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„Meine Waffen waren Stift und Papier, meine Kamera und das, was ich schrieb“
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„Meine Waffen waren Stift und Papier, meine Kamera und das, was ich schrieb“

Redebeitrag auf dem Winter Soldier Hearing in Freiburg (Zack Baddorf)

von Zack Baddorf

Zack Baddorf ging am 13. September 2001 zur US-Marine und arbeitete dort fünf Jahre lang als Journalist, unter anderem im Irak und Kuwait. Baddorf ist derzeit Vorsitzender der Freien Sprecher der Radionews und Mitglied des Kanadischen Journalistenvereins. Er ist auch Gründungsmitglied des Kanadisch-Afghanischen Solidaritätskomitees. Zudem ist er Freiwilliger des US-Friedenskorps. Er unterrichtet derzeit Englisch an einer Industrieschule in Barlad, Rumänien. (d. Red.)

Hallo. Ich heiße Zack Baddorf. Ich werde heute über verschiedene Themen sprechen: die Öffentlichkeitsarbeit des US-Militärs, die Rolle der eingebetteten Medien und der US-Marine im Persischen Golf, wie auch über meine eigene Rolle während meines fünfjährigen Militärdienstes.

Ich will zuerst ein bisschen über mich selbst erzählen. Ich wuchs in Newark, Delaware, auf, einer Vorstadt mit vielen Schulen. Ich ging aus all den üblichen Gründen zum Militär: um Geld für die Ausbildung zu bekommen, dem Land zu dienen, die Welt zu sehen usw.

Mein Großvater war im Zweiten Weltkrieg in der Marine. Mein Vater war während des Vietnamkrieges zum Militärdienst einberufen worden. Ich kam in den Persischen Golf und in den Irak. Ich gehe davon aus, dass 30 Jahre später auch meine Generation ihre Kinder in den Tod schicken wird.

Ich verpflichtete mich am 13. September 2001 zum Militärdienst. Am Morgen des 11. September wusste ich, dass wir irgendwo in den Krieg ziehen werden. Ich wusste, es würde eine schwierige Zeit werden, aber ich wollte meinen Teil für das Land tun, wie auch immer die US-Außenpolitik aussähe. Die nächsten fünf Jahre meines Lebens wachte ich jeden Morgen als Mitglied eines Militärs auf, verpflichtet, im Krieg gegen den Terror zu kämpfen. Ich stellte fest, dass unsere Außenpolitik in die Irre führte und sie ist auch heute noch falsch.

Meine Grundausbildung unterschied sich nach dem 11. September wahrscheinlich kaum von anderen. Aber wir bekamen kurze Zusammenfassungen von Pressemitteilungen der Marine zu lesen, was in der Welt draußen passierte - das Imponiergehabe, die Drohungen und dann die Bombardierungen.

Zum Abschluss meiner Grundausbildung kam Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. In einer Rede verglich er den weltweiten Krieg gegen den Terror mit dem Zweiten Weltkrieg. Er sagte, dass wir einen „unwirklichen Feind“ zu bekämpfen haben und ich und meine Kameraden ein „Außenposten der Freiheit“ wären.1

Danach wurde ich nach Fort Meade in Maryland verlegt, dem Standort des Amtes für Nationale Sicherheit und der Schule für Öffentlichkeitsarbeit der Verteidigung. Ich musste sechs Monate darauf warten, dass die Lehrgänge begannen, um Journalist der Marine zu werden. Das war sozusagen meine Einführung in die Bürokratie des Militärs. Als endlich mein Name auf den Dienstplan für den Unterricht gesetzt worden war, verbrachte ich weitere sechs Monate damit, die notwendigen technischen Fertigkeiten zu erlernen, um effektiv Propaganda betreiben zu können.2

Auf der Website der Marine wird mein ehemaliger Job mit folgenden Worten beschrieben: „Die Marine will Deine Begabung erschließen, indem sie Dich um die Welt herum mitnimmt, damit Deine kreativen Säfte fließen können.“3 Ja, das ist wahr. Man kann in der Öffentlichkeitsabteilung des Militärs kreativ sein. Aber du kannst nicht kritisch sein, sondern nur positiv.

