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Israel: "Wir leben in einem militaristischen Land"
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Israel: "Wir leben in einem militaristischen Land"

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Die Broschüre ist vergriffen.


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Israel: "Wir leben in einem militaristischen Land"

Interview mit Ruti Kantor

Ruti Kantor ist seit sechs Jahren bei New Profile aktiv. Sie beschäftigt sich mit den militaristischen Inhalten und Positionen in israelischen Medien und Schulen. In einem Interview Mitte September 2006 berichtet sie darüber, wie auch über die Rolle der Armee in der israelischen Bevölkerung. (d. Red.)

Wie zeigt sich die Militarisierung in Israel?

Sie zeigt sich in vielen Bereichen, in Kinderbüchern, offiziellen Veröffentlichungen, bei Anzeigen, bei mathematischen Fragen in Schulbüchern, im Erziehungswesen, im Urlaub, im Theater oder auch einfach dadurch, dass in der Nachbarschaft ein Denkmal mit einem Kampfflugzeug steht. Die häufige Wiederholung beeinflusst das Denken der Bevölkerung.

Welche Rolle spielt die Armee in der Bevölkerung?

Die Armee ist eine Heilige Kuh. Sie gilt als unberührbar, unangreifbar und nicht kritisierbar. Sie hat einen sehr hohen Stellenwert und Verweigerer werden in der Öffentlichkeit abgelehnt.

Letztens gab es einen großen Gesangswettbewerb im Fernsehen, wo neue Talente gesucht wurden. Viele sahen die Sendung. Am Ende gewann ein junger Mann, von dem später bekannt wurde, dass er früher ein Lied geschrieben hatte, in dem er das Land kritisiert. Und er war auch nicht zur Armee gegangen. Es war kaum zu glauben, welche Reaktionen darauf folgten. Überall wurde davon gesprochen, in den Nachrichten, in den Zeitungen und im Internet und gefragt: "Wie kann jemand gewählt werden, der das Land kritisierte und nicht zur Armee ging? Das ist eine Schande."

Auf der anderen Seite ist er kein Einzelfall. Viele gehen nicht zur Armee oder beenden ihren Dienst nicht regulär. Wir nennen das die "graue Verweigerung". Etwa die Hälfte der RekrutInnen geht diesen Weg und lässt sich z.B. ausmustern.

Warum hat die Armee ein solch hohes Ansehen?

Hintergrund dafür ist die Erfahrung des Holocausts und die Ideologie des Zionismus. Beides ist tief in der Psyche der Bevölkerung verankert und führt dazu, dass sie sehr große Angst vor dem Feind hat und glaubt, dass es keine andere Wahl gibt. Sie sagen: "Wir brauchen die Armee, um uns zu verteidigen. Das ist die einzige Art und Weise, wie wir überleben können, da uns die anderen nicht hier haben wollen."

Wie arbeitet New Profile angesichts des weitverbreiteten Militarismus in Israel?

New Profile ist keine Organisation, die in erster Linie auf kurzfristige Aktionen setzt. Wir wollen der Bevölkerung die Augen öffnen, dass wir in einem sehr militaristischen Land leben. Unser Ziel ist es, Israel zu entmilitarisieren. Unsere Arbeit ist langfristiger, sie braucht Zeit und muss doch jeden Tag geleistet werden.


Interview mit Ruti Kantor, 1. November 2006. Der Beitrag erschien in: Connection e.V. (Hrsg.): Broschüre "Israel: Stimmen für Frieden und Verständigung - Kriegsdienstverweigerung und Antikriegsarbeit", November 2006.Wir danken für die finanzielle Förderung durch den Katholischen Fonds, den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), dem Bildungswerk Hessen der DFG-VK, dem Fonds der EKHN "Dekade zur Überwindung der Gewalt" und Brot für die WeltDie Broschüre ist vergriffen.



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