Kriegsgegner in Kanada

Deserteure aus den USA

von War Resisters

Jeremy Hinzman

Jeremy Hinzman war Soldat in der 82. Luftlandedivision, einer Eliteeinheit der US-Armee. Nachdem er einen Antrag zur Anerkennung als Kriegs­dienst­ver­weigerer gestellt hatte, leistete er in Afghanistan Dienst in der nicht-kämpfenden Truppe ab. Nachdem sein Antrag auf Kriegs­dienst­ver­weigerung abgelehnt worden war und er in die USA zurückkehrte, erfuhr er, dass sie in den Irak verlegt werden sollte.

Hinzman glaubte nicht an die vorgegebenen Gründe für den Irakkrieg. Im Januar 2004 fuhr er nach Kanada, um Asyl zu beantragen. Er lebt gegenwärtig mit seiner Frau Nga Nguyen und seinem Sohn Liam in Toronto. Sein Asylantrag wurde im März 2005 vom Amt für Einwanderung und Flüchtlinge abgelehnt. Das Bundesgericht verwarf im März 2006 seinen Widerspruch, ließ aber die Klage vor dem Beru­fungs­gericht des Bundes zu. Das Verfahren ist noch anhängig.

Darrell Anderson

Darrell Anderson kam im Januar 2005 aus Lexington, Kentucky, nach Toronto. Er leistete sieben Monate Militärdienst im Irak ab, wo er ein Verwundetenabzeichen erhielt, nachdem er von einer am Straßenrand liegenden Bombe verwundet worden war. Als er ein zweites Mal in den Irak verlegt werden sollte, entschied er sich stattdessen, nach Kanada zu kommen.

Seine Erfahrungen im Irak überzeugten Darrell davon, dass der Krieg ungerecht war: Unschuldige Zivilisten werden getötet und junge Soldaten sterben für einen illegalen Krieg. "Nach Kanada zu gehen ruiniert nicht dein Leben", so Darrell, "es rettet dein Leben."

Brandon Hughey

Brandon Hughey kam im März 2004 nach Kanada. Er kommt aus San Angelo in Texas. Brandon verließ die Armee, bevor seine Einheit in den Irak verschifft wurde. Es war, so sagt er, seine Pflicht, die Armee zu verlassen. "Ich finde, wenn einem Soldaten ein Befehl gegeben wird, der nicht nur illegal, sondern auch noch unmoralisch ist, steht es in seiner Verantwortung, den Befehl zu verweigern", schrieb er in seiner Antwort zu den ihm von der Standard-Times aus San Angelo per eMail zugesandten Fragen. "Ich bin auch davon überzeugt: Wenn ein Soldat einen Befehl verweigert, von dem er weiß, dass er falsch ist, ist es für ihn nicht richtig, sich der Bestrafung dafür auszusetzen."

Brandon hatte im Juni 2005 beim Amt für Einwanderung und Flüchtlinge seine Anhörung. Sein Antrag wurde abgelehnt. Das Bundesgericht verwarf im März 2006 seinen Widerspruch, ließ aber Klage vor dem Beru­fungs­gericht des Bundes zu. Das Verfahren ist noch anhängig.

Clifford Cornell

Cliff Cornell aus Arkansas war im Fort Stewart in Georgia stationiert. Er ging mit dem Versprechen des Anwerbers zum Militär, dass er für die Verpflichtung eine Bonuszahlung von 9.000 US-Dollar erhalten würde sowie eine Ausbildung.

"90% von dem, was die Anwerber dir erzählen, ist gelogen", sagte Cliff. "Die Techniken zur Rekrutierung sollen verführen und zielen auf junge Männer aus armen Familien", so Cliff. Seine Einheit wurde kurz nach Weihnachten in den Irak verlegt. Am 8. Januar kam Cliff nach Toronto und beantragte Asyl.

Ryan Johnson

Ryan Johnson ging im Juni 2005 mit seiner Frau Jenna über die Grenze nach Kanada. Sie brauchten einen Monat für ihre Reise von Kalifornien bis zur Regenbogenbrücke bei den Niagara-Fällen. Ryan verließ wegen seiner persönlichen und politischen Überzeugungen im Januar 2005 eigenmächtig die Armee (AWOL).

Gemeinsam mit seiner Frau blieb Ryan einige Zeit beim Military Counseling Project (Militärberatungsprojekt) in San Diego und verfolgte das Verfahren von Pablo Paredes, der die Verlegung in den Irak verweigert hatte.