Ich lernte das schnell, nachdem ich meinen ersten Auftrag bei American Forces Network (AFN) Tokio in Japan erhalten hatte. Mein Job war es, über die Aktivitäten des US-Militärs in Asien für das Fernsehen und Radio zu berichten. Und ich machte genau das. Ich war gut darin und erhielt eine Handvoll von Preisen, die das belegen, sowohl militärische wie auch zivile.

Aber obwohl ich ehrenhaft aus der Armee entlassen wurde, stelle ich meine damalige Rolle in Frage.

Zunächst einmal möchte ich erläutern, was es mit dem Programm des AFN auf sich hat. AFN wird auf der ganzen Welt für Hunderttausende von US-SoldatInnen aller Art gesendet. Und an vielen Orten ist es der einzige Fernseh- und Radiosender, der von ihnen empfangen werden kann. Ein ehemaliger Soldat der Luftwaffe, der in Afghanistan stationiert war, erzählte mir zum Beispiel, dass die Soldaten in den Basen in der Regel nur AFN empfangen können. Das gleiche berichtete mir ein ehemaliger Marinesoldat aus dem Irak. Auf den Schiffen der Marine gibt es nichts außer AFN.

Ich will für diejenigen, die AFN nicht so gut kennen, mehr erzählen. Das Werbematerial von AFN besagt, dass der Sender die „Pflicht“ und das „Mandat“ des Kongresses habe, „unseren Hörern die gleiche Vielfalt und Auswahl zu bieten“, die man auch in den USA finden könne. AFN behauptet: „Wir zensieren keine Programme. Wir bemühen uns, unseren Hörern in Übersee eine Wahl zu bieten, damit sie selbst entscheiden können, was sie sehen und hören möchten. Unsere Hörer müssen keineswegs etwas hören oder sehen, mit dem sie nicht einverstanden sind.“4

Als ich meinen heutigen Beitrag vorbereitete, schaute ich auf den online veröffentlichten AFN-Sendeplan. Dort waren sieben Stunden Fox News vorgesehen, fünf Stunden CNN, drei Stunden des Senders MSNBC und ein paar Brocken anderer Nachrichtensendungen. Darunter gab es eine Stunde mit Bill O’Reilly, eine Stunde Lou Dobbs und zwei Stunden der The Today Show.5

Sie behaupten, es gäbe ein „Gleichgewicht“, aber meiner Meinung nach sind die US-SoldatInnen in ihren Möglichkeiten, andere Positionen zu erfahren, stark beschnitten.6 Lasst uns einen Blick auf die Veröffentlichungen all dieser „ausgeglichenen“ Medien werfen, wie sie über den Krieg im Irak berichten.

Das Institut Fairness and Accuracy in Reporting (Fairness und Genauigkeit der Berichterstattung) analysierte die Berichte eine Woche vor und nachdem Außenminister Colin Powel vor der UN gesprochen hatte, um für die Invasion in den Irak zu werben. Von den 393 Interviewten der vier größten Nachrichtensender (NBC, ABC, CBS und PBS) gab es gerade mal drei, die gegen den Krieg waren. Das ist weniger als ein Prozent. Und das kurz vor der Invasion.7

In den Vereinigten Staaten führten die Iraq Veterans Against the War (Irakveteranen gegen den Krieg) im März 2008 das erste Winter Soldier Hearing in Washington D.C. durch. Die großen Medien, darunter auch die New York Times, ignorierten eines der größten Treffen der Irakveteranen und ihre Berichte vollständig.8

The Times behauptet, sie hätten nichts von der Veranstaltung gewusst. Iraq Veterans Against the War hatte ihnen allerdings drei Pressemitteilungen geschickt und zumindest 150 Journalisten der Times erhielten Informationen zum Hearing durch andere unterstützende Organisationen. The Times hat Stellung dazu bezogen, warum sie nicht berichtet haben. Sie würden es bevorzugen, ihren eigenen „unabhängigen Bericht“ zu verfassen. In der gleichen Stellungnahme erwähnte der Herausgeber, dass einer von den drei Reportern, die für Berichte zum Pentagon verantwortlich sind, mit dem Verteidigungsminister unterwegs sei. Das ist ja nun nicht wirklich eine unabhängige Quelle.9

Keine der großen Fernsehstationen erwähnte das Hearing.10 AFN Europe nennt das „die modernsten unzensierten Nachrichten“.11

