15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

Nachruf auf zwei KriegsdienstverweigerInnen

Polen Ünlü und Alper Sapan wurden beim Massaker in Suruç ermordet

von Vicdani Ret Derneği

(27.07.2015) Am 20. Juli machten sich viele junge Menschen aus verschiedenen Städten auf, um Kobanê wieder aufzubauen, die Stadt, die über mehrere Monate hinweg Widerstand gegen die Angriffe der ISIS leistete. Sie wollten die Stadt wiederaufbauen, die durch den Krieg zerstört wurde und das Leben in das geplünderte Land zurückbringen, in dem die Kinder zum Tode verurteilt sind.

Sie sollten aber keinen Erfolg haben. Die immerwährende Kriegspolitik mündete in eine Bombe, die in der Mitte der Versammlung von jungen Menschen explodierte, die sich dieser Politk widersetzten und den Frieden aufbauen wollten. Dutzende verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt.

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Eine von denen, die ihr Leben verlor, ist Polen Ünlü, die 2012 ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt hatte: "Dieser Krieg tötet nicht nur Männer, sondern auch Frauen." Auch Alper Sapan ist unter den Opfern des Massakers, der ebenfalls den Kriegsdienst verweigert hatte. Im Mai 2014 erklärte er: "Für eine Welt ohne Krieg, ohne Nation, ohne Grenzen; Für die Freiheit höre ich auf mein Herz und verweigere den Militärdienst."

Bevor es den Ver

ein für Kriegs­dienst­ver­weigerung (Vicdani Ret Derneği) gab, arbeiteten wir mit Polen gemeinsam in der Plattform Kriegs­dienst­ver­weigerung für Frieden. In dieser Zeit konnten wir die Grundlage für die Kriegs­dienst­ver­weigerungsbewegung schaffen. Nach jeder Militäroperation in Kurdistan, nach jedem Gefecht und jeder zweifelhaften Ermordung von Soldaten riefen wir zusammen unseren Wunsch nach Frieden heraus. Und Alper machte sich mit dem Vertrauen auf Frieden nach Kobanê auf und trug in seinem Herzen ein neues Leben mit sich. Aber der Krieg fand genau dort ein Herz, das sich dem Töten und Getötet werden verweigerte. Durch die Bombe der Kriegspolitik steht dieses Herz nun still.

Jetzt, nach dem Massaker von Suruç, brennt der letzte Funken in unseren Herzen unter Schmerzen. Wir verabschieden all die jungen Menschen, die sich mit ihrem Vertrauen auf Frieden aufmachten, von Polen und Alper, mit dem Traum auf eine neue Welt, die sie in ihren Herzen trugen.

Ein weiteres Mal wollen wir mit Euch an die Kriegs­dienst­ver­weigerung von Polen Ünlü und Alper Sapan erinnern:

"Hallo. Mein Name ist Polen Ünlü. Ich bin eine junge türkische Frau und auch Sozialistin. Ich bin Antimilitaristin. Ich unterstütze den gerechten Kampf der Arbeiterklasse und der Unterdrückten mit meinem ganzen Herzen. Ich möchte nicht, dass meine Brüder, meine Schwester und alle Menschen, die ich liebe, Teil eines schmutzigen Krieges werden, der vom Staat geführt wird. Dieser Krieg tötet nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Aus diesem Grund erkläre ich meine Kriegs­dienst­ver­weigerung."

"Hallo, ich bin Alper Sapan. Ich bin ein 19-jähriger Anarchist. Ich wende mich gegen die Ungerechtigkeit des Staates, gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Ich verweigere das Töten von Menschen, ich verweigere Gewalt und ich verweigere mich dem Staat. Ich will nicht für irgendjemanden sterben, ich will nicht für irgendjemanden töten und ich werde niemandes Soldat sein. Für eine Welt ohne Krieg, ohne Nation, ohne Grenzen; Für die Freiheit höre ich auf mein Herz und verweigere den Militärdienst. Lasst uns den Militarismus zerstören, bevor er uns zerstört."

Vicdani Ret Dernegi: Two Conscientious Objectors, Polen Ünlü and Alper Sapan, were murdered in the Suruç massacre. 27. Juli 2015. Übersetzung: rf. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe September 2015.

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