Israel: Dritte Kriegsdienstverweigerin in Haft

Atalya Ben Abba heute zu 20 Tagen Haft verurteilt, Tamar Alon und Tamar Ze’evi das 5. Mal in Gefängnis

von Mesarvot

(07.02.2017) Die 19-jährige Atalya Ben Abba wurde heute zu 20 Tagen Haft im Militärgefängnis verurteilt, weil sie erklärt hatte, sich der Einberufung in die israelische Armee und der Besatzung zu verweigern. Die aus Jerusalem kommende Ben Abba ist die dritte Kriegs­dienst­ver­weigerin, die derzeit in einem israelischen Militärgefängnis einsitzt. Sie schloss sich den Verweigerinnen Tamar Alon und Tamar Ze’evi an, die beide heute zum fünften Mal verurteilt wurden. Sie alle werden vom Kriegs­dienst­ver­weigerungsnetzwerk Mesarvot unterstützt.

Tamar Alon wurde heute zu 26 Tagen Haft verurteilt, womit die gesamte Haftstrafe auf 101 Tage ansteigt. Tamar Ze’evi wurde zu 23 Tagen Haft verurteilt, womit es bei ihr insgesamt 98 Tage sind. Es ist zu erwarten, dass alle drei Kriegs­dienst­ver­weigerinnen nach Verbüßung der Hafstrafe erneut zum Einberufungsbüro vorgeladen werden. Da sie beabsichtigen, ihre Verweigerung aufrecht zu erhalten, ist von weiteren Haftstrafen auszugehen.

Atalya Ben Abba hat erst kürzlich ein Jahr bei der Jugendbewegung HaSomer Hatza’ir abgeleistet, in der sie seit der 5. Klasse Mitglied ist.

In ihrer Kriegs­dienst­ver­weigerungserklärung schreibt sie: “Ich sorge mich um die Menschen, die hier leben. Ich sorge mich um die Gesellschaft und meine Möglichkeiten, sie zu ändern und weiter zu bringen. Deswegen habe ich das Jahr abgeleistet. Deshalb will ich den Preis zahlen und ins Gefängnis gehen. Ich will einen zivilen Dienst ableisten. Ich sehe all das als meinen Auftrag und meine Pflicht.”

“In Jerusalem wuchs ich im Stadtteil Musrara auf, direkt an der Grenze zwischen Ost und West. Dort aufzuwachsen bedeutet unvermeidlich, beide Seiten zu sehen. Und das führte bei mir vor allem zu der bedeutenden Einsicht, dass wir alle Menschen sind. Als Jersualemerin ist mit Angst nicht fremd. Ich spürte, was es bedeutet, wegen eines Alarms den Bus nicht nehmen zu können oder Schüsse zu hören und später von einem Terrorangriff zu lesen, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite stattgefunden hatte. Deshalb weiß ich so sicher, dass wir diese Situation nicht aufrecht erhalten dürfen.”

Mesarvot ist ein politisches Kriegs­dienst­ver­weigerungsnetzwerk, in dem sich alle zusammenfinden, die in den letzten Jahren Verweigerungsbriefe geschrieben, Initiativen gestartet oder Gruppen gegründet haben. Das Netzwerk unterstützt Kriegs­dienst­ver­weigerInnen, die sich der Wehrpflicht in den Besatzungstreitkräften verweigern. Es ist sich der Hierarchie der Geschlechter in der israelischen Armee und der ganzen Gesellschaft bewusst.

 

Kontakt: Guy Meyers, guymeyers(at)gmail.com, +972-54-598-1081

Mesarvot: Pressemitteilung vom 7. Februar 2017. Übersetzung aus dem Englischen: rf

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