Sie können sich nur denken, welche Inhalte AFN präsentiert. Lassen Sie mich einige Beispiele nennen. Die Soldaten von AFN produzieren Programme mit so erhabenen Titeln wie Freedom Journal Iraq (Tagebuch der Freiheit des Iraks) und Freedom Watch Afghanistan (Sicht der Freiheit in Afghanistan).12

Arianna Huffington machte sich in einem Artikel darüber lustig und schrieb, dass es realistischer wäre, die Programme „Pimp my Humvee“, „Verzweifelte Soldatenfrauen“ und „Die Wahre Welt: Falludscha“ zu nennen.13

Inzwischen wird das AFN-Radio im Irak Freedom Radio (Freiheitsradio) genannt. Es richtet sich auf irakischen Wellen an irakische HörerInnen in den größeren Städten wie Bagdad, Kirkuk und Mosul.14 AFN sendet auch in Afghanistan, Deutschland, Italien, Spanien, Japan, Korea und auf den Marschall-Inseln sowie von vielen anderen größeren Militäreinrichtungen, die fremdes Land besetzen.15 Übrigens hat die USA etwa 700 Militärstützpunkte in etwa 60 Ländern.16

Bei der Vorbereitung meines Beitrages sah ich einen Teil des Berichtes über den Wiederaufbau im Irak und ich war nicht überrascht, was ich hörte. Als die Rede auf die neue von den USA finanzierte Bücherei kam, berichtete ein Soldat: „Irakische Offizielle sagen, dass die Bücherei heute mit Unterstützung der irakischen Bevölkerung eröffnet wurde. So wie sich der Irak weiterentwickelt, sind Projekte wie diese Bücherei der Beweis für die Stabilität und Sicherheit des Landes. Dieses Projekt wird dazu beitragen, dass sie zu ihrem normalen Leben zurückkehren können.“ Später sagte der Moderator in der Sendung: „Überall im Irak leisten die SoldatInnen ihren Beitrag und springen ein, um Irak zu einem besseren Ort zu machen“17.

Das ist die Rhetorik, die ich selbst in meiner Arbeit beim US-Militär in Irak, Japan, Kambodscha, Nepal und an vielen anderen Plätzen verwandt habe, wenn ich für AFN berichtete. Ich sage nicht, dass es diese Ereignisse nicht gab. Es gibt sie. Ich sage nicht, dass die SoldatInnen und ihre Führer nicht die Absicht haben, den Irak zu einem besseren Ort zu machen. Viele von ihnen tun das. Aber die Art und Weise, wie dies dargestellt wird, ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen, ohne jede Kritik und ohne jede Analyse.

Wir müssen uns vielmehr fragen: Was ist der Job der US-Militärs? Will das irakische Volk, dass wir im Irak sind? Ist das Land derzeit stabil und sicher?

Ganz sicher habe ich während meines Dienstes den Soldaten auf all diese Fragen keine Antwort gegeben. Und ich bezweifele, dass sie jemals von einem Soldaten der Öffentlichkeitsabteilung des US-Militärs beantwortet wurden. Ich glaube, das amerikanische Militär hat Besseres verdient. Nur weil man in einer Uniform steckt, bedeutet es nicht, dass man kein Bürger ist, dass man kein Recht darauf hat, sorgfältig informiert zu werden.

In Japan gehörte ich einem Team an, das für AFN News produzierte und später für den neu gegründeten The Pentagon Channel.

The Pentagon Channel wird kostenlos ausgestrahlt - via Satellit an die US-Öffentlichkeit, über lokale Kabelnetze und auch über das Internet. Produziert wird mit Steuergeldern in Höhe von sechs Millionen Dollar nur für die interne Öffentlichkeitsarbeit.18 Inzwischen empfangen mindestens 13 Millionen US-Amerikaner die Nachrichten des Verteidigungsministeriums, die 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, produziert werden.19 Die für die geschäftliche Abteilung zuständige Direktorin des Senders sagte, dass fast alle Kabel- und Satellitengesellschaften, die sie ansprach, positiv reagiert hätten. Bis auf einen waren sie alle damit einverstanden den Kanal zu senden. Die einzige Erklärung für die Ablehnung sei gewesen: „Die Person hatte einfach nur einen schlechten Tag“.20

Ein Professor für Kommunikation der Universität von Delaware sagte, die SoldatInnen der Öffentlichkeitsabteilung des Militärs sind keine „Reporter“. Sie seien „Verkäufer“.21 Ich sehe das auch so. Wir wurden und werden dazu benutzt, die offizielle Version von ganz oben so zu verbreiten, dass die Nachricht nicht bei den Medien verloren geht.

