Kriegsdienstverweigerinnen Atalya Ben Abba, Tamar Ze’evi, Tamar Alon, Tair Kaminer und Omri Baranes. Foto: Edo Ramon

Kriegsdienstverweigerinnen Atalya Ben Abba, Tamar Ze’evi, Tamar Alon, Tair Kaminer und Omri Baranes. Foto: Edo Ramon

Israel: Drei Kriegsdienstverweigerinnen in Haft

Tamar Alon und Tamar Ze’evi zum fünften Mal verurteilt

von Connection e.V.

(14.02.2017) Am 7. Februar wurden in Israel drei Kriegs­dienst­ver­weigerinnen zu mehrwöchigen Haftstrafen verurteilt. Tamar Alon und Tamar Ze’evi sind damit bereits zum fünften Mal verurteilt worden. Connection e.V. protestierte heute bei der israelischen Regierung gegen die Ver­ur­tei­lungen, forderte ihre unverzügliche Freilassung und die Anerkennung des Men­schen­rechts auf Kriegs­dienst­ver­weigerung.

Die 18-jährige Tamar Alon war am 16. November 2016 zum Rekrutierungsbüro in Tel Hashomer gegangen und hatte dort ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung erklärt: „Von jungen Jahren an traf ich Menschen, die als meine Feinde angesehen wurden, aber sie lachten mich an, spielten und redeten mit mir. Diese frühen Erfahrungen haben mich gelehrt, auf die tägliche Realität der PalästinenserInnen zu schauen und die Realität meines eigenen Lebens mit kritischen Augen zu sehen. Ich kann nicht akzeptieren, dass davon ausgegangen wird, dass die Unterdrückung einer anderen Nation, die Versagung von grundlegenden Men­schen­rechten, Rassismus und Hass lebenswichtig für die Existenz Israels sein sollen.“ (...mehr). Seitdem wurde sie insgesamt fünf Mal verurteilt, zuletzt zu 26 Tagen Haft. Nach Verbüßung ihrer Haftstrafe am 5. März 2017 wird sie damit insgesamt 102 Tage im Militärgefängnis gewesen sein.

Die 19-jährige Tamar Ze’evi war ebenfalls am 16. November 2016 zum Rekrutierungsbüro in Tel Hashomer gegangen und hatte dort erklärt: „Auf der einen Seite wird erwartet, dass ich meine gesetzliche und soziale Pflicht erfülle, eine Rolle, auf die ich immer vorbereitet wurde. Es ist richtig zur Sicherheit meines Landes und des mir nahestehenden Volkes beizutragen. Aber auf der anderen Seite: sind eine Kindheit und ein Leben im Schatten von Terrorangriffen und Kriegen wirklich ein Leben in Sicherheit? Wie steht es um die Sicherheit der Menschen auf der anderen Seite der Mauer? Bin ich als Teil einer Nation, die deren Leben kontrolliert, nicht auch für ihre Sicherheit verantwortlich? Wo ziehen wir die Linie? Wollen wir uns weiter daran beteiligen oder haben wir sie nicht schon längst überschritten?“ (...mehr). Seitdem wurde auch sie ingesamt fünf Mal verurteilt, zuletzt zu 23 Tagen Haft. Nach Verbüßung ihrer Haftstrafe am 2. März 2017 wird sie damit insgesamt 99 Tage im Militärgefängnis gewesen sein.

Die 19-jährige Atalya Ben Abba wurde am 7. Februar 2017 zu 20 Tagen Haft im Militärgefängnis verurteilt. Sie hatte bei ihrer Einberufung erklärt: „Ich sorge mich um die Menschen, die hier leben. Ich sorge mich um die Gesellschaft und meine Möglichkeiten, sie zu ändern und weiter zu bringen. Deswegen habe ich ein Freiwilligenjahr bei der Jugendorganisation HaSomer Hatza'ir abgeleistet. Deshalb werde ich den Preis zahlen und ins Gefängnis gehen. Ich will einen zivilen Dienst ableisten. Ich sehe all das als meinen Auftrag und meine Pflicht.”

In Israel unterliegen auch Frauen der Wehrpflicht. Sie haben einen zweijährigen Dienst abzuleisten. Ein Recht auf Kriegs­dienst­ver­weigerung existiert praktisch nicht. Kriegs­dienst­ver­weigerer und -verweigerinnen wurden in den vergangenen Jahren bis zu zehn Mal zu mehrwöchigen Haftstrafen verurteilt. Es ist daher davon auszugehen, dass alle drei Kriegs­dienst­ver­weigerinnen nach Verbüßung der aktuellen Haftstrafe erneut zu Gefängnisstrafen verurteilt werden.

Connection e.V. forderte heute die israelische Regierung auf, die Kriegs­dienst­ver­weigerinnen unverzüglich freizulassen. "Es ist erschreckend, wie das israelische Militär gegen die Kriegs­dienst­ver­weigerinnen vorgeht", erklärte heute Rudi Friedrich vom Kriegs­dienst­ver­weigerungsnetzwerk Connection e.V. „Wir fordern die israelische Regierung auf, sie unverzüglich freizulassen und ihre Kriegs­dienst­ver­weigerung anzuerkennen."

Connection e.V. bittet zugleich um Unterstützung der Kriegs­dienst­ver­weigerinnen.

Connection e.V.: Pressemitteilung vom 14. Februar 2017

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