Am folgenden Tag kam er nach Kanada, erzählte er Democracy Now! "Wir fanden die Webseite von Jeremy Hinzman, bevor ich die Armee verließ. Und einer unserer ersten Gedanken war, nach Kanada zu gehen. Wir fanden auch die GI-Rights-Hotline, dann noch Sachen über Camilo Mejia und Aidan Delgado. Das Leute dies machten, inspirierte mich. So wusste ich, dass es andere Menschen wie mich gibt, die nicht in den Krieg ziehen wollen und dass es Leute gibt, die SoldatInnen und Zivilisten wissen lassen wollen, dass sie nicht die Einzigen sind, die nicht daran glauben."

Joshua Key

Als der Obergefreite Joshua Key in den Irak verschifft wurde, dachte der Pionier einer Kampfeinheit, dass er das Richtige tun würde. "Ich ging mit Absicht in den Irak. Ich dachte, da wäre ein neuer Hitler", sagte er in einem Interview. "Aber dort gab es keine Waffenvernichtungswaffen. Sie hatten absolut kein Militär. Da war ich sehr erstaunt."

Er blieb acht Monate im Irak, bevor er sich eigenmächtig entfernte (AWOL). Im März 2005 erreichte er mit seiner Frau Brandi und vier gemeinsamen Kindern Toronto. Auf die Frage, warum er desertiert ist, sagt er: "Es sind die Gräuel, denen die unschuldige Bevölkerung im Irak ausgesetzt sind. Ich wollte nicht mehr Teil dessen sein, nie mehr. Ich kam nach Hause und desertierte."

Ivan Brobeck

Ivan Brobeck war sieben Monate mit der US-Marine im Irak, bevor er desertierte und im April 2005 nach Kanada kam. Er wurde in Arlington, Virginia, geboren.

Wie Ivan dem Now Magazine in Toronto erzählte, realisierte er irgendwo zwischen dem dreistündigen Gefecht in Falludscha und der Anweisung, den irakischen Kindern Süßigkeiten zu geben, dass er die Armee verlassen muss: "Viele Matrosen fühlen", sagt er, "dass der Krieg sinnlos ist. Aber Befehle sind Befehle."

Es war eine schwierige Ent­schei­dung für ihn, nach Kanada zu kommen. "Es ist immer eine harte Ent­schei­dung, sich eigenmächtig zu entfernen (AWOL), weil es bedeutet, alle Bekannten und alles andere zu verlassen. Aber nun habe ich die Ent­schei­dungsfreiheit und kann planen, was ich mit meinem Leben machen will, ohne mir über Leben und Tod Gedanken machen zu müssen."

Patrick Hart

Patrick Hart, ehemaliger Feldwebel der 101. Luftlandedivision, kam am 21.8.2005 nach Toronto, nachdem er neuneinhalb Jahre Dienst in der US-Armee geleistet hatte.

Er nahm an der Operation Irakische Freiheit vom April 2003 bis März 2004 teil. "Als eine zweite Verlegung bevorstand, fragten mich junge Soldaten über den Krieg aus. Ich hatte keine Antwort, und durch mich sollte kein Blut vergossen werden."

Im September 2005 folgten seine Frau Jill und sein junger Sohn Rian nach Toronto. Sie warten derzeit auf die Anhörung beim Amt für Einwanderung und Flüchtlinge.

Robin Long

Robin Long kommt aus Boise, Idaho. Er erhielt im März den Befehl, in den Irak zu gehen, um dort im Mai auf seine neue Einheit 2-2 IN zu stoßen. "Ich denke immer noch nicht, dass Bush irgendeinen Grund bewiesen hat, dort zu sein. Und es wäre falsch für mich, ein Werkzeug der Zerstörung zu sein", sagt Robin.

Er leistete zwei Jahre Dienst in der US-Armee in Fort Knox ab, bevor er die Armee verließ und im Juni 2005 nach Kanada kam. In den Sommermonaten reiste er per Anhalter durch Kanada, von Tofino, British Columbia, nach St. Johns in Neufundland und so weit wie möglich nach Norden an der Küste von St. Lawrence entlang. "Ich habe dieses schöne Land wirklich genossen. Jeden Tag wurde ich von der wunderbaren Bevölkerung daran erinnert, dass ich die richtige Ent­schei­dung getroffen habe. Ich erinnere mich, dass ein Soldat nur eine Uniform ist, die Befehle befolgt. Kämpfen tut der Mann oder die Frau, der seinem oder die ihrem Gewissen folgt und angesichts des Unglücks die richtigen Dinge tut."

Am 30. November beantragte er in Thunder Bay die Anerkennung als Flüchtling. Er lebt gegenwärtig an der Nordküste des Superiorsees mit seiner Partnerin Renée und seiner Mutter Claire. Sie erwarten im Juli 2006 einen kleinen Kriegsgegner.

War Resisters’ Support Campaign: War Resisters in Canada. August 2006. http://www.resisters.ca/resisters_stories.html. Auszüge. Übersetzung: Rudi Friedrich. Der Beitrag erschien in: Connection e.V. und AG "KDV im Krieg" (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, September 2006.

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