Außerhalb des Militärs war es mir möglich, einige ernsthafte Reportagen zu machen. Aber ich musste ein Pseudonym benutzen. Ich arbeitete als freier Journalist in der Vorbereitungszeit und kurz nach dem Beginn der Invasion und der Besetzung des Irak für die Pacifica Radio’s Free Speech Radio News (Nachrichten des Pazifischen Radios für Freie Rede). Jedes Mal, wenn in Tokio eine Protestaktion gegen den Krieg angesetzt war, schickten Vertreter des Militärs allen ein E-Mail, dass sie diese Bereiche der Stadt meiden sollten. Ich aber ging genau dort hin.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Militärs wurde immer umfangreicher, von den Propagandaplakaten des Zweiten Weltkrieges hin zu enormen Anstrengungen, weltweit ein starkes und positives Bild der Streitkräfte der USA zu vermitteln. Hochrangige Angehörige des US-Militärs beauftragen ihre Untergebenen, interne und externe Veröffentlichungen und Mitteilungen zu erstellen. Wie das geht, zeigt die Berichterstattung über die Moral der Truppe im Irak.

Das monatliche Magazin der Marine, All Hands (Alle Hände), beschrieb die US-SoldatInnen im Irak als „leidenschaftlich stolz“. Ein Journalist der Marine schrieb, wenn der Krieg vorbei sein wird, werden die Seeleute „zurückschauen auf einen gut gemachten Job. Sie können sich sicher sein, dass ohne ihre Unterstützung der Krieg nicht gewonnen worden wäre.“22

Einige Wochen später veröffentlichte ein unabhängiges Nachrichtenmagazin, The Nation, einen Artikel unter dem Titel „Fadenscheiniges hingebogen, belogen und misshandelt“. Ihr eingebetteter Reporter erzählte eine andere Geschichte. Er schrieb: „Die meisten der amerikanischen GIs, die da drin stecken, sind müde, frustriert und bereit, heim zu gehen.“23

Reporter einzubetten (embedded journalists) war übrigens ein weiterer Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit des Militärs. Ein offizieller Vertreter des Verteidigungsministeriums sagte, dass das Programm zur Einbettung im Irak für eine „sehr eingeschränkte Sicht“ sorgte, „was vor sich ging“. Das Ergebnis davon, so The Nation, war und ist: „Nicht die Fakten bringen, Mama, sondern die Gefühle - die geeignet sind, um warm zu werden, ein bisschen verschwommen, auch lustig, wie es sich schickt für den Chronisten einer Einheit.“24

Die Armee lässt so wenig wie möglich zu. Der Direktor des U.S. Army War College’s Center for Strategic Leadership (US-Armee Kriegs-Studienzentrum für Strategische Führungskräfte) sagte, die Einbettung „schränkt Medienanalysten und heimische Reporter in ihren Möglichkeiten ein, in einem größeren Kontext vom Kriegsgebiet zu berichten, indem ein Vakuum“ geschaffen wird.25

Ein anderes Beispiel: Ein Reporter von Associated Press (AP) ging mit auf einem Lufttransport, kurz nachdem der Iran 15 britische Seeleute und Marineangehörige festgenommen hatte. Sein Artikel liest sich wie eine Pressemitteilung. Unter dem Titel „Die US-Marine lässt ihre Muskeln im Persischen Golf spielen“ findet sich in dem Artikel eine lange Liste von verschiedenen Typen der an der Übung beteiligten Fluggeräte und Schiffe. Der Beitrag zitiert nicht weniger als sechs offizielle Vertreter des Verteidigungsministeriums und nicht einen einzigen Iraner, trotz des weltweiten Netzwerkes von AP und trotz verschiedener Behauptungen, dass der Iran die regionale Sicherheit gefährde.26

David Bloom von NBC ging sogar noch weiter, als er in einer Sendung sagte, dass die Soldaten im Irak „alles getan haben, was wir von ihnen verlangen konnten, und wir versuchen unser Wohlwollen zurückzugeben, indem wir alles tun, was sie von uns verlangen können“.27

