Tamar Alon und Tamar Zeevi

Tamar Alon und Tamar Zeevi

Israelische Armee verurteilt zwei Kriegsdienstverweigerinnen zu je einem Monat Haft

von Haggai Matar

(13.12.2016) Die israelische Armee verurteilte zwei israelische Kriegs­dienst­ver­weigerinnen, Tamar Alon und Tamar Ze’evi, am 12. Dezember zu jeweils 27 Tagen Haft. Sie verweigern den Militärdienst, weil sie die Besatzung ablehnen.

Die jungen Frauen erklärten Mitte November ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung im Rekrutierungsbüro in Tel Hashomer. Sie machten deutlich, dass sie sich weigern, sich an der Unterdrückung des israelischen Volkes zu beteiligen. Sie wurden zu Beginn zu insgesamt 10 Tagen Haft im Militärgefängnis verurteilt (Danach noch einmal zu 8 Tagen Haft - d.Ü.).

Nach dem Ende ihrer aktuellen Haftzeit werden beide freigelassen werden, aber zugleich dazu verpflichtet, sich erneut beim Rekrutierungsbüro zu melden. Dort werden sie voraussichtlich bei ihrer Verweigerung bleiben und damit ein viertes Mal verurteilt werden. Es ist ein Kreislauf, der über Monate andauern kann.

Das israelische Recht gestattet die Kriegs­dienst­ver­weigerung, aber in der Praxis wird sie ausschließlich akzeptiert, wenn pazifistische Überzeugungen vorliegen, nicht allein politische Gründe. Die israelische Armee betrachtet die Ablehnung der Besatzung als politischen Grund.

Tamar Ze’evi und Tamar Alon haben beide darum geben, einen alternativen Dienst als Ersatz für den Militärdienst abzuleisten. „Von jungen Jahren an traf ich die palästinensischen Freunde meiner Eltern. Ich traf Menschen, die verdächtigt werden, meine Feinde zu sein. Sie lachten mich an, spielten mit mir und sprachen mit mir“, schrieb Tamar Alon in einer Erklärung vor ihrer Verweigerung. Und weiter: „Ich kann nicht der Auffassung folgen, dass die Unterdrückung eines anderes Volkes, die Verweigerung grundlegender Men­schen­rechte und Rassismus und Hass notwendig für die Existenz des Staates Israel sind.“

Tamar Ze’evi schrieb in ihrer Verweigerungserklärung: „Auf der einen Seite ist es meine gesetzliche und soziale Verpflichtung, die ich immer erfüllen wollte, das Recht auf die Sicherheit meines Heims und der mir liebsten Menschen zu sichern. Auf der anderen Seite aber: Bietet eine Kindheit im Schatten von Terrorattacken und Krieg wirklich Sicherheit? Wie steht es um die Sicherheit der Menschen auf der anderen Seite der Mauer? Bin ich, eine Tochter eines Volkes, das ein anderes Volk kontrolliert, nicht für ihr Wohlergehen verantwortlich? Wo ziehen wir die Linie, uns weiter daran zu beteiligen oder haben wir die Linie nicht schon längst überschritten?“

Anfang des Jahres war eine andere Kriegs­dienst­ver­weigerin, Tair Kaminer, für insgesamt fünf Monate im Militärgefängnis. Es war die längste Haft für eine Verweigerin bislang.

 

Eine Protest-eMail an die israelische Regierung kann versandt werden über www.wri-irg.org/en/node/26925.

Haggai Matar: IDF sentences two conscientious objectors to month in prison. 972mag.com. 13. Dezember 2016. https://972mag.com/idf-sentences-two-conscientious-objectors-to-month-in-prison/123701/. Übersetzung: rf

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