden.

Zum Schluss möchte ich Euch allen für die wunderbare Unterstützung danken, die ich erhalten habe. Unsere Zukunft sieht trotz der auf dem Weg liegenden Schwierigkeiten sehr gut aus. In naher Zukunft werde ich auch eine persönliche Website eröffnen, so dass es dann einfacher für Euch wird, meinen Fall zu verfolgen und Unterstützung zu leisten, wo auch immer Ihr lebt.

Gott segne euch alle. Bis demnächst

Euer André Shepherd

 

Es ist nicht die Aufgabe unserer Regierung, die Bürger vor Fehlern zu bewahren; es ist die Aufgabe der Bürger, ihre Regierung vor Fehlern zu bewahren.

Robert H. Jackson, U.S. Supreme Court Justice

Brief von André Shepherd an UnterstützerInnen. 19. Mai 2009. Übersetzung: Rudi Friedrich und Heike Makowski

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