Ich bin in Kontakt mit einer Handvoll von Angehörigen des Öffentlichkeitsdienstes des Militärs, unter ihnen einer aus Japan. Er sagte mir: „Wir nehmen es nicht so genau mit der Wahrheit, da wir einen Tunnelblick haben.“

Zur Illustration eine Geschichte kleineren Ausmaßes. Sie wurde mir von einem Höherrangigen erzählt, der seit Jahrzehnten als Journalist bei der Marine arbeitet. Er sagte, er habe einmal eine Reporterin bei einem Rundgang auf einem Schiff begleitet, den Fitnessräumen, der Bücherei, der Kapelle und anderen Orten der „Qualität des Lebens“. Er brachte sie nicht zu den Kojen der Besatzung - und hätte dies auch nicht getan - weil er nicht wollte, dass sie einen Bericht verfasst, mit dem „meine Kameraden daran erinnert werden, dass das Leben auf einem Kriegsschiff hart ist“. Der Marinejournalist sagte mir: „Dass ich ihr keine Beispiele dafür gab, was das Leben auf See schwierig und anspruchsvoll macht, hatte nichts damit zu tun, dass ich ihr und den Lesern das verschweigen wollte.“

Wenn er das schon nicht wegen der eingepferchten Besatzung tat, können Sie sich sicher vorstellen, was wir tun würden, wenn es um viel stärkere Konsequenzen gehen würde.

Wie in Guantánamo Bay. Während einer Ausbildung in Asien traf ich einen Soldaten, der als Mediziner in Guantánamo gedient hatte und der mir über regelmäßige Misshandlungen berichtete. Als es die ersten Nachrichten über die Behandlung der Gefangenen dort gab, veröffentlichte die Marine eine Ausgabe ihres monatlichen Magazins, deren Schwerpunkt auf Guantánamo Bay lag und zeichnete ein positives Bild der dort geleisteten Arbeit. Glücklicherweise ist die Behandlung der Inhaftierten nun öffentlich.

Nach meinen zwei Jahren in Japan wurde ich zur USS Peleliu überstellt, einem amphibischen Angriffsschiff, das in San Diego stationiert ist. Das Schiff hat eine Besatzung von ungefähr 1.200 Seeleuten. Wir hatten einen sechsmonatigen Einsatz im Persischen Golf und brachten auf unserem Schiff 1.800 mit und weitere 400 in den anderen fünf Schiffen unserer Einsatzgruppe.

Es sind immer Tausende von Seeleuten der US-Marine am Persischen Golf. Interessant ist, dass die US-Militärs ihn lieber Arabischen Golf nennen, weil der Name Persien mit dem Iran verbunden wird. Ich arbeitete auf einem Luftwaffenstützpunkt. Er wurde aber nicht Air Base genannt, sondern Air Force Base. Es sind nur kleine Unterschiede, es ist eine Frage der Botschaft.

Eine der Hauptaufgaben für die Marine im Persischen Golf ist das Öl, ganz einfach. Und ich sage das nicht nur so. Die eigene Geschichtsschreibung der Marine sagt, die allumfassenden Ziele der Außenpolitik der USA im Persischen Golf seien „seit fast einem halben Jahrhundert, politische Stabilität und den freien Zugang zum Öl für die Weltwirtschaft“ aufrechtzuerhalten.28

Während des Einsatzes arbeitete ich einen Monat an Bord eines Kreuzers für ferngelenkte Raketen für den Kommandeur der Einsatzgruppe, einem Marinegeneral mit einem Stern. Das Schiff war teil eines „Stahlrings“, der zwei irakische Verladehäfen im Persischen Golf schützte. Der „Ring“ besteht typischerweise aus einer Handvoll von Kriegsschiffen aus den USA, Großbritannien, Australien und Singapur. Sie umkreisen die Verladehäfen, in denen täglich 1,8 Millionen Barrel Öl auf Tanker verladen werden. Das sind etwa 5 Billiarden Barrel pro Jahr.29

Ich war nur einige Tage lang in Irak selbst, wo ich den General und seinen Vorgesetzten bei Treffen und Zeremonien mit irakischen Marinevertretern begleitete. Den größten Teil meiner Zeit schrieb ich Pressemitteilungen, erstellte Videoberichte für die Nachrichten der Marine und machte Fotos.

