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Amerikanischer Deserteur besuchte Nottuln und erzählte seine Geschichte
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Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure

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Amerikanischer Deserteur besuchte Nottuln und erzählte seine Geschichte

von Robert Hülsbusch

André Shepherd in NottulnNottuln. Sichtlich erfreut und bewegt zeigte sich am Montagabend André Shepherd, als er die gerade erst renovierte Friedens- und Versöhnungskapelle an der St. Martinus-Kirche betrat. Gleich fiel ihm der Schriftzug ins Auge: „Wir gedenken aller, die durch ihr Nein zum Krieg gelitten haben und leiden!“ André Shepherd, US-Bürger, war als Soldat im Irakkrieg und desertierte dann. Heute lebt er als Asylbewerber in Deutschland. In seine Heimat kann er nicht zurück. Dort würde er sofort ins Gefängnis kommen. „Ich freue mich, dass man an dieser Stelle, in so einer kleinen deutschen Stadt wie Nottuln, an Menschen wie mich denkt. Ich freue mich, dass man auch Achtung für Deserteure hat, die den Krieg nicht weiter mittragen können und wollen.“ Als Erinnerung ließ der junge Deserteur einen kleine Notiz in der Kapelle: „Ich wollte nicht mehr für Tod und Elend verantwortlich sein. Für mich war der Weg eindeutig: Ich musste raus aus dem Militär.“

In der Abendveranstaltung im Evangelischen Johanneshaus erzählte dann der Amerikaner seine Geschichte. 30 Bürgerinnen und Bürgern waren der Einladung der Friedensinitiative Nottuln gefolgt. Mit 27 Jahren ging André Shepherd zur US-Armee. Er sah für sich keine berufliche Perspektive, war zeitweise obdachlos, war nicht krankenversichert. Dann kam die Armee und bot eine neue Perspektive: Geld, eine Ausbildung und eine Krankenversicherung. Shepherd wurde Mechaniker für die Apache-Hubschrauber. Nach einer kurzen Stationierung in Katterbach (Bayern) kam er 2004 für ein halbes Jahr in den Irak. Schon bald musste er erfahren, dass der Krieg mit einer großen Lüge geführt wurde. Massenvernichtungswaffen gab es nicht. Und dann erlebte er die Grausamkeit und Unmenschlichkeit des Krieges. Er sah, wie die amerikanische Armee eine ganze Stadt zerstörte – mit Apache-Hubschraubern wurde sie dem Erdboden gleich gemacht. Kein Iraker durfte vorher die Stadt verlassen. Shepherd: „Es gab unzählige zivile Opfer und ich musste ertragen: Es war meine Einheit, die mitverantwortlich war für dieses Verbrechen.“ Der junge Mann schluckte beim Reden: „Das ist meine Last, die ich bis zum Ende meines Lebens zu tragen habe.“ Wieder in Deutschland bemühte sich der Soldat, die wirklichen Gründe für den Irakkrieg herauszufinden. Am Ende dieses Prozesses stand für ihn fest: „Ich muss die Armee verlassen.“ Als er erneut in den Irak sollte, desertierte André Shepherd. 19 Monate lebte er im Untergrund. Dann stellte er einen Asylantrag in Deutschland und hofft nun, hier politisches Asyl zu bekommen. Dass dies nicht einfach ist, weiß André Shepherd. „Wenn die Bundesrepublik mir Asyl gewährt, heißt dies, dass sie den Krieg der Amerikaner als das beschreibt, was er ist: völkerrechtwidrig!“ Viele Soldaten würden im Irak denken wie er: „Warum sind wir hier? Wir vergeuden unsere Zeit. Wir sind ein Haufen Mörder!“ Aber die meisten Kameraden müssten aus Rücksicht auf ihre Familien, die sie mit ihrem Militär-Job unterstützten, bleiben. Dennoch – seit 2001 – wären 25.000 amerikanische Soldaten desertiert. Was dies für die einzelnen Soldaten bedeutet: „Sie kämen – so Shepherd - ins Gefängnis, auch die Todesstrafe würde weiter angedroht. Die Deserteure würden unehrenhaft entlassen. André Shepherd: „Das Leben ist kaputt: kein Pass, kein Job, keine Kredite, keine demokratischen Rechte mehr.“ Und zum Schluss: „Es zerreißt mir das Herz, wenn ich an die vielen Menschen im Irak und auch in Afghanistan denke und an die Grausamkeiten, die sie erleiden mussten. Sie haben unser Mitleid verdient anstatt Bomben.“ Viel Nachdenklichkeit hinterließ der Bericht bei den Zuhörern. Unterstrichen wurde diese durch die besinnlichen Musikstücke, die Maria Stanko mit der Querflöte zum Abend beisteuerte. Wer den jungen Deserteur unterstützen möchte, kann dazu Informationen auf der Seite www.Connection-eV.org finden.


Robert Hülsbusch: Amerikanischer Deserteur besuchte Nottuln und erzählte seine Geschichte. 22. September 2009.



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