15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

Türkei: Kriegsdienstverweigerung in Solidarität mit Kobanê erklärt

von Etkin Nachrichtenagentur

(11.10.2014) İstanbul – Mitglieder des Vereins für Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärten in Solidarität mit Kobanê ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung. Die Kriegs­dienst­ver­weigerInnen versammelten sich auf dem Galatasaray-Platz und skandierten „Wir werden nicht töten, nicht sterben, niemandes Soldat sein“, „Kriegs­dienst­ver­weigerung gegen Krieg“ und „Verweigere, leiste Widerstand, sag Nein. Gehe nicht zum Militär“.

Kriegs­dienst­ver­weigerung gegen die parlamentarische Resolution

Im Namen des Vereins für Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärte Ko-Vorsitzende Merve Arkun, dass mit der Kriegs­dienst­ver­weigerung in diesem Land die Grundhaltung, keinen Geschwistermord zu begehen, manifestiert würde. Sie führte weiter aus, der Staat und das System würden sich an dieser prinzipiellen Haltung stören und unter dem Vorwand, die Kriegs­dienst­ver­weigerInnen würden „das Volk vom Militär distanzieren“, mit Gewalt und Repressionen reagieren. Arkun betonte, sie seien „keine Wehrflüchtigen, sondern Kriegs­dienst­ver­weigerInnen“ und neue Kriegs­dienst­ver­weigerungserklärungen seien angesichts der intensivierten Übergriffe des IS von großer Bedeutung.

Merve Arkun rief angesichts der staatlichen Unterstützung für den IS, den Munitionslieferungen, den polizeilich und militärischen Angriffen auf die Protestdemonstrationen, den Zwangsumsiedlungen, den Massakern an Kindern, der Versklavung von Frauen und der parlamentarischen Resolution, zu neuen Kriegs­dienst­ver­weigerungserklärungen auf.

„Ich habe jedem Gesetz zuwidergehandelt, das die Men­schen­rechte verletzt“

Vedat Zencir, einer der ersten Kriegs­dienst­ver­weigerer der Türkei und Ercan Aktaş verbrannten die ihnen zugestellten Ermittlungsbescheide. Der 51-jährige Zencir teilte mit, dass er seit seiner Kriegs­dienst­ver­weigerungserklärung vor 24 Jahren mit staatlicher Repression konfrontiert sei. Zencir führte weiter aus: „Die Gesetze des Staates sind für mich nicht verbindlich. Ich habe jedem Gesetz zuwidergehandelt, das die Men­schen­rechte verletzt, und werde dies weiter tun. Obwohl wir nie eingerückt sind, behandelt der Staat uns wie Fahnenflüchtige.“ Zencir beschrieb Kobanê als Hoffnungsschimmer für den Frieden und rief dazu auf, Kobanê nicht einer in­ter­na­ti­onalen faschistischen Organisation zu überlassen. Mit den Worten „Kobanê ist Spanien“ unterstrich er, dass der Weg der in­ter­na­ti­onalen Solidarität für Frieden und Geschwisterschaft durch Kobanê führe.

„Ich bin weder als Türke noch als Soldat zur Welt gekommen“

Die neu erklärten Kriegs­dienst­ver­weigerInnen Zeynep Coşkunkan und Uğur Bolat haben ihre Ablehnung der Wehrpflicht als Teil des patriarchalen und militaristischen Systems ausgesprochen. Coşkunkan wies auf den Kampf der Frauen in Kobanê hin und sagte, das Gewissen der Frauen lehne das militaristische System ab. Uğur Bolat erklärte seine Kriegs­dienst­ver­weigerung wie folgt: „Ich bin Türke, aber bin weder als Türke, noch als Soldat zur Welt gekommen. Ich weigere mich zu töten. Ich verweigere in Solidarität mit den massakrierten, unterdrückten Völkern. Ich verweigere für Roboskî, für Rojava. Ich verweigere als Türke. Mein Gewissen verweigert.“

Etkin Nachrichtenagentur: Kobanê için vicdani retlerini açıkladılar. 11. Oktober 2014. Übersetzung: omü. Quelle: http://vicdaniret.org/kobane-icin-vicdani-retlerini-acikladilar/. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe November 2014.

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