Ich zitierte einen Kapitän mit den Worten: „Die Schiffsbesatzung hat eine wunderbare Zeit“.30 Ich wollte die Gelegenheit am Schopf ergreifen, um zu sagen, dass sie in der Tat keine wundervolle Zeit haben. Sie waren weit weg von ihren Freunden und Familien, zusammengepfercht und unterstützten einen Angriffskrieg.

Andere Reporter berichteten darüber, wie „beeindruckt“ sie waren. Einer schrieb: „Es war ein Privileg, diese jungen Seeleute in Aktion zu sehen.“31 Ein anderer beschrieb die Erfahrung als „erregend“.32 Bei der Vorbereitung meiner heutigen Erklärung las ich im Internet ungefähr 15 Berichte verschiedener Medien über die Ölterminals. Mit einem kleinen Unterschied hatten sie alle die gleichen Quellen, darunter auch die Berichte, die mein Journalistenkamerad von der Marine geschrieben hatte.

Das Öl bringt dem Land etwa 11.000 Dollar in der Sekunde ein.33 90% des irakischen Bruttosozialprodukts erwächst aus dem Öl.34 Und so weiter. Obwohl die Reporter über die „Erregung“ beim Anblick der Ölterminals schrieben, schien es keinen Grund für sie zu geben, selbst dort aufzutauchen. Ihr Wissen ist sehr beschränkt.

Tatsächlich mag es sein, dass es selbst in den USA möglich gewesen wäre, eine bessere Reportage zu schreiben, als auf den Verladehäfen selbst. Enthüllungsjournalisten aus Texas führten eine sechsmonatige Recherche durch und fanden heraus, dass Millionen von Dollar täglich beim Öl im Irak verloren gehen, weil es auf den Verladehäfen keine Zähler gibt. Die jährliche Unterschlagung „geht in die Milliarden und kommt Aufständischen, sektiererischen Milizen und korrupten Staatsbediensteten zugute.“35

Letztes Jahr begann die US-Marine ihre Einrichtungen in den Häfen auszubauen, um eine Militärbasis zu errichten.36 Ein britischer Flottenadmiral war erstaunlicherweise offen, als er sagte, dass die Seeleute, die die irakischen Ölplattformen bewachen, noch „lange“ Zeit da bleiben werden.37 Ich bin nicht davon überzeugt, dass unser gegenwärtiger Oberbefehlshaber wirklich alle Truppen aus dem Irak zurückziehen wird, aber er sollte das tun. Er muss das tun. Das amerikanische Volk hat Barack Obama ein Mandat gegeben, indem es ihn ins Weiße Haus wählte. Es ist die Pflicht des Präsidenten, dem Willen der Bevölkerung zu folgen und alle US-Soldaten, alle Soldaten der Luftwaffe, der Marine, der Grenzbehörden und die Seeleute heimzuholen.

Während meines Dienstes im US-Militär, darunter auch im Irak, versuchte ich, meine Beteiligung vernünftig zu sehen. Ich dachte, ich kämpfe nicht. Es ist nicht mein Job, Iraker oder Afghanen zu töten. Wenn ich eine Waffe trug, dann nur zur Selbstverteidigung. Ich bin nicht direkt an der Besatzung dieser Länder beteiligt. Aber meine Waffe war mein Stift, mein Papier, meine Kamera, das was ich schrieb.

Vielleicht war meine Rolle nicht so bedeutend. Aber ich spielte bedauerlicherweise eine Rolle in dem fortwährenden Krieg, in dem ich für die Präsenz des US-Militärs bei den Rängen und außerhalb davon warb.

Ein Freund von mir, mit dem ich Dienst leistete, erzählte mir, dass diese Hearings, wie das heutige, Verrat üben und dem Feind helfen. Er sagte, Al Kaida muss gar keine Propaganda machen, wir erledigten das für sie.

Aber wir sind keine Verräter. Wir sind nicht hier um Menschen zu unterstützen, die gegen unser Land kämpfen. Wir erzählen nur die Realität über die Rolle des Militärs in Irak und Afghanistan, so dass die Öffentlichkeit mit klarer Sicht Veränderungen bei der Militär- und Außenpolitik einfordern kann.

