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Mehr als 1.000 verließen die irakischen Streitkräfte bei den Kämpfen in Basra
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Mehr als 1.000 verließen die irakischen Streitkräfte bei den Kämpfen in Basra

von Stephen Farrell und James Glanz

Bagdad - Mehr als 1.000 irakische Soldaten und Polizisten weigerten sich letzte Woche zu kämpfen oder sie verließen einfach ihre Posten während des erfolglosen Angriffs gegen schiitische Milizen in Basra. Das berichtete am Donnerstag ein ranghöherer Vertreter der irakischen Regierung. Vertreter des irakischen Militärs ergänzten, dass unter ihnen Dutzende von Offizieren gewesen seinen und zumindest zwei Kommandeure des Einsatzes.

Die Desertionen mitten im großen Gefecht nähren die Zweifel, ob die von den USA ausgebildeten irakischen Streitkräfte wirklich effektiv sind. Das Weiße Haus hat einen weiteren Abzug der amerikanischen Truppen von der Kriegsbereitschaft der Polizei und des Militärs des Iraks abhängig gemacht.

Die durch die Desertionen entstandenen Probleme bei der Operation in Basra waren so ernsthaft, dass Premierminister Nuri Kamal al-Maliki hastig damit begann, etwa 10.000 Rekruten aus den örtlichen schiitischen Stämmen in die bewaffneten Streitkräfte zu schleusen. Das hat sofort Ärger unter den Männern der sunnitischen Stämme ausgelöst, bei denen Maliki viel weniger beherzt rekrutiert, trotz ihrer Kooperation mit der Regierung beim Kampf gegen sunnitische Aufständische und kriminelle Banden.

Ein Vertreter des britischen Militärs sagte, dass Maliki 6.600 Mann nach Basra gebracht habe, um die Zahl der dort bereits stationierten 30.000 Sicherheitskräfte zu verstärken. Ein höherrangiger US-Militär erläuterte, soweit er es verstanden habe, seien 1.000 bis 1.500 irakische Soldaten desertiert und hätten sich der Ausführung des Dienstes entzogen. Das wären etwas mehr als 4%.

Nach einer neuen Schätzung des nationalen Geheimdienstes über die Sicherheitslage gäbe es bedeutende Entwicklungen. Es wird aber nach Aussage verschiedener Vertreter der US-Regierung gefolgert, dass die Sicherheitslage unsicher bleibt.

Die Schätzungen von Vertretern des irakischen Militärs, wie hoch die Zahl er Offiziere sei, die sich während der Basra-Operation zu kämpfen weigerten, schwankten von einigen Dutzend bis zu mehr als Hundert. Aber drei Vertreter erklärten, dass unter diesen Oberst Rahim Jabbar und Oberstleutnant Shakir Khalaf gewesen seien. Sie waren Kommandeur und stellvertretender Kommandeur einer ganzen Brigade, die dem Innenministerium untersteht.

Ein höherangiger Militär behauptete, dass Angehörige der Einheit von Oberst Khalaf trotzdem gekämpft hätten. Danach befragt, warum er glaube, dass Oberst Khalaf selbst nicht gekämpft habe, erklärte er, dass dieser nicht daran glaube, dass ihn die irakischen Sicherheitskräfte gegen die Lebensgefahr schützen könnten, da er wegen seiner Beteiligung bei diesem Angriff bedroht worden sei. „Wenn er heute kämpft, könnte er später ermordet werden.“

Ein höherrangiger US-Militär sagte, die Zahl der Offiziere war „kleiner als vielleicht zwei Dutzend“. Die Zahl könne aber ansteigen, wenn die Berichte von höherrangigen Offizieren vorlägen.

Aber die meisten Deserteure waren keine Offiziere. Vertreter des US-Militärs erklärten: „Soweit wir sehen, stammte der größte Teil von ihnen aus ziemlich frischen Truppenverbänden, die gerade aus der Grundausbildung kamen und wahrscheinlich zu früh ins Gefecht geschickt wurden. Offensichtlich gab es auch andere, die sich entschieden, nicht für ihren Mann zu kämpfen.“ Er ergänzte, dass die Koalition dies nicht als ein „größeres Problem“ ansehe, insbesondere dann, wenn die irakische Regierung entschlossen mit ihnen umgehe.

Maliki, der die Basra-Operation persönlich geleitet hatte, die sowohl amerikanische wie auch irakische Offizielle als schlecht geplant und ausgeführt kritisiert hatten, gab die Desertionen zu, ohne am Donnerstag eine genaue Zahl zu nennen. „Jeder, der nicht auf der Seite der Sicherheitskräfte steht, wird vor einem Militärgericht landen“, sagte er in einem Gespräch mit der Presse in der Grünen Zone. „Zur Armee oder zur Polizei zu gehen, ist nicht einfach nur ein Picknick. Sie haben beim Koran geschworen, dass sie weder ihre Religionsgruppe noch ihre Partei unterstützen, aber sie haben gelogen.“


Stephen Farrell und James Glanz: More Than 1,000 in Iraq’s Forces Quit Basra Fight. The New York Times, 4. April 2008. Auszüge. Übersetzung: Rudi Friedrich. Der Beitrag erschien im Rundbrief »KDV im Krieg«, November 2008.



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