Europa 

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Kriegsdienstverweigerung in der Türkei

Kurzbeschreibung und Inhalt der Broschüre

(15.05.2021) In der Türkei hatten Anfang der 1990er Jahre die ersten öffentlich ihre Kriegsdienstverweigerung erklärt und sind gegen Krieg, Militär und Zwangsdienst aufgestanden. Weit über 1.000 haben sich ihnen inzwischen angeschlossen und öffentlich ihre Kriegsdienstverweigerung erklärt. Darüber hinaus haben sich Hunderttausende auf andere Art und Weise der Wehrpflicht entzogen oder sind untergetaucht. Einige Hundert haben aufgrund der drohenden Verfolgung im Ausland Asyl gesucht. Die Türkei ist inzwischen das einzige Mitgliedsland des Europarates, das das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht anerkennt.

Diese Broschüre erscheint zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung 2021 in viersprachiger Ausgabe 30 Jahre nach den ersten öffentlichen Verweigerungserklärungen. Sie zieht Resümee, beschreibt die Solidaritätsarbeit für die Kriegsdienstverweigerungsbewegung aus dem Ausland und sie lässt Verweigerer zu Wort kommen, die zum Teil über Jahre hinweg in der Türkei aktiv waren und nun ins Exil gegangen sind.

Download: https://www.Connection-eV.org/pdfs/kriegsdienstverweigerung-tuerkei-2021.pdf

Verweigerungsaktion 2014. Militarismus tötet. Foto: Vicdani Ret Derneği

Geschichte der Kriegsdienstverweigerung in der Türkei

(15.05.2021) Der Kampf für die Kriegsdienstverweigerung begann mit den Erklärungen von Tayfun Gönül am 6. Dezember 1989 und von Vedat Zencir am 6. Februar 1990, die beide in der Zeitschrift Sokak (Straße) veröffentlicht wurden.1 Angesichts der in den Jahren 1989 und 1990 bestehenden Gewalt, dem Konflikt und Krieg, verbunden mit Massakern, nicht identifzierten Tätern, einer staatlichen Politik alltäglicher Folter und einer Rhetorik, die vom „Heimatland Nation“ sprach, war es sehr bedeutsam, dass zwei türkische Personen an die Öffentlichkeit gingen und sagten: „Ich gehe nicht zum Militär“. Damit stellten sie sich gegen all diese Politik der Gewalt und des Krieges.

Grundgesetzartikel am Berliner Bundestag

Wie es ist in Europa als Kriegsdienstverweigerer aus der Türkei?

(15.05.2021) Ich heiße Beran Mehmet İşçi. Ich komme aus der Türkei und bin kurdischer Herkunft (Zaza1). Ich bin Kriegsdienstverweigerer, Autor und Poet. Im November 2018 erklärte ich in der Türkei meine Kriegsdienstverweigerung. Aufgrund der dortigen Situation musste ich mich eine Weile verstecken. Es war aber immer die Frage, wie ich mein Leben weiter fortsetzen könnte. Da ich keine andere Möglichkeit mehr sah, beschloss ich schließlich, nach Europa zu gehen, um Asyl zu beantragen. Im Februar 2019 erreichte ich Deutschland und beantragte Asyl.

Mertcan Güler

Türkei: Mit den Gezi-Protesten fing es an

(15.05.2021) Ich bin Mertcan Güler. Auch wenn ich als Kind nichts davon wusste, hatte ich schon als Kind die Idee, nicht zum Militär gehen zu wollen. Ich erinnere mich daran, dass ich im Alter von sechs Jahren meiner Oma erklärte, dass ich keinen Militärdienst machen werde. Er machte mir schon damals Angst. Meine Oma antwortete: „Bis deine Zeit gekommen ist, wird es sowieso keine Wehrpflicht mehr geben.“ Es ist mehr als 20 Jahre her und es gibt in der Türkei leider immer noch die Wehrpflicht.