In den fünf Jahren meines Dienstes arbeitete ich mit Marines, Soldaten des Heeres und der Luftwaffe, der Nationalgarde und Seeleuten, um meinen Job zu machen. Obwohl ich mit keinem von ihnen über den Krieg in Irak sprach, weiß ich, dass es eine große Opposition bei den Soldaten gegen den Krieg gibt.

Wir sind heute nur wenige, aber unsere Zahl wächst. Mehr als eine halbe Million SoldatInnen haben in Irak und Afghanistan Dienst geleistet.38 Mehr als viertausend kamen in Särgen zurück, mehr als 30.000 wurden verwundet.39 Unsere Familien, Freunde, Nachbarn, unser Land wird sich immer mehr bewusst, welche menschlichen Kosten dieser Kampf verursacht, der nicht unser Kampf ist. Die Soldaten, die über die Realitäten vor Ort sprechen, das sind die mutigen Patrioten.

Fußnoten

1 http://www.defenselink.mil/speeches/speech.aspx?speechid=498

2 https://rdl.train.army.mil/soldierPortal/atia/adlsc/view/ public/11645-1/fm/3-06/TOC.HTM

3 http://www.navy.com/careers/enlisted/artsphotography/

4 http://myafn.dodmedia.osd.mil/faq.aspx

5 http://myafn.dodmedia.osd.mil/ScheduleXls.aspx

6 http://myafn.dodmedia.osd.mil/faq.aspx

7 http://myafn.dodmedia.osd.mil/faq.aspx

8 http://www.fair.org/index.php?page=3318

9 http://www.fair.org/index.php?page=3340

10 http://www.fair.org/index.php?page=3318

11 http://www.afneurope.net/AboutUs/tabid/85/Default.aspx

12 http://www.pentagonchannel.mil

13 http://dir.salon.com/story/opinion/huffington/2005/02/24/pentagon/

14 http://www.afniraq.army.mil/

15 http://en.wikipedia.org/wiki/Armed_Forces_Radio

16 http://www.unitedforpeace.org/article.php?id=884

17 http://pentagonchannel.mil-FreedomJournalIraq-04Feb.2009

18 http://feeds.bignewsnetwork.com/index.php?sid=65969 and http://ics.leeds.ac.uk/papers/vp01.cfm?outfit=pmt&folder=34&paper=2104

19 http://www.defenselink.mil/news/newsarticle.aspx?id=16353

20 dito

21 http://www.csmonitor.com/2005/0425/p11s01-usmi.html

22 http://findarticles.com/p/articles/mi_m0IBQ/is_1037/ai_110529179

23 http://www.thenation.com/doc/20031006/parenti

24 http://www.thenation.com/doc/20030317/brightman

25 http://www.iwar.org.uk/news-archive/iraq/oif-embedded-reporters.htm

26 http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/ article/2007/03/27/AR2007032700610_pf.html

27 http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res= 9507E6DA1230F936A15750C0A9659C8B63

28 http://www.history.navy.mil/wars/dstorm/sword-shield.htm

29 http://www.boston.com/news/world/middleeast/ articles/2007/10/16/navy_protects_iraqs_lifeline_in_persian_gulf/

30 http://www.navy.mil/search/display.asp?story_id=23677

31 http://austinbay.net/blog/index.php?p=394

32 http://www.spot-on.com/archives/allbritton/ 2007/07/water_and_oil_mix_in_the_gulf_1.html

33 http://www.stripes.com/article.asp?section= 104&article=39966&archive=true

34 http://www.spot-on.com/archives/allbritton/ 2007/07/water_and_oil_mix_in_the_gulf_1.html

35 http://www.cbsnews.com/stories/2007/ 02/08/iraq/main2451828.shtml

36 http://www.globalpolicy.org/security/ oil/2007/1112oilbase.htm

37 http://www.independent.co.uk/news/ world/middle-east/escorted-by-the-us-navy- british-sailors-return-to-the-gulf-399637.html

38 http://www.fpif.org/fpiftxt/467

39 http://en.wikipedia.org/wiki/ Casualties_of_the_Iraq_War#U.S._armed_forces


Zack Baddorf: Speech for Winter Soldier Europe on March 14, 2009, in Freiburg, Germany. Übersetzung: Rudi Friedrich. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Juli 2009



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